Turiner Grabtuch: Bakterien, fehlerhafte C-14-Datierung und Leonardo

Garza-Valdes behauptete 1993, eine bioplastische Beschichtung auf über 60 % der Fasern des Grabtuchs gefunden zu haben.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Turiner Grabtuch: Bakterien, fehlerhafte C-14-Datierung und Leonardo
Bakterien, fehlerhaftes C-14 und Leonardo: Der Streit um das Grabtuch

Im Jahr 1993 untersuchte ein Forscher unter dem Mikroskop Fasern des am meisten erforschten Tuches der Welt und stellte fest, dass er kein Leinen sah. Er sah einen Film. Eine bioplastische Beschichtung, die nach seinen Messungen mehr als 60 % der Oberfläche jeder Faser bedeckte. Leoncio A. Garza-Valdes identifizierte im Turiner Grabtuch ein Polyhydroxyalkanoat-produzierendes Bakterium und bestätigte dessen Vorhandensein bei drei ägyptischen Mumien. Falls er recht hatte, war die Probe, die 1988 zur Datierung des Tuches mittels Kohlenstoff-14 diente, kein altes Gewebe, sondern Gewebe, das von bakteriellen Rückständen umhüllt war.

Daraus ergibt sich die These, die den Streit antreibt: Das Grabtuch ist keine mittelalterliche Fälschung. Das Bild wurde nicht gemalt, das Datum, das es verurteilte, ist unzuverlässig, und heute kann keine Werkstatt es replizieren. Die Herausforderung ist explizit: Beweise das Gegenteil.

Warum klärt C-14 die Sache nicht?

Die Radiokarbondatierung von 1988 ordnete den Ursprung des Tuches dem Mittelalter zu und wurde zum Argument, das den Fall abschloss. Laut dieser Strömung war das Problem, dass die Labore nicht wussten, was sie vor sich hatten. Die bioplastische Kontamination hätte das wahre Alter des Stoffes verfälscht, und der Fund wurde erst durch eine Dokumentation im Jahr 2008 bekannt. Dieses Detail ist nicht unwichtig: Eine These, die zuerst im Fernsehen und dann in Fachzeitschriften auftaucht, trägt diesen Makel für immer.

Die Maschine misst den Kohlenstoff einer Probe. Wenn ein großer Teil dieser Probe aus einer Schicht bakteriellen Ursprungs besteht, misst sie das Alter der Bakterien, nicht das des Leinens. Hier liegt die Lücke, durch die alles andere eindringt. Es ist ein technisches Argument und deshalb unbequem: Es verlangt keinen Glauben, sondern eine Überprüfung des Protokolls.

Der Einwand: Ein Bakterium, das kaum existiert

Die Front, die der These am meisten schadet, kommt nicht aus der Archäologie, sondern aus einer literaturwissenschaftlichen Suche. Die Verfolgung von „Leobacillus rubrus“ in mikrobiologischen Datenbanken liefert eine Handvoll Ergebnisse, fünf, die alle auf dieselbe Quelle verweisen. Außerhalb des Grabtuch-Kontextes gibt es keine Spur der Gattung Leobacillus. Ein Mikroorganismus, der in der wissenschaftlichen Literatur nicht vorkommt, ist ein ernstes Problem für diejenigen, die ihn als Beweis anführen.

Möglicherweise ist der Stamm falsch benannt, möglicherweise hat die Studie nie ein Peer-Review durchlaufen, oder es ist eine Sackgasse. Niemand löst dies. Und ein Detail wird oft übersehen: Der Einwand betrifft nicht das Bild, sondern nur die Datierung. Dies sind zwei unterschiedliche Diskussionen, die ständig vermischt werden, als wären sie identisch.

Leonardo, die Lochkamera und das unmögliche Negativ

Eine weitere Hypothese besagt, dass das Grabtuch die erste Fotografie der Geschichte war und ihr Autor Leonardo da Vinci sei. Eine Lochkamera, Silbernitrat, vier Stunden Posieren und die Sache ist erledigt. Befürworter behaupten, dass die Gesichtszüge mit denen des Erfinders übereinstimmen und dass das Experiment mit identischen Ergebnissen wiederholt wurde.

Das Argument hat ein offensichtliches Loch. Wenn C-14 korrekt ist, stammt der Stoff aus der Zeit vor Leonardo und die Theorie bricht zusammen; wenn C-14 aufgrund der Bakterien versagt, verliert die Theorie auch ihr Datum. Sie stützt sich mehr auf eine populärwissenschaftliche Dokumentation als auf einen begutachteten Artikel. Dennoch hat niemand das exakte Ergebnis reproduziert.

AB-Blut, Mongolen und unbequeme DNA

Die Blutgruppe des Mannes im Grabtuch wäre AB, die jüngste von allen, die angeblich erst etwa 900 Jahre nach Christi Geburt aufgetaucht sein soll. Darauf basiert eine Hypothese, die diese Flecken einem viel späteren Ursprung zuschreibt, vor dem Hintergrund der mongolischen Invasionen in Europa.

Das Problem ist die Größenordnung. In afrikanischen Populationen gemessene AB-Prozentsätze widerlegen jede Erklärung durch Grenzen oder angebliche Promiskuität innerhalb der Armee. Die vernünftigste zirkulierende Schlussfolgerung ist die offensichtlichste: Das Blut könnte von irgendeinem Mann aus dem Nahen Osten dieser Epoche stammen. Dazu fehlen schlichtweg Daten.

Pollen und Analysen, die die Echtheit stützen

Zugunsten des Stoffes sprechen Pollenanalysen, die laut ihren Befürwortern auf einen kohärenten regionalen Ursprung hinweisen und die Idee verstärken, dass das Tuch echt ist. Es ist das am häufigsten wiederholte Argument und zugleich das von außen am schwersten überprüfbare: Es erfordert Vertrauen in die Provenienz von Proben, die vor Jahrzehnten entnommen wurden.

Die Gegenreaktion ist dieselbe wie bei den Bakterien. Was in einem unabhängigen Labor nicht repliziert werden kann, zählt als Hinweis, nicht als Beweis. Und Pollen datiert nicht: Er lokalisiert nur, was nicht dasselbe ist wie eine Datierung.

Die offene Front: Kirche und Glaube

Auf institutioneller Ebene hat die Kirche die Analyse des Grabtuchs Berichten zufolge zweimal autorisiert, in den 1950er und 1980er Jahren, und in beiden Fällen lautete das Urteil: Betrug. Befürworter der Echtheit entgegnen, dass diese Schlussfolgerungen gezogen wurden, bevor das Kontaminationsproblem bekannt war.

Für manche Teilnehmer ist all dies irrelevant. Das Grabtuch widerspricht nichts Wesentlichem im Christentum; es ist nur eine weitere Reliquie in einem riesigen Katalog, ein Objekt, das mehr unterhält als aufklärt. Das Objekt ändert nicht die Doktrin; es ändert die öffentliche Debatte, die alle paar Jahre zum selben Mikroskop zurückkehrt.

Mittelalterlich oder echt, Bakterien oder Pinsel, Leonardo oder ein Mönch. Nach allen Tests bleibt dieselbe unbequeme Tatsache bestehen: Mehr als 60 % jeder Faser waren laut jenem Mikroskop von 1993 kein Leinen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (139 Antworten).

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