Von der Leyen räumt 25 Jahre Abhängigkeit von China, Russland und USA ein
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat eingeräumt, dass das europäische Wirtschaftsmodell der letzten 25 Jahre auf drei Säulen ruhte, die nun ins Wanken geraten sind: billige chinesische Arbeitskräfte, russische Energie und amerikanische Verteidigung. Die Erklärung, verbreitet in einem Tweet des Analysten MΛRC VIDΛL, wirkte wie ein kalter Duscher in den Wirtschaftsforen, wo viele seit Jahren gewarnt hatten, dass dieses Gleichgewicht eine tickende Zeitbombe sei. Die Reaktion ließ nicht auf sich warten: vom ätzenden Sarkasmus bis zur düsteren Analyse ist die Botschaft klar. Europa ist aufgewacht.
Das Eingeständnis, das niemand machen wollte
Im ersten Beitrag vergleicht Bartleby Von der Leyen mit dem heiligen Paulus auf dem Weg nach Damaskus: „Er ist gerade vom Pferd gefallen.“ Die Ironie ist greifbar. Jahrelang verkaufte die Brüsseler Orthodoxie die Globalisierung als unerschöpfliche Quelle des Wohlstands, doch nun gibt die Präsidentin selbst zu, dass das Modell auf externen Inputs basierte, die wir nicht kontrollierten. Chinesische Arbeitskräfte senkten die Kosten, aber entindustrialisierten ganze Regionen. Russische Energie hielt die Fabriken am Laufen, schuf aber eine tödliche strategische Abhängigkeit. Und die US-Verteidigung ermöglichte Einsparungen bei der Sicherheit, verpfändete aber die europäische Autonomie.
Die Reaktion im Forum ließ nicht auf sich warten. 11kjuan übersetzt die offizielle Rede: „Wir müssen unsere Schwächen korrigieren, um wettbewerbsfähig zu sein“ bedeutet effektiv „Ihr werdet euch erschrecken über das, was kommt“. Das Misstrauen gegenüber den Worten der Präsidentin ist transversal. Firestarter fügt eine weitere Ebene hinzu: „Sie werden europäische öffentliche Schuldverschreibungen ausgeben, die von den nächsten Generationen bezahlt werden müssen. Aber nicht heute. Morgen.“ Der Verdacht, dass die Anerkennung des Fehlers nur das Vorspiel zu einer neuen massiven Verschuldung ist, schwebt über der Debatte.
Was hat sich geändert, damit der Fehler jetzt eingestanden wird?
Der Krieg in der Ukraine drehte den Gashahn ab. Die chinesische Konkurrenz beschränkt sich nicht mehr nur auf billige Arbeitskräfte, sondern umfasst Spitzentechnologie. Und die Vereinigten Staaten haben ihre Priorität auf den Indopazifik verlagert und Europa die Verantwortung für seine eigene Verteidigung überlassen. Der Cocktail ist explosiv. Von der Leyen spricht nun von Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit, aber viele sehen in ihren Worten einen Fahrplan zu weiteren Opfern. „Sie sagt auch, dass man das Ziel der Dekarbonisierung fortsetzen muss“, merkt firestarter an, als wäre dies beruhigende Neuigkeit.
Der Skeptizismus erstreckt sich auf die Fähigkeit der EU selbst zu reagieren. Entrambos mares fasst es zusammen: „Na ja, wir müssen die energiepolitische Unabhängigkeit vertiefen und uns von den USA trennen. Als Nächstes steht die starke Vereinheitlichung der EU an, mal sehen, wie sie das planen.“ Die politische Vereinheitlichung ist in vielen Mitgliedstaaten ein Tabu, aber die ökonomische Logik drängt dazu. Andere, wie Socom, gehen weiter und hinterfragen die Zugehörigkeit zur EU selbst: „Wir können nicht in einer Gruppe sein, die uns weder sprachlich noch kulturell verwandt ist, Punkt.“ Der Unmut ist nicht nur wirtschaftlich; er ist identitär.
Die Rechnung der Abhängigkeit: Wer zahlt?
