Kultur-Ping-Pong in Spanien: 54 Tage Faktenketten ohne Wiederholungen
Das erste Fußballstadion Spaniens mit Kunstrasen war El Sadar in Pamplona Ende der 80er Jahre. Dies markierte den Startpunkt. Von dort aus lieferten sich zwei Gesprächspartner ein kulturelles Ping-Pong-Spiel, das 54 Tage und 1.271 Antworten umfasste. Die Regel ist simpel: Auf eine Antwort muss ein Fakt folgen, der im vorherigen Text erwähnt wurde, was echtes Wissen beweist. Ist ein Thema erschöpft, wird gewechselt. Kein Festklammern an der eigenen Spezialität. Bei Wissenslücken in Geschichte half Improvisation.
Das Ergebnis ist eine Reise von Mies van der Rohes Architektur über Gothic Rock der Band Bauhaus, die Kunstschule Bauhaus zu Monty Python, weiter zu Pat Metheny und Sustancia ilegal Pastorius und schließlich zum New Yorker Avantgarde-Jazz. Jeder Beitrag erfordert eine Antwort, die am vorherigen Text ansetzt. Erfindungen sind verboten. Wer keine Verbindung findet, verliert.
Von El Sadar zu Mies van der Rohe: Der Beginn der Kette
Die erste Reaktion auf die Herausforderung war ein Fußball-Fakt: der Kunstrasen in El Sadar Ende der 80er. Der Initiator lehnte dieses Thema als unkulturell ab und forderte Kunst, Musik, Architektur oder Literatur. Die Antwort kam mit dem Mies-van-der-Rohe-Pavillon in Barcelona, gebaut für die Weltausstellung 1929 und danach abgerissen. Das Gebäude, reine Form ohne Funktion, war jahrzehntelang verschwunden, bis katalanische Architekten es in den 80ern rekonstruierten.
Das Spiel war im Gange. Die Erwähnung von Mies führte zu einer Verwechslung mit De Stijl, der niederländischen Bewegung um Mondrian, und von dort zur Bauhaus-Schule, die von den Nationalsozialisten wegen „kulturellen Bolschewismus“ geschlossen wurde. Der nächste Sprung galt der Gothic-Rock-Band Bauhaus und ihrem Titel Bela Lugosi's Dead von 1979. Neun Minuten hypnotischer Bass und trockene Drums. Den Namen hatten sie von der deutschen Schule geklaut, die cooler fand.
Jazz als Kampfarena: Von Metheny zu Tim Berne
Irgendwann tauchte Bright Size Life auf, Pat Methenys Album mit Sustancia ilegal Pastorius und Bob Moses. Dies war der Köder für eine neue Wendung: Musik als Show versus echte Musikalität. Die Diskussion driftete zur Downtown-Szene in New York mit Tim Berne, Marc Ducret, Craig Taborn und Tom Rainey. Hier kreuzten sich Namen wie Mike Johnson, Gitarrist bei Thinking Plague und 5uu's, sowie Stevan Tickmayer, der serbische Komponist von The Science Group.
Der Austausch wurde enzyklopädisch. Es wurde diskutiert, ob Jim Black bei einem Filmin-Konzert auftrat, ob Drew Gress mit Ralph Alessi spielte und ob Wynton Marsalis vom Kontrabassisten beeindruckt war. Die Antwort war eindeutig: Marsalis neigt eher zur Tradition als zu Bernes Projekten. Den Soundtrack zu Watch Dogs komponierte nicht Gress, sondern Brian Reitzell. Jede Aussage erforderte Überprüfung. Wer sich irrte, wurde entlarvt.
Pharoah Sanders, King Crimson und der Schöpfer mit Masterplan
Die Kette setzte sich fort mit Pharoah Sanders und seinem Stück The Creator Has a Master Plan vom Album Karma (1969). Klargestellt wurde, dass weder Henderson noch Alice Coltrane bei dieser Session dabei waren, sondern Leon Thomas am Gesang und viel tribal Percussion. Die Version von King Crimson während der Islands-Tour (71-72) war ein weiteres Glied. Mel Collins am Saxophon und Boz am Bass. Auch die schwedische Band Landberk coverte den Titel, worüber aber weniger diskutiert wurde.
