Spanien ist das einzige Land, in dem zwei Jahre ohne Papiere zu Aufenthaltstiteln führen

Zwischen 2019 und 2023 hat Spanien 466.175 Menschen über das Arraigo legalisiert und 25.803 abgeschoben. Kein anderes Industrieland bietet einen automatischen Weg nach zwei Jahren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien ist das einzige Land, in dem zwei Jahre ohne Papiere zu Aufenthaltstiteln führen
Zwei Jahre Anmeldung und Arbeitsvertrag: ein Weg, den es in keinem anderen Industrieland gibt

Ein Migrant reist als Tourist ein, bleibt, meldet sich beim Einwohnermeldeamt an und kann nach zwei Jahren Papiere mit Arbeitserlaubnis beantragen. Das ist kein Gesetz einer bestimmten Regierung: Es ist Artikel 127 der spanischen Ausländerverordnung, und er besteht seit zwanzig Jahren. Zwischen 2019 und 2023 hat Spanien 25.803 Menschen abgeschoben und 466.175 über das Arraigo legalisiert. Achtzehnmal mehr Legalisierungen als Abschiebungen. Zwischen 2013 und 2023 nutzten mehr als 1,17 Millionen Menschen diesen Weg.

Kein anderes Industrieland hat einen solchen automatischen Mechanismus. Portugal schaffte seine Manifestação de Interesse, die ähnlich funktionierte, im Juni 2024 ab. Italien führt alle acht bis zehn Jahre außerordentliche Legalisierungen durch, zuletzt 2020. Frankreich verlangt drei bis fünf Jahre, 24 Lohnabrechnungen und eine Ermessensentscheidung des Präfekten. Deutschland, Österreich, die Niederlande, Schweden und Dänemark haben nichts Vergleichbares. In den USA kann man zwanzig Jahre ohne Aufenthaltsstatus leben, wenn man ohne Visum eingereist ist. In Kolumbien, Peru, Mexiko, Argentinien oder Chile führt ein Überbleiben nach Ablauf des Touristenvisums nicht mit der Zeit zu einer Legalisierung: Man muss ausreisen, eine Strafe zahlen und von vorne beginnen.

Das Arraigo hat eine lange Geschichte

Das Gesetz 4/2000, verabschiedet unter Aznars PP, schuf diese Figur. Die Verordnung von 2005 unter Zapatero legte sie auf drei Jahre irregulären Aufenthalt fest. Rajoy ließ sie in der Verordnung von 2011 bestehen. Die Königliche Verordnung 1155/2024 vom 19. November senkte sie auf zwei Jahre. Ministerin Elma Saiz unterzeichnete die Norm. Die Liste der Verantwortlichen ist parteiübergreifend und langweilig: Niemand hat sie abgeschafft, weil niemand ein Interesse daran hatte.

Hinzu kam eine außerordentliche Legalisierung: Die RD 316/2026, in Kraft vom 16. April bis 30. Juni 2026, legalisierte alle, die seit vor dem 1. Januar 2026 in Spanien waren, mit nur fünf Monaten Nachweis. Sie ist inzwischen abgeschlossen. Bleibt das Arraigo nach zwei Jahren.

Die Rechnung, die niemand anstellt: Wohnraum, Löhne und Anziehungseffekt

Mit einem Gehalt von 1.300 Euro und einer Miete von 1.000 geht die Rechnung nicht auf. Mit einem Zimmer für 400 oder 500 schon. Solange ein Zimmer weniger als die Hälfte eines Mindestlohns kostet, hält der Zustrom an. Italien ist der Spiegel: In Mailand kosten Zimmer 900 oder 1.000 Euro. Dort stoppt es. Die Korrektur kommt über den Preis, nicht über die Politik.

Manche behaupten, diese Masse stütze den Binnenkonsum und verhindere eine technische Rezession. Die jährlichen Gesundheits- und Bildungskosten für eine halbe Million Menschen sind nie berechnet worden. Und die Wirkung auf niedrige Löhne und Mieten ist bereits in jeder Stadt spürbar.

Staatsbürgerschaft nach zwei Jahren: die iberoamerikanische Abkürzung

Artikel 22 des Zivilgesetzbuchs erlaubt Iberoamerikanern, nach zwei Jahren legalen Aufenthalts die Staatsbürgerschaft zu beantragen. Ein Venezolaner, der ankommt, sich anmeldet, zwei Jahre wartet und das Arraigo erhält, kann kurz darauf den Pass beantragen. In den USA wartet der Ehepartner eines Staatsbürgers drei Jahre Daueraufenthalt plus Prüfungen und Gebühren. Zwanzig Jahre im bürokratischen Niemandsland sind keine Fiktion.

Das Szenario, das niemand sehen will

Wenn eine Krise wie 2008 kommt und die Beschäftigung einbricht, sind die ersten Opfer die Branchen mit geringen Qualifikationsanforderungen. Tausende Legalisierte blieben ohne Arbeit und ohne Auffangnetz. Das System steht am Abgrund, aber niemand hat einen Anreiz, es zu stoppen: Für den Arbeitgeber ist es billig, der Partei füllt es die Wählerregister, und für die Verwaltung rechtfertigt es mehr Schalter.

Die verstörende Zahl: achtzehnmal mehr Legalisierungen als Abschiebungen. Das ist kein Versagen des Systems. Es ist das System.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (55 Antworten).

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