Die Debatte driftet schnell darauf ab, wer die Kosten der Korrektur tragen wird. Señor X stellt es unverblümt dar: „Er sagt uns offen ins Gesicht, dass sie uns reichlich bestehlen. Wenn alles geschenkt war (Güter, Energie, Verteidigung), warum dann diese hohe Steuerlast?“ Die Frage ist unbequem: Wenn das Modell auf billigen Inputs basierte, warum mussten die europäischen Bürger eine steigende Steuerlast ertragen? Die Antwort, die viele erahnen, ist, dass die Ersparnisse in Bürokratie und Politiken verschwendet wurden, die kein Wachstum generierten.
Der Schatten der Schulden liegt über der Zukunft. Firestarter antizipiert es bereits: europäische Anleihen zur Finanzierung des Übergangs. Und Almendrote warnt die Sparer: „Zinsen senken... damit die Inflation die Schulden zusammen mit den Ersparnissen der Leute auffrisst, die ihr ganzes verdammtes Leben lang gespart haben, um ein Haus zu kaufen, und es immer noch nicht reicht.“ Die Geldpolitik der EZB, mit niedrigen oder negativen Zinsen, hat die Sparer bestraft, um die Schuldner zu entlasten. Dieser stille, aber massive Vermögensumverteilungseffekt ist ein weiterer Pfeiler des Modells, der nun bröckelt.
Soziale Unruhen und Einwanderung: der Elefant im Raum
Obwohl das zentrale Thema die externe Abhängigkeit ist, driftet die Debatte zur Einwanderung. Pluc ironisiert: „Kein Wort über Masseneinwanderung.“ Der Zusammenhang ist kein Zufall: Wenn das Modell auf billiger Arbeitskraft basierte, diente der Zustrom von Arbeitnehmern aus Drittländern diesem Schema. Doch nun, da die Arbeitslosigkeit in einigen Regionen noch hoch ist, wächst die Wahrnehmung eines unlauteren Wettbewerbs. Survivor101 drückt es ohne Nuancen aus: „Und Dritte-Welt-Einwanderer in Massen.“ Der Begriff ist abwertend und sollte nicht reproduziert werden, spiegelt aber eine reale Spannung wider, die die EU nicht bewältigt hat.
Die Kritik an der politischen Klasse ist heftig. Ces25 fragt: „Und hat er nichts gesagt, dass alle zurücktreten und schließen sollen?“ Die Verantwortung derer, die das Modell entworfen haben, scheint nicht auf dem Tisch zu liegen. Für viele ist Von der Leyens Eingeständnis ein Akt des Zynismus: Der Fehler wird eingeräumt, wenn es keinen Handlungsspielraum mehr gibt, aber niemand übernimmt Konsequenzen. „Das Erste, was diese Schlampe tun muss, ist zurückzutreten“, urteilt REVOLUCION_CASERA. Die Sprache ist vulgär, aber die Forderung nach Rechenschaftspflicht ist klar.
Wohin steuert Europa?
Die Diagnose ist geteilt: Das Modell der letzten 25 Jahre ist tot. Was unklar ist, ist die Richtung. Von der Leyen deutet auf eine stärkere Integration hin, aber die Mitgliedstaaten scheinen nicht bereit, Souveränität abzutreten. Die Dekarbonisierung ist ein lobenswertes Ziel, erfordert aber massive Investitionen, die mit Ausgaben für Verteidigung und Sozialpolitik konkurrieren werden. Die Gleichung geht nicht auf. Wie TORREVIEJAS spöttisch zusammenfasst: „Entspannt euch, hier haben wir große Fortschritte, wie man sie seit der Dampfmaschine nicht gesehen hat, die Chinesen und ihre KI können uns am Arsch lecken.“ Die Ironie ist bitter.
Das Ende der Debatte bietet keine Lösungen. Nur die Feststellung, dass Europa über seine Verhältnisse gelebt hat und nun die Rechnung begleichen muss. Die schwebende Frage ist, ob Von der Leyens Eingeständnis irgendeinen Zweck erfüllen wird oder nur ein neues Kapitel im selben Film sein wird. Wie Bartleby sagt: „Das Erste, was Europa wiederherstellen muss, wenn es eine minimale Chance auf Rettung haben will, ist die Guillotine.“ Die Hyperbel ist extrem, aber sie misst die Temperatur des Unmuts.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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