Spanien: Falscher Eis-Crashkurs mit Gender-Perspektive

Ein gefälschter Eis-Crashkurs in Spanien mit Gender-Fokus für 100 € zzgl. MwSt. sorgte für Diskussionen über staatlich geförderte Aktivitäten und deren Glaubwürdigkeit.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Falscher Eis-Crashkurs mit Gender-Perspektive
Falscher Eis-Crashkurs mit Gender-Perspektive in Spanien: Scherz oder Realität?

Manche Ankündigungen erklären sich von selbst, andere brauchen ein beglaubigtes Protokoll. Ein angeblicher Kurs zum Erlernen des Eisessens mit "Gender-Perspektive", der 100 Euro plus Mehrwertsteuer für einen dreistündigen Vortrag kostete, hat die halbe Netzgemeinde dazu gebracht, zu debattieren, ob das Plakat eine Parodie ist oder das getreue Porträt einer Verwaltung, die alles subventioniert, solange es einen Regenbogen trägt. Die kurze Antwort: Es war ein Troll. Die lange Antwort ist das Problem.

Die Ankündigung, die wie eine echte Ausschreibung verbreitet wurde, versprach eine Schulungssitzung über den Konsum von Eis aus inklusiver Sicht, mit begrenzten Plätzen und einem Preis von hundert Euro plus Steuern. Dauer: drei Stunden. Und ein Detail, das verwirrt: Es erschienen nur der erste und der dritte Teil des Programms, während der zweite laut dem Plakat selbst nicht verfügbar war.

Warum niemand sofort ausschloss, dass es wahr sei

Das anfängliche Lachen dauerte nicht lange. Mehrere Leser baten um Link und Quelle, bevor sie ganz lachten, und der Link kam: ein Social-Media-Account mit allen üblichen Icons, inklusive Flaggen, und einem Profil, in dem Unterstützung für bestimmte internationale Regime ohne Scham neben dem Label des Fortschritts koexistierte. Dieses Detail ließ die Katze aus dem Sack: Wer sich mit Solidarität gegenüber Diktaturen brüstet, die nicht für ihren Respekt vor individuellen Rechten bekannt sind, kann kaum danach eine kohärente feministische Rede halten.

Von dort aus teilte sich die Analyse. Ein Teil behauptete von Anfang an, es sei eine offensichtliche Parodie, fast eine Stilübung. Ein anderer Teil, zahlreicher als wünschenswert, gab zu, dass er den Witz nicht mehr vom offiziellen Prospekt unterscheiden konnte. Und hier liegt der interessante Datenpunkt: Vor zehn Jahren hätte niemand bezweifelt, dass es ein Scherz ist. Heute ist Zweifel berechtigt.

Das eigentliche Geschäft: Wer zahlt die hundert Euro?

Der wirtschaftliche Einwand tauchte früh auf und blieb. Wenn der Workshop kostenpflichtig ist, geht niemand hin. Wenn er kostenlos ist, füllt er sich. Der Schlüssel, so eine Analyse unter den Teilnehmern, ist, dass solche Aktivitäten selten vom Teilnehmer bezahlt werden: Sie werden von der jeweiligen Verwaltung, der Stadtverwaltung oder dem entsprechenden Verein finanziert, mit öffentlichen Geldern aus Steuern, die ohne übermäßige Transparenz in private Hände fließen. Der Preis von hundert Euro plus MwSt. wäre in diesem Schema nur Dekoration.

Der zweite Vorwurf betraf die MwSt. Ein angekündigter Preis ohne Steuern bei einer Schulungsaktivität für Endverbraucher ist eine Anomalie, die jeder Geschäftsinhaber sofort erkennt. Dieses Detail machte mehreren Lesern mehr Verdacht als der Inhalt. Und sie hatten recht.

Der zweite Teil des Workshops, der nie existierte

Das Programm versprach drei Blöcke. Nur der erste und dritte wurden veröffentlicht. Der zweite, der praktische, war verborgen. Der Witz schrieb sich selbst: Der praktische Workshop zum Erlernen des richtigen Eisessens, der nie angekündigt wird, aber den sich alle vorstellen. Es ist die Art von Detail, die ein falsches Plakat glaubwürdig macht, denn die spanische Verwaltungsrealität produziert seit Jahren ebenso absurde, aber authentische Ausschreibungen.

Das ist der Punkt, den mehrere Leser am nachdrücklichsten betonten: Das Problem ist nicht die Falschmeldung, sondern der fruchtbare Boden. Wenn jahrelang Kurse, Workshops und Konferenzen mit öffentlichen Budgets und unmöglichen Titeln gesehen wurden, hört die Parodie auf, Parodie zu sein, und wird zum Spiegel. Die Glaubwürdigkeit des Witzes ist die Kritik.

Charokratie und der Steuerzahler, der um fünf Uhr aufsteht

Der Abschluss hatte seinen bitteren Moment. Ein Leser fasste das allgemeine Unbehagen mit einem Satz zusammen, der in verschiedenen Versionen wiederholt wurde: Um fünf Uhr morgens aufstehen, um diese Dinge zu bezahlen, und einen Monat auf einen Arzttermin warten. Der Kontrast zwischen Ausgaben für Aktivitäten von zweifelhaftem Nutzen und der Verschlechterung grundlegender öffentlicher Dienstleistungen ist wahrscheinlich der eigentliche Grund, warum der Schwindel funktionierte.

Ein anderer schloss mit einer Idee ab, die es wert ist, festgehalten zu werden: Wenn der Workshop aus eigener Tasche bezahlt würde, ginge niemand hin. Die Nachfrage existiert nicht. Das Angebot schon, weil es finanziert wird. Diese Diskrepanz zwischen dem Angebotenen und dem tatsächlich Bezahlten ist das wirtschaftliche Herzstück der Sache und erklärt, warum ein Witz über hundert Euro plus MwSt. mehr Gesprächsstoff lieferte als viele offizielle Berichte.

Die unbequeme Frage bleibt. Wenn das Plakat falsch war, warum haben so viele Leser gezögert, es auszuschließen? Die Antwort liegt nicht im Plakat. Sie liegt in den vorherigen hundert, die echt waren.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (128 Antworten).

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