Spaniens Verkehrsbehörde prüft zertifizierte Fahrbrillen

Die spanische DGT erwagt laut El Nacional.cat ein Verbot herkömmlicher Sonnenbrillen und eine Pflicht zu zertifizierten Modellen beim Autofahren. Unfallzahlen fehlen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Verkehrsbehörde prüft zertifizierte Fahrbrillen
Spaniens DGT prüft zertifizierte Brillenpflicht am Steuer

Braucht man wirklich eine Spezialbrille zum Autofahren? Die Dirección General de Tráfico (DGT, Spaniens nationale Verkehrsbehörde) hat die Möglichkeit ins Spiel gebracht, herkömmliche Sonnenbrillen zu verbieten und ein spezielles, zertifiziertes Modell vorzuschreiben, das ausschließlich für die Fahrt hergestellt wird. Die Meldung, veröffentlicht von El Nacional.cat, kam bei den Autofahrern an wie ein kalter Dusche: Viele sehen in der Maßnahme eine neue Steuer im Gewand der Verkehrssicherheit. Das offizielle Argument ist die Sicht bei bestimmten Situationen, doch der Zeitplan der Maßnahme und wer die Brillen verkaufen soll, bleiben unklar.

Was die DGT genau vorschlägt

Die für die Verkehrssicherheit in Spanien zuständige Behörde erwagt laut der veröffentlichten Information, herkömmliche Sonnenbrillen aus den Autos zu verbannen und durch spezielle Brillen zu ersetzen, die nur fürs Fahren gefertigt werden. Zur Begründung wird eine bessere Sicht bei bestimmten Lichtverhältnissen angeführt, besonders wenn die Sonne blendet oder wenn es Reflexe auf nassem Asphalt gibt. Die Maßnahme sei angeblich Teil einer Überprüfung der Verkehrsordnung.

Die Nachricht ist schlecht angekommen. Manche behaupten, die DGT suche seit Jahren nach neuen Wegen, Geld einzunehmen, und das sei wieder einer davon. Andere verweisen direkt auf die fehlenden Daten: Es wird nicht erklärt, wie viele Unfälle vermieden würden, was die zertifizierte Brille kosten würde oder wer sie herstellen würde. Auch das Medium selbst, das die Information veröffentlicht, wird von einigen Lesern infrage gestellt – El Nacional.cat sei gerade kein Inbegriff journalistischer Sorgfalt.

Das Geschäft hinter der Zertifizierung

Der am häufigsten geäußerte Verdacht ist ein gefälliges Geschäft. Wenn die DGT ein bestimmtes Brillenmodell vorschreibt, muss es jemand herstellen und verkaufen. Und dieser jemand wird, dem üblichen Muster nach, ein Unternehmen sein, das der regierenden Partei nahesteht. Die Rechnung, die kursiert, ist einfach: Die Anforderungen werden im BOE (dem spanischen Staatsanzeiger) veröffentlicht, und am nächsten Tag steht ein Produkt im Katalog eines Unternehmens, das sich zufällig vorher informiert hat. Monate später wechseln die Beamten, die die Norm verfasst haben, in den Ruhestand und landen im Aufsichtsrat des Verkäufers.

Keine abwegige Theorie, sagen die, die sie vertreten. Es sei das Vorgehen, das man in anderen Branchen gesehen habe, von Masken bis zu Antigentests. Der Unterschied: Hier ist das Produkt für den täglichen Gebrauch und Pflicht für Millionen Autofahrer. Die Kosten zahlt nicht der Staat, sondern der Geldbeutel jedes Spaniers mit Auto.

Polarisationsbrillen und das Problem mit den Bildschirmen

Eines der technischen Argumente lautet, Polarisationsbrillen seien besser zum Fahren, weil sie Reflexe eliminieren. Das stimmt: Polarisationsbrillen reduzieren die Blendung durch Asphalt und Wasser. Aber es stimmt auch, dass die digitalen Bildschirme moderner Autos damit schlechter zu erkennen sind. Und es gibt immer mehr Bildschirme: Navigationsgeräte, Instrumententafeln, Infotainmentsysteme. Die Brille, die die Sicht auf den Asphalt verbessert, verschlechtert die Sicht auf den Bildschirm.

