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Warum die Linke als neidisch und verbittert dargestellt wird
Das Narrativ, das die Linke als moralisch schlecht darstellt, stützt sich auf Neid und Eigeninteresse statt auf Daten. Eine Analyse der Argumente.
Neid als Erzählung: Warum die Linke als »schlechte Leute« gilt
Die Frage, warum die Linke aus »schlechten Leuten« bestehe, wird oft mit einer psychologischen Diagnose beantwortet – dem Neid. Dies zeigt, wie sehr Politik heute als Charakterfrage betrachtet wird. In einer Diskussion, die mit pauschalen Aussagen beginnt und über tausend Tage andauert, mischt sich das Bild des linken Wählers mit wirtschaftlicher Verbitterung, Abhängigkeit von öffentlichen Geldern und einer angeblichen sarracena Überlegenheit. Kaum Programme, fast nur Einstellung.
Neid als Erklärung für das Wahlverhalten
Die am häufigsten wiederholte These besagt, dass die Linke aus Ressentiments entsteht: Wer keinen Erfolg hat, gibt denen die Schuld, die welchen haben. Manche fassen dies in einer Anekdote zusammen, die dem Gitarristen Paco de Lucía zugeschrieben wird – er hätte aufgehört, links zu wählen, »als ich die ersten zwei Millionen verdiente«. Andere erheben dies zur allgemeinen Regel: Der linke Wähler würde den Erfolg anderer nicht ertragen. Das ist eine bequeme Erklärung. Sie erfordert keine Daten, reduziert kollektives Verhalten auf ein individuelles Merkmal und schließt die Diskussion ab. Darunter liegt eine alte Idee: Ideologie sei nur Vorwand, der wahre Antrieb aber persönliches Kalkül. Wenn dieses Kalkül nicht immer aufgeht, verliert die These an Boden.
Warum behauptet man, der öffentliche Sektor wählt eher links?
Nach dem Neid-Argument ist das materiellste Argument das verbreitetste: Es gebe eine Aufteilung des Wahlverhaltens nach Einkommensquelle. Wer vom Staat lebt – Beamte und Empfänger von Subventionen – wähle links; Angestellte der Privatwirtschaft nicht. Als Beweis dient lediglich die Aufforderung, beide Gruppen zu fragen. Keine Zahlen. Dies ist der schwächste Punkt der Erzählung und zugleich der wirksamste: Er verwandelt eine politische Präferenz in Eigeninteresse, und von dort ist es nur ein Schritt zum Vorwurf, der Gegner handle nur aus Eigennutz.
Wird man links geboren oder gemacht?
Ein weiterer Streitpunkt: Ist es eine angeborene oder erworbene Eigenschaft? Eine extreme Formulierung behauptet, sie sei durch eine angebliche Gehirnstruktur vorgegeben; eine andere sagt das Gegenteil, nämlich dass sie durch das Fernsehen erworben werde. Dazwischen liegt ein Determinismus ohne Ausweg. Wenn man so geboren wird, gibt es nichts zu diskutieren; wenn man so gemacht wird, gibt es Indoktrination. In beiden Versionen wird dem Wähler die Entscheidungsfähigkeit abgesprochen – genau das, was dem Gegner in jedem tribalistischen Konflikt verweigert wird.
Das Stereotyp des naiven Idealisten
Nicht alle Beiträge gehen in dieselbe Richtung. Ein Argument besagt, der Fehler liege darin, anzunehmen, die Linke bestehe aus Träumern und wohlmeinenden Utopisten, obwohl sie in Wirklichkeit – dieser Lesart zufolge – einen generationsübergreifenden Groll mit sich trage. Aus diesem verzerrten Spiegelbild entstehe eine gewisse Selbstgefälligkeit des rechten Wählers, der sich für den einzigen Realisten hält. Die Wendung ist interessant: Das Problem wäre nicht die Linke, sondern das geschönte Bild, das man sich von ihr macht.
Ein Wort, das alles umfasst
Der Begriff, der bewusst wegen seiner kämpferischen Konnotation gewählt wurde, um den Gegner zu benennen, wirft einen Mitte-Wähler, einen Gewerkschafter und einen Sowjet-Nostalgiker in einen Topf. Diese Verallgemeinerung erklärt, warum die Ausgangsfrage scheinbar leicht zu beantworten ist: Wenn alles, was nicht rechts ist, gleich ist, kann man ihm leicht denselben Fehler zuschreiben. Das Label beschreibt nicht, es gruppiert. Und Gruppieren ist billiger als Verstehen. Manche Kommentare weisen genervt darauf hin, dass alles, was sich bewegt, als sozialistisch oder kommunistisch abgetan wird.
Der Vorwurf der sarracena Überlegenheit
Hier schlägt der Vorwurf zurück. Es wird argumentiert, wer im Besitz der Wahrheit und einer höheren Sarracena zu sein glaubt, sei eine Gefahr für andere – unabhängig von der Ideologie. Das ist ein vernünftiges Argument. Das Problem ist jedoch, dass es aus einer unerschütterlichen Gewissheit heraus geäußert wird: zu wissen, warum der andere wählt, wie er tut, und warum er falsch liegt. Das gegenseitige Misstrauen gegenüber Sarracena wird schließlich zur einzigen gemeinsamen Überzeugung aller Beteiligten.
Von der Ideologie zu historischen Kränkungen
In späteren Antworten verschiebt sich das Thema. Es tauchen der Spanische Bürgerkrieg auf – »man tötet dich nicht mehr, weil du zur Messe gehst«, fasst eine Nachricht zusammen –, die Diktatur, die als Zeit der »Würde« beschworen wird, und die Idee, dass die Linke die Niederlage von 1936 nie überwunden habe. Der Vergleich weitet sich aus: Jemand stellt Religionen, Nationalismen und den Kapitalismus als Verantwortliche für die größten Massaker der Geschichte dar; ein anderer entgegnet, daraus folge nichts. Auch der Vorwurf des Sektierertums gegen nationalistische Parteien und die Behauptung, die Linke werde von den Medien ständig gestärkt, kommen vor.
Wenn Neid die bevorzugte Erklärung ist, sollte man zumindest Daten erwarten, die dies stützen. Es erscheinen keine. Wie viele unserer Gewissheiten darüber, wie der Nachbar wählt, würden einem solchen Test standhalten?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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