Warum es kein einziges Foto der Erschießung von José Antonio gibt

Es existiert weder ein Foto der Erschießung noch der Leiche von José Antonio, und sein Tod wurde erst am 5. Juli 1940 amtlich beurkundet. Die Lücken in der Erzählung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kein einziges Foto der Erschießung: José Antonios Tod ohne Bild

Die Exhumierung dauerte fünf Stunden. Verschlossene Türen, ohne Publikum, drei Festgenommene und fünf Strafen, wie die Falange selbst einräumte. Als die sterblichen Überreste, die José Antonio Primo de Rivera zugeschrieben wurden, das Valle de los Caídos verließen und zum Friedhof San Isidro gebracht wurden, blickte das ganze Land auf einen Sarg, dessen Inhalt noch nie jemand gesehen hatte. Denn genau darum geht es: Es existiert kein einziges Foto der Erschießung noch der Leiche. Und der Tod wurde erst lange nach dem tatsächlichen Geschehen offiziell anerkannt.

José Antonios Tod, dessen Bestätigung das Regime Jahre brauchte

José Antonio Primo de Rivera wurde im März 1936 festgenommen – wegen öffentlichen Aufruhrs und Waffenbesitzes – und kam in das Modelo-Gefängnis von Madrid. Am 5. Juni wurde er ins Gefängnis von Alicante verlegt. Dort wurde er laut offizieller Darstellung am 20. November 1936 erschossen. Das Problem ist ein dokumentarisches: Es gibt kein Bildmaterial der Hinrichtung, und die erste offizielle Erwähnung seines Todes erfolgte erst am 1. Oktober – ein Datum, das der Franquismus beinahe kabbalistisch auflud. Die endgültige Beurkundung des Todes wurde erst am 5. Juli 1940 unterzeichnet, fast vier Jahre später.

Die 5, die in allen Rechnungen auftaucht

Die Zahl 5 wiederholt sich bis zur Verdächtigkeit. Er war der älteste von fünf Geschwistern. Mit fünf Jahren verlor er seine Mutter Cassilda. Am 5. Juni brachte man ihn von Madrid nach Alicante. Die Exhumierung aus dem Valle dauerte fünf Stunden. Sein Adelstitel lautete Marqués de Estella – der Stern –, und darauf baut sich eine astrologische Deutung auf: der Morgenstern, die Venus, die fünf falangistischen Rosen, der römische Name des Morgensterns. Manche behaupten, diese 5 beruhe auf bewusster Symbolik. Das unbequeme Detail: Ein solcher Kreis lässt sich beliebig weit spannen – was ebenso gut ein Argument gegen ihn ist.

Der Zeuge der Erschießung taucht in einem Buch der sechziger Jahre auf

Die meistzitierte Quelle eines direkten Augenzeugen ist spät und uruguayisch. Der Unternehmer Joaquín Martínez Arboleya, der unter dem Namen Santicaten schrieb, berichtete Jahrzehnte später über die Hinrichtung – in einer 1961 in Montevideo erschienenen Broschüre und in seiner Autobiografie von 1970. Nach seiner Darstellung vollstreckte ein Fallo der acht Milizionäre der CNT die Erschießung, und vor José Antonio fielen zwei Falangisten und zwei Karlisten, die vom Gericht freigesprochen worden waren. Er selbst soll in blauem Overall und Espadrilles gestorben sein, wie ein Milizionär unter vielen. Dass die einzige Stimme von Ort erst Jahrzehnte später auftaucht, widerlegt nichts – schließt aber auch nichts ab.

Die unmögliche Hypothese: José Antonio in Argentinien

Die abenteuerlichste Version besagt, er sei in Alicante nicht gestorben, sondern habe in Argentinien unter anderer Identität ein neues Leben begonnen. Sie stützt sich auf drei wackelige Beine: die argentinischen Vorfahren der Familie – ein Urgroßvater, verwandt mit dem dortigen Adel –, seine Mitgliedschaft im PEN Club und die späte Anerkennung des Todes. Eine noch romanhaftere Variante lässt ihn gemeinsam mit García Lorca über die Schauspielerin Margarita Xirgú fliehen. Demgegenüber halten manche Beteiligte etwas anderes für bestätigt: einen Befreiungsversuch, bei dem die Falange eine beträchtliche Summe in Silbermünzen zusammengetragen, republikanische Politiker und Polizeiverantwortliche in Alicante bestochen und mit verdeckter deutscher Hilfe einen Sturm auf das Gefängnis vorbereitet haben soll. Jemand verriet den Plan, und Franco verbot ihn.



Bleibt die Legende vom Massengrab von Alicante, wo sich die Überreste der an jenem Tag Erschossenen mit denen einer Person namens zaine Lloma vermischten. Jahre später zogen fünftausend Falangisten 467 Kilometer in elf Tagen mit einem Sarg auf den Schultern bis nach Madrid. Manche wiederholen seit Jahrzehnten, dass das, was sie trugen, nicht José Antonio war.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (51 Antworten).

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