Was in Spanien wirklich los ist – einfach erklärt

Eine in Foren verbreitete Theorie behauptet, die Anschläge vom 11-M hätten das Regime in Spanien verändert, und Zapatero und Sánchez setzten eine globalistische Agenda um. Dafür gibt es keine Belege.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Es kursiert eine Theorie, die behauptet, die Anschläge vom 11. März 2004 in Madrid hätten in Spanien ein „globalistisches Regime" etabliert, das seither mit Zapatero und Sánchez als Vollstreckern regiert habe. Es ist eine Hypothese ohne jede Beweisgrundlage.

Manche Ideen verbreiten sich im Internet mit der Selbstverständlichkeit eines bewiesenen Faktums, obwohl niemand auch nur einen einzigen Beleg vorgelegt hat. Eine davon besagt, dass Spanien seit 2004 unter einem anderen Regime lebt als zuvor, auferlegt durch einen Anschlag und getragen von einer politischen Klasse, die sich an der Macht abwechselt, damit sich nichts ändert. Es klingt wie ein Roman, aber die Behauptung wird so oft wiederholt, dass man sich ihr stellen und trennen sollte, was Fakt ist und was Verdacht.

## Die Anschläge vom 11-M als angeblicher Ausgangspunkt

Die Theorie beginnt am **11. März 2004**, als zehn Explosionen in vier Pendlerzügen in Madrid **193 Menschen** töteten und mehr als **1.800** verletzten, laut offiziellen Zählungen. Der Anschlag, verübt von einer dschihadistischen Zelle, ereignete sich drei Tage vor den Parlamentswahlen, und die Informationspolitik der Regierung von **José María Aznar** beherrschte den Wahlkampf. Die verbreitete Hypothese geht darüber hinaus: Sie behauptet, es sei ein „False-Flag"-Anschlag gewesen, der nicht nur die Regierung, sondern das Regime ändern sollte. Dieser Teil stützt sich auf keinerlei gerichtliche oder polizeiliche Beweise. Die Urteile der Audiencia Nacional (Spaniens Oberstem Gericht für Strafsachen) und des Tribunal Supremo zwischen 2007 und 2008 verurteilten die Täter und Drahtzieher des Massakers, ohne diese Lesart zu stützen.

Das angebliche Regime hätte einen Architekten: **José Luis Rodríguez Zapatero**, Ministerpräsident von 2004 bis 2011. Nach dieser Erzählung hätte sein Amtsantritt eine Politik der Argumente durch eine Politik der Emotionen ersetzt, bei der man für eine Position nichts mehr wissen, sondern nur noch fühlen muss. Daraus seien Gesetze wie die gleichgeschlechtliche Ehe (2005), das Pflegegesetz (2006) oder das Gesetz zum historischen Gedächtnis (2007) hervorgegangen, die die Theorie als Säulen dieses Paradigmenwechsels zusammenfasst. Das ist eine politische Interpretation, kein bewiesener Fakt.

## Die Partitokratie und die vereinbarte Ablösung

Die nächste Stufe der Theorie ist, dass alle Parteien ohne Ausnahme diesen Rahmen respektiert und ausgebaut hätten. Daraus wird gefolgert, Spanien sei eine Partitokratie, in der sich die Parteien an der Macht abwechseln, um den Anschein von Alternanz zu erwecken, während alles beim Alten bleibt. **Mariano Rajoy**, Ministerpräsident von 2011 bis 2018, sei von diesem System „eingesetzt" worden und habe zum richtigen Zeitpunkt Platz gemacht. Die Behauptung hält keiner Dokumentenprüfung stand: Rajoy kam nach einem Wahlsieg mit absoluter Mehrheit 2011 an die Regierung und schied 2018 durch ein Misstrauensvotum infolge des Urteils im Gürtel-Korruptionsskandal aus.

Der heikelste Punkt der Erzählung betrifft **Pedro Sánchez**. Die Theorie behauptet, er habe sich 2023 geweigert, für den nächsten Kandidaten Platz zu machen, und mit Hilfe von **Indra** und **Correos** (der staatlichen Post) einen Wahlbetrug organisiert. Es existiert kein Gerichtsbeschluss, kein Gutachten und keine Prüfung, die diesen Vorwurf stützt. Die Auszählung der Wahlen vom 23. Juli 2023 übernahmen die Zentrale Wahlkommission und die Provinzwahlkommissionen, und die Ergebnisse wurden verkündet, ohne dass ein Gericht die Wahl wegen Betrugs annulliert hätte.

## Das „heilige Geschäft" und der Mediensturm

Die Theorie fügt eine weitere Ebene hinzu: Ministerpräsidenten könnten ungestraft durch Stiftungen, NGOs, Staatsunternehmen und Verträge stehlen, aber es gebe ein unantastbares Gebiet, den Drogenhandel, das seit den achtziger Jahren dem System vorbehalten sei. Nach dieser Erzählung hätte Sánchez es gewagt, dieses Gebiet anzufassen – in Zusammenarbeit mit Zapatero über Kontakte in Venezuela und die Fluggesellschaft **Plus Ultra**. Klarstellung: Es gibt kein Urteil und keine offizielle Untersuchung, die einen der beiden mit diesem Geschäft verbindet. Was es gibt, ist eine öffentliche Rettungsbeihilfe für Plus Ultra, die 2021 von der Sociedad Estatal de Participaciones Industriales (SEPI, einem staatlichen Industrieholding) in Höhe von **53 Millionen Euro** genehmigt wurde – ein Vorgang, der politische Debatten und Kritik auslöste, aber kein Drogenhandelsnetzwerk ist.

Seit 2023 beschreibt die Erzählung eine Medienkampagne gegen Sánchez, orchestriert vom System selbst, um ihn zu stürzen, ohne dass die PSOE verschwindet und ohne dass die Bevölkerung erfährt, Spanien sei ein „Narcostaat". Dieser Ausdruck findet sich in keinem internationalen Bericht. Spanien erscheint in den Jahresberichten des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung als Transitland und Cannabisproduzent, nicht als Narcostaat.

## Was überprüfbar ist und was nicht

Von diesem gesamten Gebäude sind überprüfbar die Fakten: die Anschläge vom 11-M, die anschließenden Verurteilungen, die Regierungen von Zapatero, Rajoy und Sánchez, die Rettungsbeihilfe für Plus Ultra und die Wahlergebnisse von 2023. Alles andere sind aneinander gereihte Interpretationen, die als Gewissheiten präsentiert werden, ohne Belege vorzulegen. Die Theorie schließt damit, dass es einen Regierungswechsel mit **PP** und **Vox** unter Wahrung desselben Pakts geben werde und dass Sánchez im Gefängnis landen oder fliehen werde. Das sind Vorhersagen, keine vollendeten Tatsachen. Bei Erzählungen, die reale Daten mit schweren, unbelegten Anschuldigungen vermischen, ist es klug, bei jeder Behauptung die Quelle zu verlangen, bevor man sie für wahr hält.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (8 Antworten).

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