Südeuropa hinkt bei Englischkenntnissen hinterher

EF platziert Spanien auf Rang 36 für Englischkenntnisse, während Frankreich (49) und Italien (46) schlechter abschneiden. Portugal ist weltweit sechstbester.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien 36, Frankreich 49, Italien 46: Südeuropa stagniert beim Englisch

Der letzte jährliche EF-Bericht platziert Spanien auf Weltrang 36 für Englischkenntnisse, hinter den meisten europäischen Ländern. Dieser wiederkehrende Datenpunkt schockiert niemanden mehr. Auffällig sind jedoch Frankreich und Italien: Auf Platz 49 bzw. 46 liegen sie deutlich unter dem spanischen Niveau mit einem nicht korrigierten Abwärtstrend. Im Gegensatz dazu ist Portugal, das 2019 Platz 12 belegte, heute das sechstbeste Land der Welt.

Die Frage ist nicht neu, bleibt aber unbeantwortet: Was versagt in den französischen und italienischen Bildungssystemen, damit Bürger die Lingua Franca von Handel, Wissenschaft und Technologie nicht lernen?

Heimatmarkt als Ausrede

Eine erste Erklärung kursiert stark: Länder mit weit verbreiteten Sprachen können es sich leisten, Englisch zu ignorieren. Frankreich und Italien haben riesige Binnenmärkte, starke Kulturindustrien und genug Sprecher, um den Aufwand im Alltag unnötig zu machen. Ein durchschnittlicher Franzose kann arbeiten, konsumieren, sich informieren und unterhalten lassen, ohne seine Sprache zu verlassen. Ähnlich verhält es sich, mit Nuancen, in Spanien, wo der spanischsprachige amerikanische Markt einen Puffer von Hunderten Millionen Menschen bietet.

Manche behaupten, dieser strukturelle Komfort schaffe echte Desincentives. Wenn deine Sprache zum Leben reicht, warum dann eine andere lernen? Das Argument hat Logik, trifft aber auf ein unbequemes Gegenbeispiel: Deutschland. Auch Deutsche haben einen starken Binnenmarkt und eine gewichtige Sprache, doch ihr Englischlevel ist deutlich höher als das der Franzosen und Italiener. Die Heimatmarkt-Ausrede erklärt diesen Unterschied nicht.

Sprachstolz und lateinisches Erbe

Ein anderer Analyseansatz zeigt auf kulturelle Faktoren. Frankreich hat über Jahrhunderte eine aktive Verteidigungspolitik seiner Sprache aufgebaut, mit Institutionen zum Schutz und historischem Widerstand gegen englische Hegemonie in internationalen Foren. Diese Haltung, einst sinnvoll, könnte zur Last geworden sein. Englisch wird als Bedrohung der Identität wahrgenommen, nicht als Werkzeug.

In Italien scheint das Problem eher praktisch als identitätsbezogen. Mehrere Analysen nennen konkrete phonetische Schwierigkeiten: Italiener finden es besonders schwer, Laute auszusprechen, die in ihrer Sprache fehlen, wie die Endung -ing oder die Aussprache des h in Grundwörtern. Diese anfängliche Hürde entmutigt viele vor dem Erreichen eines funktionalen Niveaus. Das Ergebnis ist ein Teufelskreis: schlecht gelernt, wenig genutzt, schnell vergessen.

Technologie als perfekte Ausrede

Ein dritter, neuerer Faktor drängt stark in die Gleichung: automatische Übersetzung. Aktuelle Tools übersetzen Text in Echtzeit, erkennen Stimme, übersetzen Schilder per Handykamera und ermöglichen Basisgespräche ohne Sprachkenntnisse. Wer nur technische Dokumentation lesen oder eine Nachricht verstehen muss, findet die Englischbarriere durchlässig ohne Studium.

Verblüffend ist, dass Portugal, mit kleinem Binnenmarkt und einer außerhalb seiner Grenzen nutzlosen Sprache, auf Platz sechs weltweit geklettert ist. Notwendigkeit treibt an. Und die Notwendigkeit lastet in Frankreich und Italien nicht stark genug.



Schlüsseldaten des EF-Berichts 2024

  • Spanien: Rang 36
  • Italien: Rang 46
  • Frankreich: Rang 49
  • Portugal: Rang 6 (war 12 im Jahr 2019)

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (123 Antworten).

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