Trillo, der Yak-42 und die selektive Patriotismus-Erinnerung

Der Yak-42 forderte 2003 62 tote Soldaten, vermischte Überreste und einen Minister ohne Rücktritt. Verantwortung hängt heute von der Parteifarbe ab.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Trillo, der Yak-42 und die selektive Patriotismus-Erinnerung
Vom Yak-42 zu Puente: Die selektive Erinnerung des Patriotismus

Im Mai 2003 stürzte ein vom spanischen Verteidigungsministerium gecharterter sowjetischer Yak-42 in der Türkei ab; an Bord waren 62 spanische Militärangehörige. Alle 62 starben, ebenso zwei ukrainische Piloten. Dreiundzwanzig Jahre später ist die Debatte offen, wer damals Federicos Trillos Rücktritt forderte, während kaum jemand mit derselben Vehemenze wie heute bei Óscar Puente wegen des Eisenbahnmanagements auftrat. Diese Parallele prägt eine Diskussion, die mit einer direkten Frage beginnt und als Abrechnung über ideologische Kohärenz endet.

Die erste Verteidigungslinie ist technischer Natur. Ein Analysestrang behauptet, das Flugzeug sei ein bekanntes Risiko gewesen: Andere Länder hatten es abgelehnt, eigene Militärs warnten vor dem schlechten Zustand, und der Vertrag wurde über die NATO-Agentur geschlossen, die den Flug für einen Bruchteil des Budgets untervergab. 149.000 Euro gezahlt, 38.000 Euro tatsächliche Kosten, laut den vorliegenden Aufschlüsselungen. Hier liege Fahrlässigkeit und Korruption vor, kein bloßer Wartungsfehler.

Das bewiesene Verbrechen: Vermischte Überreste

Die zweite Front beunruhigt Trillos Verteidiger am meisten. Die Identifizierung der Leichen erfolgte so chaotisch, dass den Familien vermischte Überreste verschiedener Opfer übergeben wurden, ein unidentifizierter Haufen, den später ein Fernsehteam aufdeckte. Im Gebirge fanden sich Dokumente, Fotos und persönliche Gegenstände, die niemand eingesammelt hatte. Für Teile der Analyse ist dies keine Fahrlässigkeit, sondern eine bewusste Handlung, um schnell eine Staatsbegräbnisfeier abzuhalten und Löcher zu stopfen. Trillo trat nicht zurück. Er kam nie ins Gefängnis.

Der Vergleich mit der Gegenwart drängt sich überall auf. Manche behaupten, das Management der letzten Verkehrsminister sei katastrophal, und weisen „Du auch“-Argumente zurück: Man verlange den Rücktritt eines sozialistischen Lebemanns mit demselben Maßstab, den man bei einem konservativen forderte. Die Antwort folgt prompt: Trillos Sünde war nicht die Verwechslung von Fleischfragmenten, sondern die Lüge gegenüber den Familien. Im Hintergrund steht die nie geschlossene Frage: Wenn Fahrlässigkeit, die 75 Menschen tötete, nicht ausreichte, einen Minister zu stürzen, welcher Schwellenwert der Verantwortung bleibt dann bestehen?

Wer forderte wann was: Das Problem der Kohärenz

Auch Generationen trennen den Diskurs. Wer 2003 dreizehn Jahre alt war, erinnert sich kaum an diese Phase und erkennt, dass seine damaligen Sympathien ihn nicht zum Anti-Populismus geführt hätten. Zeitzeugen erinnern sich an eine politische Klasse, die die Hand dessen leckte, der Schuld verteilte, ohne Kongresse oder Vorwahlen. Die erzwungene Schlussfolgerung ist weniger episch als gedacht: Die Forderung nach politischer Verantwortung hing immer davon ab, wer im Amt war, nicht von der Schwere der Katastrophe.

Hier stockt die Analyse. Der Fall Trillo lässt keine klare Antwort zu: Es gab bewiesene Fahrlässigkeit bei der Vergabe, ein Verbrechen im Umgang mit den Überresten und Schweigen. Viel Schweigen. Dasselbe Schweigen, das heute laut durchbrochen wird, wenn der amtierende Minister zur anderen Farbe gehört.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (55 Antworten).

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