US-Stahlzölle treffen eine bereits geschwächte spanische Branche
Ein Zoll auf europäischen Stahl und Aluminium sollte wie eine industrielle Katastrophe klingen. In Spanien wirkt er eher wie Hintergrundrauschen. Der Grund ist unbequem: Das Land verkauft kaum Stahl und Aluminium an die USA, und die Industrie, die einen Schlag erleiden könnte, schließt seit Jahrzehnten Hochöfen aus Gründen, die nichts mit dem Weißen Haus zu tun haben. Die Ankündigung kommt in einer Zeit, in der die relevante Frage nicht mehr lautet, was Trump kostet, sondern wie viel bereits verloren war, bevor er den Mund öffnete.
Wie viel spanischen Stahl und Aluminium kaufen die USA?
Weniger, als die Schlagzeile vermuten lässt. Die Produktion, die sich noch hält, konzentriert sich auf Spezialstähle und etwas Luftfahrt-Aluminium mit niedrigen Exportvolumina und sehr konkreten Zielländern. Der Großteil der schweren Metallurgie, die es in Spanien einmal gab, ist nicht mehr vorhanden, um besteuert zu werden.
Manche gehen weiter und behaupten, der Rahmen der Diskussion sei falsch gesetzt: Die großen Stahlkonzerne sind keine „spanischen“ Unternehmen. Ihre Eigentümer sind internationale Aktionäre, und ein Unternehmen mit Fabriken in halb Europa entscheidet über den Produktionsstandort basierend auf Kosten, nicht auf Nationalflaggen. Nach dieser Logik trifft der Zoll nicht Spanien, sondern einen Aktionär, der wahrscheinlich woanders lebt.
Die wiederkehrende Frage lautet: Gibt es noch eine relevante metallverarbeitende Industrie, die Zölle rechtfertigt? Die im Diskurs gegebene Antwort lautet: Kaum. Es wird argumentiert, dass Spanien keine bedeutenden Erzvorkommen hat und sein Exportgewicht eher auf Olivenöl und Schinken beruht als auf Metallen.
Der Zoll, den Europa sich selbst auferlegt
Hier liegt der eigentliche Kern des Problems. Im Diskurs wird betont, dass die Industriestromkosten für ein spanisches Stahlwerk höher sind als in Frankreich oder Deutschland, und das frisst die Marge, bevor überhaupt ein US-Dekret greift. Hinzu kommen die Anforderungen zur Dekarbonisierung, die Pflicht, in grünen Wasserstoff zu investieren, und eine Energierechnung, die von Steuern und Anti-CO2-Vorschriften belastet ist.
Das Ergebnis ist eine Gleichung, die nicht aufgeht: Stahl in Spanien herzustellen kostet mehr, als ihn aus China oder der Türkei zu importieren, die ohne Zwischenzölle auf den europäischen Markt kommen. Wenn man hinzuaddiert, dass die Werke ihre eigene grüne Umstellung finanzieren müssen, wird die Stilllegung von Hochöfen von einer Bedrohung zum Unternehmensplan.
Die These, die in den härtesten Analysen am häufigsten wiederholt wird, besagt, dass Trumps Zoll im Vergleich zu den Abgaben, die die EU selbst ihrer Stahlproduktion auferlegt, ein Klacks ist. Das heißt: Europa gesetzgeberisch gegen seine Industrie vor und wundert sich dann über deren Verlagerung ins Ausland.
Arcelor lehnt 450 Millionen ab und verlagert Elektrostahl in die USA
Der illustrativste Fall braucht keine Zölle, um erklärt zu werden. Arcelor lehnte 450 Millionen Euro Subventionen aus EU-Mitteln ab, die von der Regierung angeboten wurden, und entschied sich stattdessen, seinen Elektrostahl in den Vereinigten Staaten zu entwickeln. Wenn ein Unternehmen dieses Geld ablehnt, ist die Botschaft schwer zu beschönigen.
Die Lesart der Branche lautet, dass das Problem nicht der Mangel an Hilfen ist, sondern das Umfeld: Strompreise, regulatorische Lasten und Wettbewerb, der nicht nach denselben Regeln spielt. Mit diesem Panorama wird kein eigener Zoll eine Investition halten können, die bereits beschlossen hat, umzuziehen.
Von Sagunto bis Mercosur: Vier Jahrzehnte der Schließungen
Trumps Zoll ist nicht der erste Schlag. Die Hochofenanlagen von Sagunto wurden stillgelegt – wie im Diskurs erinnert wird – als Bedingung für den Beitritt zur damaligen Europäischen Gemeinschaft, und diese industrielle Umstrukturierung hinterließ eine Spur von Entlassungen, die noch immer in Erinnerung ist. Danach kamen die Handelsabkommen, die Grenzen für landwirtschaftliche und industrielle Produkte aus Drittländern öffneten, während lokale Produzenten die Anpassungskosten trugen.
Darin liegt der Vorwurf, der über der Sache schwebt: Es wird wahrgenommen, dass die EU ihre kleineren Partner opfert zugunsten der einflussreicheren. Das wiederholte Beispiel sind die Niederlande, die zu großen Vermarktern europäischer Früchte wurden, gerade weil die Produkte frei eintreten und über ihre Häfen laufen.
Die doppelte Messlatte beim China-Zoll
Die am meisten beunruhigende Widersprüchlichkeit betrifft chinesische Autos. Die EU besteuert sie und präsentiert dies als legitime Verteidigung ihrer Industrie; Trump besteuert europäischen Stahl und wird zum Aggressor. Beides kann gleichzeitig wahr sein, aber selten wird es zusammen erzählt. Es wird argumentiert, dass der Bürger immer die Rechnung zahlt, weil der Zoll das Endprodukt und die Vorleistungen jeder Fabrik verteuert, die im Ausland einkauft.
Und es ist kein rein europäisches Phänomen: Zölle auf argentinischen Stahl und Aluminium betreffen Exporte in Höhe von etwa 600 Millionen Dollar pro Jahr, wobei mehr als 500 Millionen im Jahr 2023 in die USA vom Hauptbetroffenen geliefert wurden.
Mit diesen Bausteinen darf man erwarten, dass der Zoll eher als Schlagzeile denn als wirtschaftliches Desaster in Erinnerung bleibt. Oder auch nicht: Wenn der Strom weiterhin über dem Niveau von Frankreich und Deutschland liegt und die Dekarbonisierung weitere Kosten verursacht, wird die heute marginale Schließung morgen strukturell sein. Niemand in der Industriekette scheint einen Plan zu haben, dieses Szenario zu verhindern, und das ist das wirklich Ernstzunehmende.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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