Eine Überweisung am Freitagnachmittag kann erst am Dienstag ankommen
Ein Privatkontoinhaber tätigt an einem August-Freitag eine Überweisung. Das Geld erscheint weder am Samstag, noch am Sonntag, noch am Montag auf dem Zielkonto. Es kommt am Dienstagmorgen an. Vier Kalendertage, zwei Werktage und eine unbequeme Frage: Ist das normal, oder arbeitet das spanische Bankensystem immer noch mit Fax und Schalter?
Die kurze Antwort lautet: Ja, das ist normal. Die lange Antwort hat mit dem Valutadatum zu tun, mit den SEPA-Regeln und mit dem weit verbreiteten Verdacht, dass die Banken die Fristen so weit dehnen, wie es das Gesetz erlaubt – denn dieses brachliegende Geld, multipliziert mit Millionen von Transaktionen, erzeugt Erträge, die der Kunde nie sieht. Der konkrete Fall, der die Diskussion auslöste, bestätigte am Ende die Diagnose: Der Auftrag ging am Freitagnachmittag ein, die Bank setzte das Valutadatum auf Montag und schrieb den Betrag am Dienstag gut.
Was die SEPA-Regeln zu Überweisungsfristen sagen
Nach Angaben eines Teilnehmers schreibt die europäische SEPA-Zahlungsverordnung vor, dass die Bank des Auftraggeers den Betrag seit dem 1. Januar 2012 innerhalb eines Bankarbeitstags ab Annahme des Auftrags der Bank des Empfängers gutschreiben muss. Ein Tag. Nicht fünf. Nicht drei. Einer.
Allerdings versteckt sich der Trick im Kleingedruckten. Die Frist läuft ab der Annahme, nicht ab dem Moment, in dem der Kunde den Knopf drückt. Geht der Auftrag an einem Freitag nach 16 oder 17 Uhr ein – je nach Bank –, gilt er als am Montag angenommen. Und am Montag wird er, mit etwas Glück, ausgeführt. Am Dienstag, mit mehr Glück, gutgeschrieben. Insgesamt also vier Kalendertage für eine Transaktion, die das Gesetz an einem Tag erledigt haben will.
Manche halten den Regulierer für den eigentlich Verantwortlichen, denn er legt die Spielregeln fest und erlaubt, dass das Valutadatum nach Kriterien angewandt wird, die der Bank nützen. Die Banken wiederum argumentieren, an jeder Überweisung seien vier Beteiligte beteiligt und die buchhalterischen Abstimmungen fänden einmal täglich statt. Das heißt: Das System funktioniert so, weil es so konstruiert ist.
Die Banken, die Sofortüberweisungen versprechen
Demgegenüber haben einige Institute die Geschwindigkeit zum Verkaufsargument gemacht. ING wirbt mit kostenlosen Überweisungen innerhalb Spaniens und der EU bis 50.000 Euro, mit Gutschrift am selben Tag, wenn der Auftrag vor 13 Uhr erteilt wird. Bei internationalen Überweisungen liegt die Grenze bei 10:30 Uhr. Ohne Gebühren. Der Kontrast zur traditionellen Bank ist so groß, dass so mancher Kunde mitten im Gespräch den Bankwechsel angekündigt hat.
Das Detail, das den Verdacht nährt: Wenn eine Bank das in Stunden schafft, warum brauchen andere Tage? Die Antwort, die kursiert: Es gibt kein technisches Hindernis, sondern einen wirtschaftlichen Anreiz. Das Geld, das am Wochenende zwischen den Banken schwebt, gehört zwar nicht dem Kunden, bringt aber Ertrag. Manche Berechnungen deuten darauf hin, dass diese Positionen in der Zwischenzeit in Risikoprodukte investiert werden.
Für die Banken existiert das Wochenende nicht
Samstag und Sonntag zählen nicht. Auch Feiertage nicht. Die Bankwoche hat fünf Tage, das bedeutet: Ein am Freitagnachmittag erteilter Auftrag kann problemlos erst am Dienstag abgewickelt werden. Das sind 28 % der Wochenzeit, in der das System offiziell nicht arbeitet.
Für den Kunden hat das zur praktischen Folge, dass sein Geld tagelang von seinem Konto verschwindet und nicht auf dem Zielkonto auftaucht. Es ist nirgends. Es ist unterwegs. Und auf diesem Weg steht es dem Bankkonto – pardon, der Bank – zur Verfügung.
Warum eine Überweisung länger dauern kann als eine Kartenzahlung
Das unbequemste Paradox ist der Vergleich mit anderen Zahlungsmitteln. Eine Karte wickelt die Transaktion in Sekunden ab. PayPal in Minuten. Eine Überweisung zwischen spanischen Banken dagegen kann Tage dauern. Die Technik existiert. Der rechtliche Rahmen existiert. Was fehlt, so diese Lesart, ist der Wille, das für alle Kunden mit gleicher Sorgfalt anzuwenden.
Manche erinnern daran, dass in Großbritannien eine Überweisung zwischen verschiedenen Banken in zwei Stunden erledigt ist, von Montag bis Samstag. Nachgeprüft, so heißt es, Monat für Monat. Der Vergleich stellt das spanische System, das sich als eines der modernsten Europas rühmt, nicht gerade in ein gutes Licht.
Was tun, wenn die Überweisung nicht ankommt
Zunächst sollte man verstehen, dass die Frist nicht mit dem eigenen Auftrag beginnt, sondern mit der Annahme durch die Bank. Haben Sie die Überweisung am Freitagnachmittag erteilt, gilt als Valutadatum der Montag und als früheste Gutschrift auf dem Zielkonto der Dienstag. Ist am Dienstagmorgen nichts angekommen, dann sollte man tatsächlich anrufen.
Zweitens: die Konditionen des eigenen Kontos prüfen. Nicht jede Bank wendet dieselben Cutoff-Zeiten und Fristen an. Manche, wie ING, haben die Geschwindigkeit zum Verkaufsargument gemacht. Andere wenden weiter den Grundsatz an, dass der VIP-Kunde eher sein Geld bekommt als der normale.
Und drittens, falls sich die Sache hinzieht: die förmliche Beschwerde bei der Banco de España (Spaniens Zentralbank und Bankenaufsicht). Die Rechtslage ist auf Ihrer Seite. Ob sich die Bank daran hält, ist eine andere Frage.
Der Fall ging gut aus: Das Geld kam an. Aber das Gefühl ist das gewohnte. Ein System, das nach Regeln des 20. Jahrhunderts funktioniert, in einer Wirtschaft, die sich digital nennt – und ein Kunde, der feststellt, dass sein Geld vier Tage braucht, um ein paar Kilometer zurückzulegen. Die Technik ist der Engpass nicht. Der Engpass liegt woanders.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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