Triana schlägt Mecano als beste spanische Band

Triana wird vor Mecano zur besten spanischen Gruppe gewählt, doch das Kanon besteht zu 95 % aus angloamerikanischem Rock.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Triana schlägt Mecano als beste spanische Band
Triana setzt sich gegen Mecano als beste spanische Band durch

Die am häufigsten als beste Band der Geschichte des spanischen Pop bezeichnete Gruppe sang nicht auf Englisch, füllte in den Achtzigern keine Stadien und existiert seit Jahrzehnten nicht mehr. Sie heißt Triana. Die Paradoxie ist schnell offensichtlich: Fast alle Namen, die neben ihr genannt werden — Héroes del Silencio, Extremoduro, Barón Rojo, Eskorbuto — waren offen vom angloamerikanischen Rock beeinflusst. Die beste spanische Band zu wählen, läuft oft darauf hinaus, die beste spanische Nachahmung einer britischen Band zu küren.

Gegen diese Strömung gibt es eine andere, viel bodenständigere: die des Mainstream-Publikums, das mit Mecano antwortet. Der Ausgangspunkt ließ drei Kandidaten im Rennen — Mecano, Radio Futura und La Unión — und führte zu einer klassischen Schlussfolgerung: Das Beste ist Mecano, der Favorit ist La Unión, und das gewählte Lied passt zu keinem von beiden. Reiner Eklektizismus nach dem Essen.

Warum Triana musikalisch am höchsten bewertet wird

Wenn der Maßstab Qualität und nicht Verkaufszahlen ist, fällt immer wieder der Name Triana. Manche gehen so weit — musikalisch gibt es nichts Besseres — und andere nuancieren es, ohne die Schlussfolgerung zu ändern, indem sie ihren persönlichen Geschmack für die ersten drei Alben von Medina Azahara in ihrer Pogre-Phase einsetzen. Das Kernargument ist, dass Triana eigene Musik machte, ohne die Briten zu übersetzen.

Das Problem ist das Gedächtnis. Ein Großteil des Publikums, das nach den Siebzigern geboren wurde, hat Triana nie gehört, und dieses Vergessen wiegt schwerer als jede Rangliste. Jemand fasst es schonungslos zusammen: Sie waren Götter ihrer Zeit, haben aber die Menschen unter 50 Jahren nicht erreicht. Eine Band, die eine Generation prägte und die Jahrzehnte später in den Listen gegen ihre eigene Unbekanntheit antritt.

Es gibt ein interessantes Detail für diejenigen, die jetzt Flamenco als Identitätsmerkmal beanspruchen: In solchen Zählungen kommt das, was über den Rock hinausgeht, meist aus dem Süden. Paco de Lucía und sein «Almoraima» tauchen immer wieder auf, ebenso wie Rocío Jurado, Concha Piquer, Sabicas oder Tete Montoliu. Das spanische Kanon hat, wenn man genauer hinschaut, mehr «Duende», als es scheint.

Mecano, La Unión und der Pop, der wirklich im Radio lief

Der Massenblock bittet nicht um Erlaubnis. Mecano, La Unión, Golpes Bajos, Presuntos Implicados, Cómplices, Esclarecidos, La Mode. Die Liste der Achtziger und frühen Neunziger wird vervollständigt durch Luz Casal, Tino Casal, La Dama se Esconde, Los Secretos, Nacha Pop, Azul y zaino, Alaska y Dinarama, Joaquín Sabina, Danza Invisible oder Tequila. Je länger die Liste, desto weniger nützlich. Und über allem schwebt ein Lied, das immer als das beste herauskommt, ohne anzutreten: «Mediterráneo».

Die Verteidigung dieses Blocks ist einfach: Ob man sie mag oder nicht, sie bevölkerten jahrelang die Discografien, Radiosender und Sendungen und waren die meistgehörten und gefolgten Bands des Landes. Dieses Kriterium — das des Lautsprechers, nicht das des Konservatoriums — ist auch ein Kriterium.

Hier erscheint eine der schmackhaftesten Nebengeschichten: Teo Cardalda, der Musiker aus Villagarcía, der bei Golpes Bajos war und dann das Beste von Cómplices komponierte. Von Golpes Bajos wird «Devocionario» als Höhepunkt gehandelt, das Album, mit dem sie den Gipfel erreichten, genau als der Erfolg begann, sie aufzufressen. Von Presuntos Implicados ist es die Stimme von Sole Giménez, die ohne Diskussion das Adjektiv «wunderbar» erhält.

Spanischer Rap, die Hintertür des Kanons

Hier bricht der Konsens völlig zusammen. Der Rap tritt mit Namen wie Mala, Doble V, HPS, Chirie Vegas, Hermanos Herméticos, Charlie oder PXXR GVNG auf, sowie mit konkreten Daten: Alben aus 2007 und 2009 und Verweise auf 2003. Die Verteidigung ist fest — der beste Rap des Landes und Madrids —, aber die Aufnahme ist lauwarm. Widerwillige Anerkennung und einige Sticheleien darüber, dass es nicht so viele spanische Rap-Gruppen gebe oder dass die vorhandenen sehr old school gewesen seien.

Die Episode hinterlässt ein festes Bild des nationalen Kanons: Rock und Pop besetzen das Wohnzimmer; Rap und Flamenco die Küche. Die Grundbeschwerde — dass eine Aufzählung der besten spanischen Band zu 95 % aus angloamerikanischem Rock besteht — wird nicht nur von einem Nostalgiker unterschrieben. Es ist die Röntgenaufnahme eines Landes, das gelernt hat, auf Englisch zuzuhören.

Von Medina Azahara bis Estopa: ein Kanon, der mit den Jahren wächst

Mit der Zeit wird die Liste überfüllt. Es kommen Extremoduro hinzu — «Cabezabajo» vom Album Agila, als Liebling vieler —, Estopa, El Canto del Orate, Itoiz und deren Folk. Es kommen auch unbequeme Überprüfungen hinzu: Dass El Último de la Fila die am meisten überschätzte Band der Geschichte des spanischen Pop sei, ist hier ein Urteil, das keine Nuancen zulässt. Und es kommt die gut verstandene Nostalgie hinzu, wie die Version von Triana, die Medina Azahara und India Martínez zusammenbrachte und vielen eine Gänsehaut bescherte.

Die Grundfrage bleibt dieselbe, die sich jemand stellte, der sich an seine 23 Jahre im Jahr 1990 erinnerte: Ist die beste Band die mit der höchsten Qualität oder die, die dir am meisten einfällt, wenn du die Augen schließt? Jede Generation antwortet unterschiedlich und fügt einen eigenen Namen zu einer Liste hinzu, die nie endet. Hat es jemals einen spanischen Pop ohne englischen Akzent gegeben?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (205 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver