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Vox fordert mehr Beamte und Ärzte: Debatte über Staatsausgaben neu entfacht
Vox fordert mehr Ärzte, Lehrer und Polizisten. Der Kurswechsel zum 'Sozialpatriotismus' nach Le-Pen-Vorbild löst in Spanien eine neue Debatte über öffentliche Ausgaben und den Staatsapparat aus.
Vox fordert mehr Ärzte und Polizisten: Kurswechsel belebt Debatte über Staatsausgaben
Das Plakat war eindeutig: «VOX WILL MEHR ÄRZTE, MEHR LEHRER, MEHR POLIZISTEN ODER MEHR LANDWIRTE». Die Partei lehnte damit das neue Statut von Kastilien-La Mancha ab, da es ihrer Ansicht nach nur darauf abzielte, politische Privilegien auf Kosten der Steuerzahler zu sichern. Das Bemerkenswerte war nicht die Ablehnung selbst, sondern der Rahmen: Eine Partei, die sich als Geißel der öffentlichen Ausgaben präsentierte, forderte nun die Aufstockung des Personals. Diese Paradoxie wurde schnell zum Kern der Diskussion.
Woher kommt Vox' Kurswechsel zum 'Sozialpatriotismus'?
Die am häufigsten vertretene These ist die eines bewussten Schwenks hin zum Sozialpatriotismus der Patriots-Fraktion im Europäischen Parlament, demselben politischen Lager wie Marine Le Pen. Dass eine Partei, die kürzlich noch mit Mileis Liberalismus kokettierte, nun soziale Absicherung und Ablehnung ausländischer Kapitalströme propagiert, sei kein Kommunikationsfehler, so diese Lesart: Es ist eine Strategie, um ein Wahlkampfnische zu besetzen, das die PP offen lässt.
Manche sehen darin direkt einen Identitätswandel ohne Scham. Es wird daran erinnert, dass der Parteivorsitzende selbst null Tage Erfahrung in der Privatwirtschaft hat – ein Faktum, das als Stich gegen die Anti-Beamten-Rhetorik verwendet wird. Die implizite Frage ist unbequem: Wenn die liberale Botschaft das Original war, warum wird sie gerade dann aufgegeben, wenn sie anfängt, Früchte zu tragen?
Die zynischste – und vielleicht realistischste – Antwort verweist auf das eiserne Gesetz der Oligarchie: Jede Formation, die Kürzungen verspricht, neigt dazu, sich bei Machtübernahme an die etablierten Strukturen anzupassen (ähnlich wie die PSOE). Diese Diagnose erstreckt sich auf das gesamte Spektrum: PP und PSOE seien in Brüssel identisch, stimmten bei nahezu allen Abstimmungen gemeinsam und unterstützten die Kommissionspräsidentin.
Gibt es zu viele Beamte oder fehlen Ärzte auf dem Land?
Hier spaltet sich die Debatte in zwei Lager. Ein Block argumentiert, Spanien habe im europäischen Vergleich überdurchschnittlich viele Polizisten und das Problem liege nicht in der Personalstärke, sondern in der Produktivität des öffentlichen Sektors. Der andere Block kontert mit einem schwer widerlegbaren Argument: Den Einstellungsstopp für Ärzte als Verschwendung darzustellen, sei skrupellos, wenn Großeltern in ländlichen Gebieten mehrmals wöchentlich Dutzende Kilometer zurücklegen, um einen Termin zu bekommen. Wer keine öffentliche Gesundheitsversorgung will, so heißt es, soll sie privat bezahlen und Monate auf eine Blinddarmoperation warten.
Die Diskussion wanderte bald auf technisches Terrain. Es wird debattiert, ob Polizisten, Gesundheitspersonal, Soldaten und Landwirte als Beamte gelten. Die Antwort ist differenziert: Der Polizist ist der Inbegriff des Beamten; das Gesundheitspersonal ist tarifvertraglich angestellt; Soldaten sind öffentliche Angestellte, aber keine Beamten im klassischen Sinne; und Landwirte sind es gar nicht, außer staatliche landwirtschaftliche Sachverständige. Für den Steuerzahler spielt diese Nuance kaum eine Rolle: Alles geht zulasten der öffentlichen Kasse, worauf es letztlich ankommt.
Mindestlohn und die Deckelung durch Tarifverträge
Einer der klügsten Beiträge lenkt den Fokus vom Mindestlohn (SMI) ab. Das Problem sei nicht, dass der Mindestlohn niedrig ist, sondern dass er zum Maximum geworden ist, was man erreichen kann: «je nach Tarifvertrag» und sonst nichts. Ihn auf 2.000 oder 10.000 Euro netto zu erhöhen, ironisiert der Autor, würde die Struktur nicht ändern, wenn der Rest der Gehaltsskala eingefroren bleibt.
In diesem Sinne wird auch das Narrativ des liberalen spanischen Unternehmers hinterfragt. Wenn die Produktionsstruktur von öffentlichen Aufträgen abhängt, was für ein Liberalismus ist das dann? Als Beispiel werden große Textilunternehmen genannt: Nimmt man ihnen die Käufe von öffentlich Bediensteten mit stabilen Gehältern weg, sieht man, wie viel Internationalisierung übrig bleibt.
Begriffschaos: National, sozialistisch oder beides?
Das Label für den Kurswechsel erzeugt Reibung. Manche sprechen von nationaler Linken, andere von nationalem Sozialismus, und einige streuen den Begriff Nationalsozialismus, was sofort ironische Antworten hervorruft. Die Verwirrung ist nicht nur semantisch: Sie spiegelt wider, dass sich die Partei zwischen dem aufgegebenen Liberalismus und der jetzt geforderten sozialen Absicherung nirgendwo richtig befindet.
Die am häufigsten wiederholte Zusammenfassung: Man kann nicht gleichzeitig Anarcho-Liberalismus und Politik der sozialen Absicherung befürworten. Das ist absurd, selbst für den überzeugtesten Aktivisten. Und doch steht dort das Plakat, das nach mehr Ärzten ruft.
Mit diesen Elementen lautet die Frage nicht, ob Vox sein Gesicht ändert, sondern wie viele Wähler den Kurswechsel belohnen und wie viele sich betrogen fühlen. Wie das Sprichwort sagt: Wer einmal warnt, täuscht nicht zweimal.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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