Das Spiel wandte sich dem Avantgarde-Jazz zu, mit Sonny Sharrock und Ask the Ages (1991), wo Elvin Jones neben Pharoah Sanders energisch spielte. Das Gespräch sprang dann zu Horace Tapscott, einem Pianisten aus Los Angeles, und zur Verwirrung um ein angebliches Live-Album, das nie existierte. Jeder Name öffnete eine Tür und schloss eine andere. Wer nicht mithielt, verlor den Faden.
Goya, Schiele und Hände als Signatur
Kunst trat stark in der Endphase auf. Goyas Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer diente dazu, über Eliten zu sprechen, die betrunken von ihrer eigenen Erleuchtung sind, und über Monster, die heute als EU-Berichte erscheinen. Der Witz, dass Goya extra bezahlte, wenn er Hände malte, führte zu einem Vergleich mit Egon Schiele, dessen Hände aussehen wie hungrige Spinnen oder freiliegende Kabel. Zwischen dem Aragonier und dem Österreicher wurden Hände vom Detail zum eigentlichen Porträt.
Die Kette ging weiter mit Piotr Jablonsky, einem Illustrator für Dark Fantasy, und seiner vermeintlichen Mischung aus Justin Sweet und Phil Hale. Diskutiert wurde, ob Sweet die Chroniken von Narnia illustrierte, und C.S. Lewis sowie die Inklings, der Pub-Club mit Pfeife und vergleichender Mythologie, wurden erwähnt. Narnia als durchgehend christliche Allegorie. Disney behielt nur den schönen Löwen und wenig mehr.
Rock in Opposition: Das Ghetto unbekannter Bands
Die Endphase des Spiels konzentrierte sich auf Rock in Opposition und Zeuhl. Genannt wurden Bands wie Etron Fou Leloublan, Shub Niggurath, Zao, Happy Family, Miriodor und Present. Etrons Schlagzeuger Guigou Chenevier gründete Volapük. Der Gitarrist von Happy Family spielte auch bei Koenji Hyakkei. Shub Niggurath wurde als Kuriosität beschrieben, näher am UFO als am RIO. Zao war eher Jazz-Fusion der 70er.
Die Diskussion leitete zu Univers Zero und deren Einflüssen. Present, Art Zoyd und Miriodor erschienen als direkte Erben. Der Gesprächspartner, der behauptete, alles seit seinen Zwanzigern zu kennen, wurde zurechtgewiesen: Im RIO passen die bekannten Bands in einen Aufzug, der trotzdem drei Stockwerke tiefer fährt. Der Versuch, American Samoa als Mischung aus RIO und Canterbury Scene darzustellen, wurde entschieden zurückgewiesen. Canterbury bedeutet Hatfield, Caravan, Keyboards mit Karussell-Effekt. American Samoa sind verstimmte Gitarren und maschineller Lärm. Jedes Ding hat seinen Platz.
Das Ende: Drei Frauen oder die Musik?
Das Spiel endete mit einer hypothetischen Frage: Würdest du dich jede Nacht mit drei verschiedenen Frauen einlassen, wenn du dafür auf all diese Bands und deine Favoriten verzichten müsstest? Die Antwort war klar. Die Frauen gehen weg, am nächsten Morgen erinnert man sich kaum an ihre Namen. Die Musik bleibt. Sie verlangt kein Geld und stellt keine Fragen um 7 Uhr morgens. Wer diesen Deal vorschlug, hatte nichts verstanden. Null Rentabilität.
Der verwirrende Fakt: Nach 54 Tagen und 1.271 Antworten hat niemand die Kette beendet. Niemand konnte das Spiel gewinnen. Wer mit Kunstrasen begann, diskutierte am Ende über American Samoa und den Sinn des Lebens. Das Kultur-Ping-Pong hat kein Ende. Nur den nächsten Zug.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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