Worldcoin zahlt 54 Euro pro gescanntem Iris
Ein Gerät, das der Hersteller als „Orb“ bezeichnet, ein Tisch in einem Einkaufszentrum und eine Belohnung von 25 digitalen Münzen. Das entspricht etwa 54 Euro. Dies ist der Preis, den Worldcoin für die Iris desjenigen bietet, der sich vor seine Maschine setzt. Laut den Daten des Unternehmens haben bereits mehr als 2.165.000 Menschen diesen Deal angenommen. Spanien ist eines der Länder mit den meisten registrierten Augäpfeln.
Das Unternehmen wurde von Sam Altman gegründet, derselbe Mann, der das Team führt, das ChatGPT kontrolliert. Sein Argument ist, dass der Scan dazu dienen wird, Menschen von künstlichen Intelligenzen zu unterscheiden, wenn diese alles durchdringen – etwas, das seiner Meinung nach früher als später eintreten wird. Der Europa-Chef von Worldcoin räumt auf Nachfrage ein, dass dies wie ein dystopischer Roman klingt.
Was ist der Orb von Worldcoin und was bescheinigt er?
Der Orb ist im Wesentlichen eine Kamera. Mit Science-Fiction-Hülle, einer Datenbank dahinter und einer Kryptowährung davor als Köder. Er erfasst das Muster der Iris, wandelt es in einen Identifikator um und gibt dem Freiwilligen ein Zertifikat zurück, das ihn theoretisch als Person und nicht als Maschine ausweist.
Der unbequeme Punkt liegt nicht bei der Kamera, sondern bei denen, die sie betreiben. Das System, das verspricht, das Menschliche gegen Maschinen zu schützen, wird von derselben Person betrieben, die eine dieser Maschinen entwickelt, die unsere Schreib- und Sprechweise imitieren können. Das Unternehmen hat nicht detailliert erklärt, wie es verhindern will, dass sein eigenes Gerät schließlich Teil der Infrastruktur wird, die es überwachen soll.
Einkaufszentren als Akquisitionsorte
Die Strategie des Unternehmens setzt nicht auf Büros oder Verwaltungsvorgänge: Es stellt seine Kabinen dort auf, wo viel los ist und Zeit zur Verfügung steht. Die Belohnung in digitaler Währung ist der Haken, und der Haken funktioniert. Laut den bei Projektstart veröffentlichten Daten begann die Währung des Systems, der Worldcoin, genau in diesen Tagen zu handeln, was jedem Iris einen variablen Marktwert verleiht: 25 Einheiten, etwa 54 Euro zum Wechselkurs am Donnerstag, an dem die Informationen vorliegen.
Manche behaupten, die Rekrutierung wäre noch effektiver gewesen, wenn man sie an den Warteschlangen der Impfzentren durchgeführt hätte, wo die Zielgruppe konzentrierter war. Diese Beobachtung ist bissig, beschreibt aber gut die Logik des Modells: Augen dort erfassen, wo Augen sind, und sofort etwas anbieten im Austausch gegen etwas, das nicht rückgängig gemacht werden kann.
Biometrische Daten, die bereits ohne Diskussion weitergegeben werden
Das am häufigsten wiederholte Argument in den kursierenden Analysen zielt nicht auf die Iris ab, sondern auf das, was vorher geschah. Der Fingerabdruck wird ohne Vorstrafenregistrierung für den Personalausweis abgegeben, was in anderen Ländern undenkbar wäre. Der QR-Code diente dem Eintritt in Bars und Restaurants. Diagnostische Tests während der Pandemie hinterließen biologische Profile in den Händen Dritter.
Der zentrale Einwand ist berechtigt: Das Problem ist nicht die Biometrie selbst, sondern ihre Auferlegung als einzige Identifizierungsmethode und die anschließende Speicherung dieser Daten ohne explizite Einwilligung oder Verfallsdatum. Eine Iris lässt sich nicht wie ein Passwort ändern. Dieses Detail, das offensichtlich erscheint, fehlt in den Anwerbebroschüren.
Vom Iris zur Verkehrsüberwachung: dasselbe Muster
Die hergestellte Verbindung betrifft die Methode, nicht die Technologie. Madrid hat 257 Kontrollgeräte in seiner Umweltzone installiert, mit einer Warnphase bis zum 14. Januar und Bußgeldern danach, laut der offiziellen Ankündigung, die zusammen mit diesem Thema bekannt wurde. Ein Auto, das vor einem Monat die Hauptuntersuchung bestanden hat, kann von der M-30 ausgeschlossen werden, ohne dass sich sonst etwas geändert hat außer der Regel.
Im selben Kontext taucht der Fall Äthiopiens auf, wo die digitale Identifizierung für Bankgeschäfte verpflichtend gemacht worden sein soll. Und rückblickend ein oft zitierter Präzedenzfall: die Vereinbarungen, die das FBI 2016 unterzeichnete, um Iris-Datenbanken mit Bundesbehörden und lokalen Polizeistellen auszutauschen. Identifikatoren, Register, Zugänge. Die Sequenz wiederholt sich unter verschiedenen Namen.
Das Argument „Ich habe nichts zu verstecken“
Die Analyseströmung, die in dieser Debatte das größte Gewicht hat, spricht nicht von direktem Zwang, sondern vom Effekt der Mehrheit. Zunächst wird freiwillig und gegen eine Belohnung nachgegeben. Wenn ein großer Teil der Bevölkerung den Schritt bereits gegangen ist, beginnt derjenige, der draußen bleibt, verdächtig zu wirken, und dann wird gesetzlich geregelt, dass der Zugang zu bestimmten Diensten das Zertifikat erfordert. Was ein Angebot war, wird zur Voraussetzung.
Dies ist keine überprüfte Vorhersage, sondern ein beobachtetes Muster. Das Unternehmen behauptet, dass ohne diese Registrierung jede Maschine sich als Person ausgeben könnte. Die Debatte bleibt vorerst dort stehen, mit beiden Seiten überzeugt und den Orbs in Betrieb.
Den Preis hat das Unternehmen festgelegt: 25 Worldcoins, etwa 54 Euro pro Iris. Die Notierung dieser Währung startete in derselben Woche, in der das Unternehmen mit seinen mehr als zwei Millionen Augen prahlte. Wie viel ein Auge in fünf Jahren wert sein wird, verrät keine Broschüre.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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