Warum manche Spanier Putin verteidigen: Rubel und NATO

NATO-Ablehnung, Ressentiments gegen Angloamerikaner und der Witz vom «Bizum über 4 Rubel» stützen die spanische Unterstützung für Moskau.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Pilingui verteidigen: Rubel, NATO-Hass und angloamerikanisches Unrecht

Was bringt einen Spanier dazu, sich mit aller Kraft auf die Seite Moskaus zu stellen? Die Frage taucht seit Jahren immer wieder auf und lässt Antworten von materiellen bis rein psychologischen Gründen zu. Vier Strömungen erklären den Großteil des Phänomens: Eigeninteresse, Feindseligkeit gegenüber der NATO, historisches Unrecht gegenüber der angloamerikanischen Welt und der automatische Reflex, dass der Feind meines Feindes mein Freund ist. Keine reicht allein aus, und fast alle überschneiden sich.

Das «Bizum über 4 Rubel» und andere weniger eingestehbare Motive

Die häufigste und bequemste Antwort ist die der Bezahlung: «ein Bizum, bei dem man 4 Rubel erhält». Es ist ein Scherz, dient aber als Zusammenfassung des Verdachts, dass hinter der prorussischen Begeisterung ein finanzielles Interesse oder direkt ein persönliches Problem steckt. Die kursierende Liste ist hart: Leben voller Groll gegen das eigene Land, Lust, die Welt brennen zu sehen, und der Glaube, dass ein externer Retter repariert, was man selbst nicht in Ordnung bringen konnte.

Keines davon hält einer Überprüfung stand und sollte nicht wörtlich genommen werden. Entscheidend ist, dass dieses Argumentationsmuster – das des Söldners oder des Verbitterten – immer dann auftaucht, wenn die Debatte über geopolitische Gründe erschöpft ist. Es ist der einfache Ausweg für jene, die nicht über die Substanz diskutieren wollen: Wenn der andere gekauft oder gescheitert ist, muss man ihm nicht widersprechen. Und dabei wird die unbequeme Kernfrage vermieden.

Ablehnung der NATO und der «NWO»: Das am häufigsten wiederholte Argument

Hier liegt der Kern. Viele, die Moskau verteidigen, tun dies nicht wegen Russland, sondern gegen die NATO. Das Bündnis wird als bewaffneter Arm einer globalen Ordnung dargestellt, die als «NWO» (New World Order) etikettiert wird, eine angeblich globalistische Agenda, die impft, indoktriniert und Bevölkerungen ersetzt. Russland wäre keine erstrebenswerte Alternative, sondern ein Sand im Getriebe.

Diese Ablehnung durchzieht das gesamte Spektrum. Manche behaupten, hier konvergieren Positionen der extremen Linken und der extremen Rechten, vereint durch denselben gemeinsamen Feind und sonst wenig. Auf der anderen Seite steht ein weiteres Argument: Manche verteidigen, dass der NATO-Beitritt freiwillig sei und die Alternative schlimmer wäre. Dabei wird erinnert, wie das sowjetische Blocksystem für seine Partner endete. Die Diskussion vergiftet sich genau dort: ob das Bündnis eine Auferlegung oder ein Schutzschirm ist.

Angloamerikaner als historischer Feind Spaniens

Die zweite Achse ist das Gedächtnis. Gibraltar bleibt die Wunde, die in jeder Unterhaltung aufreißt: das Abkommen von 1713 mit der britischen Krone, die spätere Expansion und der Zaun, der nie ganz schließt. Auf dieser Basis wird die These aufgebaut, dass der natürliche Rivale Spaniens nie Russland war, sondern die angloamerikanische Welt, und dass die Unterstützung Moskaus eine Form ist, den wahren Gegner zu schwächen.

Das Argument umfasst ein wirtschaftliches Kapitel: Die sogenannte «regelbasierte Weltordnung» wird als ein Regelwerk gelesen, das Washington zu seinem eigenen Vorteil geschrieben hat. Der Brexit wird als verpasste Chance zitiert, die Beziehung zu London neu zu ordnen. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist, dass Spanien in einem europäischen Krieg nichts zu gewinnen und viel zu verlieren hat und dass Europa als Interessengemeinschaft nicht existiert.

Der Trugschluss vom Feind meines Feindes

«Wenn eine Seite schlecht ist, ist die andere per Definition gut». Diese fast lehrbuchhafte Zusammenfassung beschreibt den verbreitetsten Mechanismus: Wenn die USA und die NATO die Bedrohung sind, wird Russland zur Lösung. Die Logik trägt nicht und stützt sich auf willkürlich ausgewählte Fakten.

Vertreter dieser Position berufen sich auf 2014: den Regierungswechsel in Kiew, das Verbot der russischen Sprache in Gebieten, wo sie Muttersprache ist, und die 14.000 prorussischen Toten im Donbas, die sie als Rechtfertigung anführen. Sie fügen die Rückgabe ukrainischer Atomwaffen gegen Garantien hinzu, die, wie sie sagen, nicht eingehalten wurden.

Wer antwortet auf diese Argumentation

Die Erwiderung kommt auf zwei Wegen. Einerseits jene, die keine Seiten akzeptieren: Sie verteidigen Neutralität, behaupten, dass weder Macht das Wohlwollen Spaniens genießt, und es vernünftig sei, sie untereinander streiten zu lassen. Andererseits jene, die glauben, dass Ukraine sich gegen eine Invasion verteidigt und dass die Gleichsetzung von Angreifer und Angegriffenem eine Falle ist.

In der Mitte bleibt ein wiederholter Vorwurf: das Whataboutism, die Angewohnheit, jede Kritik an Moskau abzulenken, indem man daran erinnert, was Washington oder Paris getan haben. Die Standardantwort lautet, dass man sowohl die Intervention im Irak als auch die russische gleichzeitig kritisieren kann, ohne Partei ergreifen zu müssen.

Das Ende, das niemand schreiben will

Die Debatte endet dort, wo sie begann: Einige glauben, das Problem sei die NATO, andere, das Problem sei Russland, und der Rest vermutet, dass beide das Problem sind. Unterdessen bleibt die Anfangsfrage ohne ehrliche Antwort. Vielleicht weil, wie der wiederkehrende Witz andeutet, die einzige Zahl, an die sich alle erinnern, die des Bizums ist: 4 Rubel.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (238 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver