Trump-Dekret senkt Medikamentenpreise um 30–80 %

Trump kündigt per Dekret eine Senkung der Medikamentenpreise um 30–80 % an. Wer die Differenz zahlt, bleibt die entscheidende offene Frage.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Trump-Dekret senkt Medikamentenpreise um 30–80 %
Trump-Dekret senkt Medikamentenpreise um 30–80 %

Donald Trump hat per Dekret eine Senkung der Preise für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA um 30 bis 80 % angekündigt. Er tat dies mit einer Nachricht, in der er versprach, im Weißen Haus „eine der wichtigsten Exekutivverordnungen in der Geschichte unseres Landes“ zu unterzeichnen, und nannte Zahlen, die wie Wahlkampf-Schlagzeilen klingen: Die Preise würden „fast sofort“ sinken und das Land „ Billionen Dollar“ sparen. Das Kleingedruckte – wer die Differenz zahlt und was mit dem Rest der Welt geschieht – ist genau dort, wo das Problem beginnt.

Der angekündigte Mechanismus ist eine Politik der Meistbegünstigung: Die USA werden für jedes Medikament denselben Preis zahlen wie die Nation, die es am günstigsten einkauft. Auf dem Papier ist die Idee einfach. In der Praxis bedeutet dies, dass die derzeit von amerikanischen Patienten getragene Preisdifferenz anders verteilt wird. Genau hier bricht der Konsens zusammen.

Das 18-Euro-EpiPen und das für 3.000 Dollar

Das Beispiel, das durch die Debatte geistert, ist das Autoinjektor-Adrenalin. In Spanien kostet ein EpiPen zwischen 5 und 18 Euro. In den USA wurde dasselbe Gerät zu Preisen verkauft, die diese Spanne bis zu kaum rechtfertigbaren Extremen multiplizieren. Es handelt sich nicht um ein neues Medikament oder eine kürzlich entwickelte Innovation: Es ist ein Gerät mit einer geschützten Patentrechte und ohne echten Wettbewerb.

Das ist der Kern des Problems. Das Unternehmen, das das Patent für das Autoinjektor-System kontrolliert, hat keinen Rivalen, und ohne Rivalen setzt es den Preis fest, der ihm genehm ist. Es gibt kein Generikum, das es ersetzen könnte, keinen Parallelimport, der Druck ausübt. Ein gefangener Markt erledigt den Rest.

Warum sind Medikamente in den USA teurer?

Die kurze Antwort: Weil die US-Gesetzgebung den internen Wettbewerb verhindert und Importe aus Ländern blockiert, in denen dasselbe Medikament nur einen Bruchteil kostet. Dies schafft einen geschützten Markt, auf dem Pharmaunternehmen gegen niemanden konkurrieren müssen. Die lange Antwort umfasst Absprachen zwischen Pharmaunternehmen und Versicherern zur Preisaufblähung, Überregulierung und Eintrittsbarrieren, die nur Große bewältigen können.

Ein Fall illustriert das Chaos besser als jede Grafik. Das Insulin-Patent wurde zu einem symbolischen Preis verkauft, damit die Behandlung für jeden erschwinglich war, der sie brauchte. Jahrzehnte später wird dasselbe Produkt, das zwei Dollar kostete, für zweihundert verkauft, und dasjenige, das dreißig kostete, liegt nun bei zweitausend. Wir sprechen nicht von neuen Molekülen mit dahinterstehender Forschung: Wir sprechen von Medikamenten, die älter sind als der Husten selbst.

Preiskontrolle: Das Etikett, das niemand will

Hier wird die Sache interessant. Die Maßnahme ist in der Praxis eine Preiskontrolle. Und das kollidiert mit Trumps Erzählung als Verfechter des freien Marktes. Verteidiger der liberalen Orthodoxie argumentieren, dass Eingriffe in die Preise eines regulierten Sektors zu Engpässen führen: Wenn das Labor nicht mehr den erwarteten Gewinn erzielt, stellt es die Produktion ein, und der Patient verliert. Dieses Argument hat Jahrhunderte Tradition und liegt nicht immer falsch.

Dagegen steht die pragmatische Berechnung: Wenn Insulin von 300 Euro pro Monat auf 10 oder 15 Dollar fällt, wie in Spanien, wird die ideologische Debatte sekundär. Wer dies so formuliert, verteidigt das Dekret nicht aus Überzeugung, sondern wegen des Ergebnisses. Und genau dieser Punkt verwirrt Freunde und Feinde gleichermaßen.

Vergleiche mit Spanien tauchen mehrfach auf. Hier wird der Preis mit dem Ministerium verhandelt; das Labor kann ihn erhöhen, wenn es will, aber wenn es nicht in die öffentliche Finanzierung aufgenommen wird, zahlt niemand den vollen Preis außer jenen, die privat gehen und nicht auf die Rechnung schauen. Der Wettbewerb zwischen Laboren erledigt den Rest: Man kann nur dann den Preis setzen, der einem gefällt, wenn das eigene Medikament in seiner Klasse einzigartig ist.

Wer zahlt die Party?

Die übergreifende Frage ist die der Verteilung. Wenn Pharmaunternehmen nicht auf ihre Margen verzichten wollen, muss das Geld, das heute amerikanische Patienten zahlen, woanders herkommen. Die häufigste Hypothese: Es wird auf die übrigen Länder verteilt, deren Preise steigen, um das neue Niveau auszugleichen. Die Ankündigung deutet darauf hin, wenn sie sagt, die Preise würden „weltweit ansteigen, um sich auszugleichen“.

Dies macht die Maßnahme zu einem Nullsummenspiel mit Haken: Die USA zahlen weniger, der Rest zahlt mehr. Für Europa, und insbesondere für Spanien, könnten die Apothekenrechnungen teurer werden, wenn Labore versuchen, über Märkte mit noch vorhandenen Margen Ausgleich zu schaffen. Niemand hat bisher erklärt, wie dieser Effekt vermieden werden soll.

Die Präzedenzfälle, die niemand nennt

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Regierung in die Preise eines essenziellen Produkts eingreift. Masken und Corona-Tests hatten regulierte Preise. Gasflaschen haben seit Jahrzehnten gedeckelte Preise. In keinem dieser Fälle gingen Unternehmen bankrott oder verschwanden Produkte vom Markt. Das Argument des Versorgungsengpasses hat daher aktuelle Gegenbeispiele.

Was die Berechnung ändert, ist die Größenordnung. Gasflaschen zu regulieren ist eine Sache. Eingriffe in den US-Pharmasektor mit seinen Lobbygruppen, Kreuzpatenten und seinem Gewicht im BIP ist eine ganz andere. Dort könnte das Dekret nur eine Ankündigung bleiben, wenn Gerichte oder der Kongress es stoppen.

Was noch zu sehen ist

Die Ankündigung verspricht eine Unterschrift im Weißen Haus und Senkungen „fast sofort“. Die Realität hat mehr Schritte: Die Verordnung könnte vor Gericht landen, der Kongress könnte sie kippen, und Pharmaunternehmen haben Anwälte und Zeit. Währenddessen bleibt die Lücke zwischen den Medikamentenkosten in Spanien und den USA bestehen, ohne dass jemand vollständig erklärt hat, warum dasselbe Produkt, hergestellt in derselben Fabrik, auf der anderen Seite des Atlantiks fünf- oder zehnmal so viel wert ist.

Und wenn am Ende das Dekret nur dazu dient, dass der Rest der Welt die Rechnung zahlt, die heute die Amerikaner tragen?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (117 Antworten).

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