Wählen als esoterisches Ritual: Der Energiepakt, über den niemand spricht

Eine esoterische Strömung warnt, dass Wählen ein Energiepakt ist, der das System speist. Wir beleuchten die zehn Gründe, nicht zu wählen, und die Debatte am Wahlurnentisch.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Wählen: Ritual des Gehorsams oder Energiepakt?

Kann das Einwerfen eines Stimmzettels in eine Wahlurne ein Akt der Abgabe von Lebensenergie sein? Für eine Denkrichtung, die Metaphysik mit Politik vermischt, lautet die Antwort: Ja. Sie vertritt die Auffassung, dass die Wahl nicht nur eine demokratische Geste ist, sondern ein unsichtbarer Vertrag mit der Machtmaschinerie, ein Ritual, das einen Egregor speist, von dem man sich später nur schwer lösen kann.

Die zehn esoterischen Gründe, nicht zu wählen

Das Argumentarium entfaltet sich in zehn Punkten. Der erste: Mit dem Einwerfen des Stimmzettels gibt man einen Teil seiner Lebensenergie an ein System ab, das sich von der Aufmerksamkeit und dem Glauben der Massen ernährt. Der zweite: Wahlurnen sind Tempel des Gehorsams, in denen das Volk seine Unterwerfung freiwillig weiht. Der dritte: Politiker sind Masken ein und desselben Gesichts, und wer irgendwen wählt, stärkt die Struktur. Hinzu kommt: Die geheime Wahl sei ein Segarro, denn der Name des Wählers wird im Wählerverzeichnis durchgestrichen, sodass sichtbar wird, wer teilnimmt und wer nicht. Das markiere den Menschen nach dieser Sichtweise als „Wähler“ und setze ihn künftigen Kontrollen aus.

Das Dilemma mit dem Wahlvorstand

Einer der meistdiskutierten Punkte ist die gesetzliche Pflicht, bei Auswahl in einem Wahlvorstand zu dienen. Das spanische Wahlgesetz (LOREG) sieht Geldstrafen von 100 bis 300 Euro vor, jedoch keine Vorstrafen, wie manchmal angenommen wird. Wer nicht wählen will, aber zum Wahlvorstand berufen wird, argumentiert meist, man könne sich mit einer gültigen Ausrede entziehen; entscheidend sei, den Stimmzettel nicht einzuwerfen. „Ob man anwesend ist oder nicht, ist nebensächlich; wichtig ist, nicht zu wählen“, lautet ihre Zusammenfassung.

Karmischer Vertrag oder Bürgerpflicht?

Gegen die metaphysische Position wenden jene ein, die meinen, dass Enthaltung nur den diszipliniertesten Parteien nütze. Wenn die Leute nicht wählen, gewannen immer dieselben, und die Stimme sei das einzige Mittel, Extreme aufzuhalten. Die Befürworter der Enthaltung kontern jedoch mit einem wiederkehrenden Satz: „Wenn Wählen etwas bewirken würde, wäre es verboten.“ Für sie liegt die wahre Macht darin, die persönliche Souveränität nicht zu delegieren.

Die Wahl als soziales Placebo

Manche nehmen eine Mittelposition ein: wählen, aber ohne daran zu glauben, als leerer Akt. „Es ist wie auf die Toilette gehen, ohne sich zu besudeln“, veranschaulichen sie. Doch selbst diese Haltung speise laut den esoterischen Skeptikern weiterhin das System, denn der Vertrag werde mit dem Einwerfen des Stimmzettels besiegelt, unabhängig von der Absicht. Der einzige saubere Weg sei daher die vollständige Enthaltung.

Mehr als ein Jahr später ist die Debatte weiterhin offen. Bei jedem Wahltermin tauchen diese Überlegungen auf und stellen den Durchschnittswähler infrage. Wenn sich das System von deiner Energie ernährt, ist Nichtwählen vielleicht die billigste Revolution. Oder es ist, wie die Zyniker warnen, nur eine Ausrede für bürgerliche Trägheit.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (63 Antworten).

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