Schuhe verraten die Klasse: Forum-Debatte

Diskussion, ob Schuhe die soziale Schicht offenbaren: Lacoste für 135 €, Air für 120 € und ein Vermieter mit 200 Wohnungen in bescheidener Kleidung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Schuhe verraten die Klasse: Forum-Debatte
Maßschuhe machen keinen Gentleman: Schuhwerk als Spiegel der Klasse

Verrät das Schuhwerk, welcher sozialen Schicht man angehört? Diese Theorie taucht regelmäßig auf und hat diesmal zu einer langen Diskussion geführt, deren Ergebnis nicht endgültig geklärt ist. Der Ausgangspunkt ist eine pauschale Behauptung: Schuhe verraten den Geldbeutellosen, und kein teures Kleidungsstück kann dies verbergen. Daraufhin spaltet sich die Debatte in drei Lager: jene, die Menschen nach ihrem Fußbekleidung beurteilen; jene, die betonen, dass Eleganz erlernt wird und nicht gekauft werden kann; und jene, die daran erinnern, dass Wohlhabende tragen, was sie wollen.

Die These vom verräterischen Schuh

Die Nachricht, die die Diskussion eröffnet, ist ein direkter Angriff: Sie beschreibt einen kahlköpfigen Mann mit schlechtem Schuhwerk als jemanden, der einen „Alpha-Mann“ mimt, und urteilt, dass „die Unterschicht sich immer an den Schuhen verrät“. Einige gehen sogar so weit, bestimmten Gruppen aufgrund ihrer Schuhe das Existenzrecht abzusprechen. Die häufigste Antwort lautet, dass diese Verachtung mehr über den Aussprechenden als über den Dargestellten sagt: Auch Snobs verraten sich durch ihre Vorurteile. Der Grundtenor ist, dass es oberflächlich bleibt, jemanden nach Kleidung oder Auto zu beurteilen – man schaut auf die Karosserie, nicht auf den Fahrer.

Lacoste für 135 € und Air für 120 €: Was kostet der verräterische Schuh?

Nützlich wird die Diskussion bei den Zahlen. Es werden Lacoste-Schuhe erwähnt, die im Sale für 68 € (50 % Rabatt) gekauft wurden, obwohl der Listenpreis bei etwa 135 € lag, mit der Beschwerde, dass die Sohle deformiert war und das Material aus Plastik bestand. Andere Nike-Air-Modelle werden mit 120 € angegeben. Dem gegenüber stehen Damenschuhe, die heute für 50 € erhältlich sind, während sie vor nicht allzu langer Zeit über 100 € kosteten. Die daraus gezogene Lehre für viele: Das Bezahlen des Markennamens garantiert weder Leder noch Haltbarkeit, sondern nur das Krokodil-Logo.

Der kultivierte Bezugspunkt ist der Maßschuh, handgefertigt nach dem Fuß, sowie das Kriterium, dass ein guter, gepflegter Schuh jahrelang hält und sich lohnt. Auch Befürworter eines vernünftigen Konsums melden sich zu Wort: Stiefel aus Valverde del Camino für den Alltag und Schuhe etablierter Marken, günstig im Sale gekauft.

Klasse kann man nicht kaufen

Das stärkste Gegenargument ist, dass Geld keine Distinktion verleiht. Eine gute Uhr oder ein Gürtel sind käuflich; Manieren nicht. Klasse zeigt sich in Dingen, die man nicht kaufen kann: wie sich jemand bewegt, wie er spricht, wie er andere behandelt. Manche erinnern daran, dass es wohlhabende Menschen mit schlechtem Geschmack gibt, die nie aufhören werden, wer sie sind, und Menschen ohne einen Euro, die würdevoller wirken als ein Neureicher. Kleidung sagt, wie viel man hat, nicht wer man ist.

Der Nachbar mit 200 Wohnungen in bescheidener Kleidung

Das Beispiel, das den Determinismus des Schuhwerks widerlegt, kommt schnell: eine Person, die bescheiden gekleidet ist, aber mehr als 200 Mietwohnungen besitzt. Wenn Schuhe die Klasse verraten würden, wäre dieser Mann arm. Ist er aber nicht. Der Fall passt zur Logik von jemandem, der jeden Euro reinvestiert und nichts für sich selbst kauft. Und er zwingt dazu, die These umzuformulieren: Was sich verrät, ist nicht der Reichtum, sondern die Besessenheit, ihn zu zeigen.

Vom Loch in der Sohle zum Trauma der Knappheit

Die unangenehmste Geschichte ist die von jemandem, dessen Partner in Armut geboren wurde, mit häuslicher Gewalt als Hintergrund. In diesem Haus sprach man über die Schuhe aller, und das Schlimmste war nicht, hungrig zu bleiben, sondern Löcher in der Sohle zu haben. Die daraus gezogene Schlussfolgerung: Die Fixierung auf Schuhe stammt nicht von denen, die Geld haben, sondern von denen, die Hunger erlebt haben. Wer nie Hunger hatte, muss nichts beweisen.

Was ist heute die Mittelschicht?

Im Verlauf der Diskussion verschiebt sich das Problem: Was bedeutet es, 2024 zur Mittelschicht zu gehören? Einige erinnern daran, dass es ein statistisches Konzept ist, aus dem sich Unter- und Oberschicht ableiten. Andere stellen fest, dass sich die Indikatoren mit der Zeit ändern: Es gab eine Ära, in der 10 Kühe und 3 Schweine den Gipfel darstellten, dann war es ein gutes Gehalt, und heute misst man es an einer abbezahlten Immobilie, ohne Kreditraten und einer Rente von 2.000 Euro als Single. Das Schuhwerk ist nur eines dieser Thermometer, die steigen und fallen.

Alle sind sich einig: Ein Schuh kostet Geld, und Geld kauft keine Bildung. Wo die Analyse feststeckt – und niemand nachgibt –, ist die Frage, ob Schuhwerk mehr kann als nur zum Gehen da zu sein.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (170 Antworten).

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