Spanien fällt auf 7 Geburten pro 1000 Einwohner, am Ende der Weltrangliste
Spanien registriert 7 Geburten pro 1000 Einwohner und bildet zusammen mit Japan und Italien das Schlusslicht. Der Unterschied zu Japan ist dort, dass kaum Immigration die Lücke kaschiert. Mit dieser Zahl im Hintergrund knirscht es im gesamten System: Renten, Wohnraum, Gesundheitswesen und Arbeitskräfte-Nachfolge. Keine Lösung ist bequem, und alle brauchen zwanzig Jahre, um Wirkung zu zeigen. Wer einen einzigen Schuldigen sucht, geht leer aus, denn die Ursachen sind multifaktoriell, und wer sie auf eine reduziert, verkauft etwas.
Beim Ausgangspunkt herrscht Einigkeit, bei der Schuldzuweisung absolute Uneinigkeit. Eine Strömung zeigt auf das Geld. Eine andere auf die Werte. Eine dritte auf das Wachstumsmodell selbst. Und eine vierte auf die reine Arithmetik: weniger Junge, mehr Alte und eine Pyramide, die nirgends aufgeht.
Warum ist die Geburtenrate in Spanien eingebrochen?
Das wirtschaftliche Argument ist das häufigste. Wer Kinder bekommen will, rechnet langfristig und kommt zum Schluss, dass das Risiko untragbar ist: Es ist nicht Unwille, sondern die Bilanz erscheint fast selbstzerstörerisch. Wohnraum, Kita, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und ein Gehalt, das nicht steigt. Die Rechnung geht nicht auf, und die Entscheidung wird Quartal für Quartal aufgeschoben, bis keine Zeit mehr bleibt.
Der historische Vergleich wird oft herangezogen. Großeltern hatten viele Kinder, weil es keine Verhütungsmittel oder Informationen gab; mit heutigen Mitteln hätten sie sehr wenige gehabt. Religiöser und gesellschaftlicher Druck tat den Rest. Dieser Anreiz ist weggefallen, und damit auch der Grund, Kinder zu haben, außer dem Wunsch, vor der Nachbarin nicht schlecht dazustehen.
Hinzu kommt ein oft übersehener Faktor: Die Fruchtbarkeit sinkt fast überall, wenn sich die Bevölkerung in großen Städten ballt, unabhängig vom Einkommensniveau und kulturellen Rahmen. Auch in Ländern, wo dieser Prozess nicht stattgefunden hat, wird die Ersatzquote unterschritten, was verschiedene monokausale Theorien widerlegt.
Das Rentensystem und die Pyramide, die nicht aufgeht
Hier wird die Diskussion ernst. Das Umlageverfahren stützt sich darauf, dass heutige Beitragszahler heutige Rentner finanzieren; wenn die Basis schmal wird, muss man Steuern erhöhen, das Rentenalter hinausschieben oder Leistungen kürzen. Keines davon ist politisch gratis. 70 % des letzten Gehalts beziehen und mit 70 in Rente gehen ist die meistgenannte Zusammenfassung des Szenarios, wenn nichts ändert.
Dagegen steht die Kapitaldeckung: Jeder spart und bezieht aus seinem eigenen Fonds. Befürworter weisen darauf hin, dass eine Billion Euro auf Spareinlagen liegen und jährlich 300.000 Wohnungen leer stehen, ruhendes Vermögen, das mobilisiert werden könnte. Kritiker entgegnen, dass Kapitaldeckung Jahrzehnte braucht und verfügbares Einkommen voraussetzt, das ein großer Teil der Bevölkerung schlicht nicht hat.
In der Mitte bleibt eine unbequeme Frage: Wenn man das Loch durch Zuwanderung stopft, was passiert, wenn diese Arbeiter ebenfalls altern? Die Lösung von heute ist das Problem von 2060.
Wohnraum und Löhne: Die Zahl, die die Entscheidung bremst
Ohne Platz zum Aufziehen gibt es kein Projekt. Niedriglöhne (Mileuristas), Arbeitslosigkeit und Wohnungspreise sind die drei wiederkehrenden Bremsklötze. Die vollständige Berechnung, mit Hypothek, Vereinbarkeit und detailliert aufgeschlüsseltem Opportunitätskosten, ist das unangenehmste Dokument, das ein Paar Anfang 30 erstellen kann. Mehrere haben es getan und die Excel-Tabelle geschlossen.
Die Gegenargumente existieren und sind nicht dumm: Wenn die Bevölkerung schrumpft, wird Wohnraum günstiger und man braucht weniger Einkommen zum Leben. Dies ist das optimistischste Szenario und das mit dem geringsten Zeitdruck, da die Anpassung eine ganze Generation von Einkommen und Beschäftigung opfern könnte.
Wie schwer wiegt der Wertewandel?
Eine Strömung macht die Erwerbstätigkeit von Frauen und eine angebliche Indoktrinierung verantwortlich, die den Kinderwunsch erodiert habe. Diese Erzählung hält den Daten nicht stand: Die Fruchtbarkeit sinkt gleichermaßen in Gesellschaften, wo dieser Prozess nicht stattgefunden hat. Was tatsächlich eingebrochen ist, ist die Stabilität von Partnerschaften und die Toleranz gegenüber Bindungen. Ein Kind ist die maximale Verantwortung in einer Epoche, die vor jeder Verantwortung flieht.
Welche Auswege werden diskutiert?
Kapitaldeckung, steuerliche Anreize, echte Vereinbarkeit, bezahlbarer Wohnraum, Immigration und Automatisierung. Die Automatisierung ist die einzige Option, die Renten ohne Geburtenanstieg sichern könnte, doch niemand hat erklärt, wie dieser Kuchen verteilt wird und wer die Wertschöpfung erhält. Vielleicht ist das Problem nicht, wie viele geboren werden, sondern wer vom Roboter profitiert.
Die Diagnose ist weitgehend konsensual. Der Zeitplan nicht. Und während über die Schuldverteilung gestritten wird, verengt sich die Pyramide an der Basis jedes Jahr weiter, ohne dass jemand die Reform unterzeichnet, die alle wissen, dass nötig sein wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (146 Antworten).