Spaniens nie endende Welle von Massenentlassungen

Über 20.000 Entlassungen seit 2008: Ein Bürgerprojekt deckte das volle Ausmaß der spanischen Kündigungen auf.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mehr als 20.000 Entlassungen in einem Thread: Die Chronik des Jobabbaus in Spanien

Die Finanzkrise 2008 war kein vorübergehender Sturm. Was als Liste von EREs (Massenentlassungsverfahren) in einem Forum begann, wurde zu einem fossilen Protokoll des spanischen Arbeitsmarktabschwungs. Seit September 2008, als ein anonymer Nutzer Unternehmen mit Stellenabbau dokumentierte, wuchs die Liste auf über hundert Verfahren allein in den ersten Monaten. Airbus, Acerinox, Nissan, Acciona... Namen, die für massiven Jobverlust standen.

Von befristeten Verträgen zur Insolvenz: Wenn der ERE nicht rettet

Der erste Schlag war hart: Airbus kündigte im November 2008 3.000 Entlassungen an. Acerinox 1.835. Doch was zunächst wie temporäre Suspendierungen aussah, wandelte sich bald in dauerhafte Schließungen. Der Fall Esteban Ikeda, Hersteller von Sitzen für Nissan, illustriert die Falle: Im Januar 2009 wechselte das Unternehmen von einem temporären ERE zur Beantragung eines Insolvenzverfahrens. „Man verbraucht sein Arbeitslosengeld in der Hoffnung zurückzukehren, und dann wird heruntergelassen“, fasste ein Beobachter zusammen. Der Übergang vom Konjunkturellen zum Strukturellen beschleunigte sich.

Die endlose Liste: Ganze Branchen unter der Lupe

Die Anhäufung war gnadenlos. Im April 2009 plante Nissan einen ERE für 1.000 Mitarbeiter in Barcelona. Porcelanas Bidasoa, Papelera de Besaya, Toypes: Jede Woche kamen neue Unternehmen hinzu. Einige, wie die Kette Master Cadena, gingen mit 1.200 Mitarbeitern in die Zahlungsunfähigkeit. Andere, wie das ehemalige Uralita, reichten EREs für 22 Arbeitnehmer ein. Die Liste unterschied nicht zwischen Branchen: Automobilbau, Textil, Gastronomie, Bauwesen. Selbst das Hotel La Cigüeña schloss fünf Monate nach Eröffnung.

Der unsichtbare Eisberg: EREs, die es nicht in die Medien schaffen

Einer der aufschlussreichsten Befunde des Registers ist die Existenz von Massenkündigungen, die kaum in der offiziellen Presse auftauchten. Im Dezember 2008 beendete das Sony-Werk in Sabadell 300 Werkverträge – fest angestellte Saisonarbeiter mit langer Betriebszugehörigkeit. „Offiziell gibt es keinen ERE, keine Nachricht“, kritisierte ein Mitwirkender. Diese Information blieb in den Bars des Vallès, statt in den Schlagzeilen. Das Bürger-Monitoring erfasste, was die offizielle Statistik oft ignoriert.

Die Pandemie als Beschleuniger

Der Thread, mit mehr als 2.000 Antworten, erlebte während der ELbichito-19-Krise eine Wiederbelebung. Öffentliche Hilfen in Form von ERTEs (kurzarbeitähnliche Instrumente) hinderten viele Unternehmen nicht daran, zu endgültigen EREs überzugehen. 2020 schloss Siemens Gamesa seine Fabrik in Aoiz mit 239 Entlassungen; Tubacex kündigte 500 an. Der Mercedes-Direktor warnte bereits: „Vielleicht können die gleichen Arbeitsplätze nicht gehalten werden.“ Die Party der Subventionen würde nicht ewig dauern, und die EREs kehrten mit voller Kraft zurück.

Das Register, gestartet 2008 und 2020 reaktiviert, hat kein Ende. Der Initiator zählte bis Februar 2020 allein 8.000 Betroffene. Die schwebende Frage lautet, ob die nächste Welle schlimmer sein wird. Indes bleibt der Thread offen, wartet auf neue Einträge.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (2051 Antworten).

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