Spaniens PSOE verlor 2023 und regiert doch: die Rechnung, die den Trick wiederholt

In Spanien gewann die Rechte 2023 mehr Stimmen, konnte aber nicht regieren: ihr fehlten zwei Sitze. Das Präzedenzfall erklärt, warum niemand das Ergebnis als sicher ansieht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens PSOE verlor 2023 und regiert doch: die Rechnung, die den Trick wiederholt
Er verlor die Wahl, schloss Pakte und sitzt weiter im Moncloa-Palast: der Präzedenzfall von 2023

Der Ausgangspunkt ist eine Niederlage. Bei den letzten Parlamentswahlen kam der rechte Block auf mehr Stimmen und konnte seinen Kandidaten dennoch nicht zum Ministerpräsidenten wählen lassen: Ihm fehlten nach der im Wahlnachgang verwendeten Zählung zwei Sitze zur Mehrheit. Die PSOE (Spaniens Sozialisten) kehrten mit der Unterstützung von Parteien, die territoriale Gegenleistungen fordern, an die Regierung zurück. Seitdem ist die Legislaturperiode zu einem unlösbaren Sudoku geworden, in dem die Partner einzig das einte, was sie für ihr jeweiliges Gebiet herausschlagen konnten. Mit diesem Präzedenzfall auf dem Tisch lautet die Frage, die jedes politische Gespräch durchzieht, nicht, wer gewinnen wird, sondern ob der Gewinner regieren kann.

Was 2023 geschah und warum sich das Drehbuch wiederholt

Der Wahlkampf der Rechten war nach der gängigsten Erzählung ein selbstverschuldetes Desaster: zwei Monate Abnutzung gegen den notwendigen Partner, Flirt mit der Idee einer „guten PSOE“ und Fernbleiben von den Debatten, weil „das Rennen ist gelaufen“. Hase und Igel. Das Ergebnis war eine Investiturmehrheit, die zwei Stimmen fehlte, und eine Regierung, die in der gesamten Legislaturperiode nichts Relevantes beschließen konnte.

Daraus speist sich die Angst, die die Analyse beherrscht: dass sich die Geschichte mit denselben Gesichtern und anderen Namen wiederholt. Manche behaupten, die Partei, die nun als Zünglein an der Waage gilt, werde ihr Versprechen brechen, den amtierenden Ministerpräsidenten nicht zu unterstützen. Andere fügen einen unangenehmeren Zusatz hinzu: Die Wählerschaft, die entscheidet, ist nicht die, die in den sozialen Medien schreit, sondern die, die einen Lohn bezieht.

Die entscheidende Stimme: Rentner, Selbstständige und Vermieter

Die meist wiederholte These lautet, dass die amtierende Regierung die Rentnerstimme, die der Mieter, des Sanitäts- und Lehrpersonals sowie das umgangssprachlich sogenannte Enkel-Stimmen für sich gepachtet hat. Demgegenüber könnte die Rechte auf die Stimme des ländlichen Raums, der Sicherheitskräfte, der Justiz und der Selbstständigen zählen – das sind immerhin drei Millionen.

Das Problem: Dieser Block ist nicht monolithisch. Ein Selbstständiger, der von öffentlichen Aufträgen lebt, sieht zwar seine Steuern steigen, aber auch seine Einnahmen wachsen. Und viele Rentner, die aus Tradition rechts wählten, haben erlebt, wie ihre direkten Interessen mit dem Programm ihrer Partei kollidieren. Wenn das passiert, ist die Versuchung groß, zu Hause zu bleiben und es laufen zu lassen, was kommt. Die vollständige Rechnung, Spiel um Spiel, ergibt eine Differenz, die überrascht.

Die Inflation, die niemand im Einkaufskorb analysiert

Das Wirtschaftsargument, das beim Machtverlust der Regierung am meisten wiegt, sind weder Arbeitslosigkeit noch Schulden: Es sind Eier. Inflation ist ein weltweites Phänomen – in den USA kostet Diesel 1,60 und selbst deren Präsident hat sich vor seinem russischen Amtskollegen gebeugt, damit dieser ihm Diesel schickt –, doch der Durchschnittswähler betreibt keine solche Analyse. Er sieht, dass die Eier im Supermarkt teurer werden, und macht die Regierung dafür verantwortlich. Punkt.

Auf dem Mietmarkt ist der Effekt vertrackter. Vermieter, die ihre Wohnungen vom Markt genommen und lieber verkauft haben, beweisen, dass etwas nicht funktioniert – und das geschah, bevor die faktischen Enteignungsdekrete in Kraft traten. Das Angebot schrumpft, die Preise steigen, und der Mieter macht den Vermieter verantwortlich. Der Vermieter macht die Regierung verantwortlich. Die Regierung macht die weltweite Inflation verantwortlich. So richtig aufgehen tut es für niemanden.

Die Kontrolle über den Apparat: von der Staatsanwaltschaft bis Indra

Was diejenigen, die die reale Macht analysieren, am meisten beunruhigt, ist nicht die Stimme, sondern die Infrastruktur. Die Staatsanwaltschaft, das Verfassungsgericht, der öffentliche Rundfunk, Telefónica, das CIS (das offizielle Meinungsforschungsinstitut), die Staatsanwaltsvertretung, die Steuerbehörde, Indra, der Banco de España, das Instituto Cervantes, die Nationalpolizei, die Guardia Civil, das INE (die Wahlkommission), der Staatsrat und Correos (die Post). Die auswendig heruntergesagte Liste ist das Argument derer, die behaupten, der amtierende Ministerpräsident verfüge über Supermacht en masse.

Der Gegeneinwand lautet, dass diese Kontrolle nicht mehr absolut ist. Manche behaupten, der Ministerpräsident habe sich gegen diejenigen aufgelehnt, die ihn dorthin gebracht hätten, und die Strukturen, die ihm das ermöglichten, gehorchten ihm nicht mehr. Andere entgegnen, Indra und Correos lägen weiterhin in den Händen von von der Regierung ernannten Vorständen. Der Punkt, an dem die Analyse festhängt, ist genau dieser: Niemand weiß, wie viel dieses Apparats einer Person gehorcht und wie viel einer institutionellen Trägheit, die jeden Amtsinhaber überdauert.

Mit diesen Zutaten bleibt einem Teil der Wählerschaft nur eine übernatürliche Hoffnung: dass die Wahl auf den Tag der Großen Verheißung fällt, eine Woche nach dem Fest Christkönig. Das ist kein statistisches Argument. Aber das von 2023 war es auch nicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (40 Antworten).

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