Manche erinnern daran, dass Flugzeugpiloten Polarisationsbrillen gesetzlich verboten sind – genau wegen der Probleme mit Bildschirmen und Instrumenten. Will die DGT eine technische Brille vorschreiben, müsste sie klären, welche Art von Brille und für welches Auto. Denn ein Kleinwagen von 2010 mit analogen Bedienelementen ist nicht dasselbe wie ein Elektroauto von 2024 mit drei Touchscreens.

Die Kosten für den Fahrer

Die Frage, die niemand beantwortet, lautet: Was wird die zertifizierte Brille kosten? Normale Sonnenbrillen kosten zwischen 10 und 30 Euro in jedem Optikergeschäft oder Supermarkt. Eine Brille mit offizieller Zertifizierung, in limitierter Serie gefertigt und mit dem DGT-Siegel, wird nach kursierenden Schätzungen nicht unter 50 oder 60 Euro liegen. Multiplizieren Sie das mit zwei, denn der Fahrer braucht eine und der Beifahrer auch. Und rechnen Sie Etui, Band und Putztuch hinzu, die es ebenfalls separat geben wird.

Dazu kommen die Verwaltungskosten. Wenn die Brille zertifiziert sein muss, muss jemand das auch überprüfen. Die Verkehrspolizei? Die Beamten der DGT? Die Hersteller selbst? Jede Kontrolle bedeutet Bürokratie, und jede Bürokratie bedeutet Zeit und Geld. Das Ergebnis: Der Fahrer zahlt zweimal – einmal für die Brille und einmal für das System, das sie kontrolliert.

Fehlende Daten und das Beispiel des Warndreiecks

Die Maßnahme wird als Verbesserung der Verkehrssicherheit präsentiert, kommt aber ohne Daten daher. Es wird nicht gesagt, wie viele Unfälle durch Blendung entstehen, wie viele mit der zertifizierten Brille vermieden würden oder was die Umstellung kosten würde. Ohne diese Zahlen ist die Maßnahme eine Meinung, keine Politik.

Das Beispiel des Warndreiecks ist aufschlussreich. Manche behaupten, es sei jahrelang zur Pflicht gemacht worden, bis sich herausstellte, dass es mehr Unfälle verursachte als es verhinderte. Die Wissenschaft – dieselbe, die man jetzt zur Rechtfertigung der Brille anruft – ließ auf sich warten. Mit den Brillen könnte es genauso laufen: erst die Pflicht, dann die Bewertung, wenn überhaupt.

Was die Leute sagen

Die überwiegende Reaktion ist Ablehnung. Man argumentiert, der DGT sei langweilig und sie stehe jeden Morgen auf und überlege, wie man den Bürger ärgern könne. Es gebe im Auto schon zu viele Pflichtgegenstände: Reifen, Reserverad, Warnweste, Warndreieck, Warnblinklicht. Und währenddessen seien die Straßen voller Schlaglöcher und Verbrecher würden nicht verfolgt.

Andere sehen in der Maßnahme ein weiteres Beispiel für den interventionistischen Kurs der Regierung. Erst die Impfung, dann der ELbichito-Pass, dann die Plastiksteuer, jetzt die Brillen. Das Gefühl: Es bleibt immer weniger Raum für individuelle Entscheidungen und immer mehr Regeln, die vorschreiben, wie man zu leben hat. Der Autofahrer, so heißt es, sei kein Bürger mehr, sondern eine Herde, die eingesperrt werden muss.



Am Ende geht es nicht darum, ob zertifizierte Brillen die Verkehrssicherheit verbessern. Die Frage ist, wer sie verkaufen wird, was sie kosten werden und warum niemand bislang die Studie vorgelegt hat, die das rechtfertigt. Wenn das geklärt ist, wissen wir, ob es sich um eine Sicherheitsmaßnahme handelt oder um ein Geschäft mit dem BOE als Partner.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).

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