Es gibt eine These, der zufolge die Linke von großen Industriellenfamilien entworfen wurde, um die Unzufriedenheit der Arbeiter zu kanalisieren und die Zerstörung der Fabriken zu verhindern. Es ist eine Behauptung ohne dokumentarische Belege, und die historische Forschung stützt sie nicht.
Die Idee kursiert mit einiger Beharrlichkeit: Die Linke sei nicht aus der Arbeiterschaft entstanden, sondern von den großen Industriellerdynastien geschaffen worden, um die Unzufriedenheit zu kontrollieren. Nach dieser Version hätten Familien wie die **Rothschilds**, die **Morgans**, die **Vanderbilts**, die **Du Ponts**, die **Barings** oder die **Rockefellers** eine gezähmte Arbeiterbewegung gefördert, mit Führern, die vorgaben, die Arbeiter zu verteidigen, während sie die Produktionsmittel ihrer Arbeitgeber schützten. Das Argument fügt hinzu, dass in **200 Jahren** trotz gewalttätiger Streiks selten eine Fabrik niedergebrannt sei, und dass dies beweise, dass die Gewerkschafter diese Containment-Funktion erfüllten.
## Was diese These genau besagt
Das Konstrukt hat mehrere Ebenen. Die erste ist ökonomisch: Die Unzufriedenheit der industriellen Arbeiter des 19. Jahrhunderts war real und für die Eigentümer gefährlich, also brauchten sie ein Sicherheitsventil. Dieses Ventil wäre eine Arbeiterbewegung mit Führern gewesen, die verhandelten, statt zu zerstören. Die zweite Ebene ist kulturell: Die Fabrikdisziplin hätte Männern kurze Haare auferlegt, ein zuvor nicht existierendes Symbol der Unterwerfung, sowie funktionale Kleidung, die sich später auf alle Gesellschaftsschichten ausbreitete. Frauen, so diese Version, seien bis Ende des 19. Jahrhunderts von diesem Prozess ausgeschlossen geblieben, als der Feminismus gefördert worden sei, um sie aus dem Haushalt in die Fabriken zu holen.
Die dritte Ebene ist politisch: Der Sozialismus wäre den Händen seiner angeblichen Schöpfer entglitten, hätte in **Russland** die reale Macht erobert und sich gefährlich ausgebreitet. Um ihn zu stoppen, hätten dieselben Magnaten die Rechte gestärkt, im Zeitalter von **MacArthur**, **Reagan** und **Thatcher**. Nach dem Fall der **UdSSR** wäre das Ventil mit neuen Anliegen erneuert worden: Feminismus, Einwanderung und Ökologie, zusammengefasst unter dem Etikett des Kulturmarschismus.
## Die Probleme der These
Das erste Problem ist die Beweislage. Es gibt keine Dokumentation, die zeigt, dass die **Rockefellers** oder die **Rothschilds** die Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts gründeten oder finanzierten. Gewerkschaften und sozialistische Parteien entstanden aus der Arbeiterschaft selbst, aus ihren gegenseitigen Hilfsvereinen und ihren Kämpfen, und ihre Führer wurden von den Staaten, die ebendiese Industriellen schützten, verfolgt, eingesperrt und in einigen Fällen hingerichtet. Die **Pariser Kommune** von **1871** endete mit Tausenden Toten und Deportierten, nicht mit einer geordneten Verhandlung.
Das zweite Problem ist logisch. Wäre die Linke zum Schutz der Fabriken entworfen worden, ließe sich nicht erklären, warum die Eigentümer die bewaffneten Gruppen finanzierten, die Streiks niederschlugen, oder warum der **New Deal** von **1933** und die Arbeitsgesetzgebung der Nachkriegszeit im Konflikt erkämpfte Zugeständnisse waren und keine kalkulierten Geschenke. Die Geschichte der Arbeiterbewegung ist voller staatlicher Gewalt gegen Arbeiter, von **Chicago** **1886** bis zu den Diktaturen des 20. Jahrhunderts.
Das dritte Problem ist, dass die These überprüfbare Fakten mit unbeweisbaren Behauptungen vermischt. Dass die Fabrikdisziplin bestimmte Erscheinungscodes auferlegte, ist eine vernünftige Beobachtung. Dass dies ein koordinierter Plan der großen Familien war, um die Menschen zu versklaven, ist eine Deutung, die sich mit Quellen nicht halten lässt. Genauso verhält es sich mit der Idee, der Feminismus sei geschaffen worden, um Frauen in die Fabriken zu bringen: Das Frauenwahlrecht und die ersten feministischen Forderungen wurden von Frauen vorangetrieben, die keinem Magnaten verpflichtet waren.
## Warum diese Idee weiter kursiert
Die These hat einen offensichtlichen Reiz: Sie erklärt eine komplexe Welt mit einer einzigen Ursache. Wenn alles, was einem an der heutigen Politik nicht gefällt, von einem vor zwei Jahrhunderten geschmiedeten Plan stammt, gibt es nichts mehr zu analysieren. Es ist eine geschlossene Erzählung, die keine Widerlegung zulässt, weil jeder Gegenbeweis als Teil der Täuschung interpretiert wird.
Diese Art des Denkens hat in der Logik einen Namen: die unwiderlegbare Hypothese. Sie lässt sich nicht falsifizieren, und deshalb ist sie keine historische Erklärung, sondern ein Glaube. Die akademische Forschung zur Arbeiterbewegung, von **E.P. Thompson** bis zu den aktuellen Studien über Gewerkschaften, arbeitet mit Archiven, Protokollen und Korrespondenz. Nirgendwo dort erscheint der Plan, den diese Version beschreibt.
Dass die Linke korrupte, anpasserische oder ihre Basis verraterische Führer hatte, ist ein in vielen Ländern dokumentiertes Faktum. Das in eine von Bankiers koordinierte Verschwörung über zwei Jahrhunderte zu verwandeln, ist etwas anderes. Das Erste lässt sich untersuchen. Das Zweite nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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