Spanien wirft Schweinefleischbällchen für eine Bevölkerung ab, die kein Schwein isst
Spanien hat über Gaza Nahrungsmittelrationen per Fallschirm abgeworfen, die Schweinefleischbällchen enthalten. Laut der Website des Herstellers sind Bällchen zum Mittagessen und Hähnchen zum Abendessen vorgesehen. Die Paradoxie ist klassisch: Man schickt humanitäre Hilfe an eine mehrheitlich muslimische Bevölkerung mit einem Produkt, das ihre Religion verbietet, und der deklarierte Preis jeder Ration schlägt alle Alarmglocken. Das Paket ist nicht billig. Jedes Menü wurde auf etwa 90 Euro geschätzt, laut Berechnungen in der Diskussion, verglichen mit den 10 oder 15 Euro, die es kosten würde, eine ähnliche Ration im Supermarkt mit Handelsmarken zusammenzustellen.
Die Zahl schmerzt noch mehr, wenn man sie neben dem stellt, was ein Polizist oder Gendarmeriebeamter für Essen zahlt: 34 Euro pro Tag, aus eigener Tasche vorfinanziert, wie im Thread behauptet wird. Der Witz erklärt sich selbst, und jemand hat ihn genau so geschrieben.
Was genau jede Ration enthält und warum ihre Kosten diskutiert werden
Die Aufschlüsselung des Pakets liefert eine Nachricht im Thread: vier kleinere Zubehörteile (Streichhölzer, Anzündwürfel, kleiner Ofen, Wasserentkeimungstabletten, Servietten), eine Dose Hauptgericht —Bällchen, Fabada—, eine Vorspeise —Makrele, Pastete—, eine Tütensuppe und ein Dessert. Mit Supermarken sollte diese Zusammensetzung nicht mehr als 10 oder 15 Euro kosten, laut derselben Berechnung. Die Differenz zwischen beiden Zahlen ist der Kern der Sache.
Einige vertreten die Ansicht, dass der Preis durch Verpackung, Logistik und das System des Luftabwurfs gerechtfertigt ist. Dagegen spricht das Argument, dass ein Fallschirmabwurf eine Dose Bällchen nicht zu einem Luxusgut macht. Der Vergleich mit dem heimischen Einkaufskorb ist vernichtend und braucht keine Ausschmückung.
Das Menü hat zudem ein Detail, das viel Tinte fließen ließ: Die Bällchen sind aus Schweinefleisch. Die Herstellerwebsite bestätigt dies. Zum Mittagessen Schwein. Zum Abendessen Hähnchen. Die Wahl scheint kein letzter Moment der Nachlässigkeit zu sein, sondern eine Katalogentscheidung.
Die religiöse Paradoxie: Schwein für die, die kein Schwein essen
Die Diskussion teilt sich in zwei Strömungen. Eine vertritt, dass die humanitäre Pflicht darin besteht, Menschen zu ernähren, nicht religiöse Bräuche zu respektieren, und dass wer Hunger hat, isst, was ihm vorgesetzt wird. Andere erinnern daran, dass es auch Christen in Gaza gibt, dass nicht alle Palästinenser Muslime sind, und dass Israel mehrheitlich christliche Bevölkerungen angegriffen hat, ohne dass jemand gezögert hätte.
Die demografischen Daten werden hart diskutiert. Ein Beitrag schätzt palästinensische Christen auf rund 1 % der Bevölkerung und behauptet, die Mehrheit sei nach Chile oder in die USA ausgewandert. Eine Antwort weist darauf hin, dass in dem einzigen Dorf mit christlicher Mehrheit in Palästina Siedler die Bewohner belästigen und ihnen Land stehlen. Die genaue Zahl bleibt in der Luft, aber die Existenz einer christlichen Minderheit in Gaza bestreitet niemand.
Die am häufigsten wiederholte Ironie: Wenn das Ziel war, jemandem zu gefallen, gefällt das Menü niemandem. Weder den Empfängern aus religiösen Gründen noch den Steuerzahlern aus wirtschaftlichen.
Elf tausend Rationen für zwei Millionen Menschen: Das Skalierungsproblem
Die Zahl, die die offizielle Erzählung entkräftet, ist die Proportion. Es ist die Rede von 11.000 Rationen, die über eine Bevölkerung von mehr als 2.000.000 Menschen abgeworfen wurden. So betrachtet ist die Operation keine humanitäre Hilfe: Sie ist Propaganda mit Fallschirmen, wie im Thread behauptet wird. Jemand fasste es als Beleidigung der Intelligenz zusammen.
Vergleiche mit dem Nachkriegsspanien tauchen in mehreren Nachrichten auf. Damals, heißt es, blieben nicht einmal Ratten in den Städten übrig. Jetzt wird diskutiert, ob sich die Empfänger „snobistisch“ verhalten, weil sie Schweinefleisch ablehnen. Der Kontrast zwischen historischer Knappheit und zeitgenössischer religiöser Selektivität ist die Art von Argument, das jede Diskussion anheizt.
Die Gesamtkosten, multipliziert man die 11.000 Rationen mit den 90 Euro pro Stück, übersteigen eine Million Euro. Diese Zahl erscheint nicht wörtlich in der Diskussion, aber es ist die Rechnung, die jeder im Kopf macht, wenn er beide Daten liest.
Wer zahlt, wer kassiert und wer hungert
Der Thread driftet in Richtung des klassischen Verdachts: Jemand verdient daran. Die Idee, dass die Firma eines Freundes den Vertrag über das Boletín Oficial del Estado (Amtsblatt des Staates) erhält, wird als Verdacht formuliert, nicht als Tatsache. In Spanien hat die Notfallbeschaffung im öffentlichen Sektor einen Verwaltungsweg, den man kennen sollte, bevor man Schlüsse zieht, aber der Verdacht, dass der Preis aufgebläht ist, löst sich nicht von selbst auf.
Vergleiche mit sozialen Speisesälen und Aufnahmezentren für Migranten in Spanien erscheinen als Provokation: Würden diese Rationen hier nach denselben Kriterien verteilt? Die Frage hat im Material keine Antwort, macht aber klar, dass die Debatte nicht nur um Gaza geht.
Der Hintergrund ist unbequemer: Humanitäre Hilfe als Schaufenster. Lebensmittel aus der Luft abzuwerfen erzeugt starke Bilder und kostet politisch weniger, als Druck für Landkorridore auszuüben. Das zumindest legt ein Teil der Diskussion nahe.
Mit diesen Zutaten ist es vorhersehbar, dass der Preis pro Ration öffentlich nicht aufgeschlüsselt wird und die nächste Operation dieser Art das gleiche Menü wiederholen wird. Wer erwartet, dass der Hersteller das Katalogangebot aus religiösen Gründen ändert, kann lange warten. Die einzige Variable, die sich bewegen lässt, ist die Politik: Wenn die Kosten pro Ration zur parlamentarischen Anfrage werden, muss der Vertrag die Zahlen offenlegen. Bis dahin werden Schweinefleischbällchen weiterhin vom Himmel auf eine Bevölkerung fallen, die sie nicht essen wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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