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Saudiarabien: The Line kostet 50 Milliarden Dollar, nur zwei Kilometer gebaut
Das Projekt The Line in Saudiarabien hat 50 Milliarden Dollar verschlungen, aber nur zwei der geplanten 170 Kilometer sind errichtet. Die Bauarbeiten ruhen und der Flughafen…
Vier Jahre nachdem Mohammed bin Salman die lineare Stadt vorstellte, die sich über 170 Kilometer Wüste erstrecken sollte, gibt es vor Ort kaum mehr als ein paar Kilometer Metallpfeiler und offene Gräben. Das Vorzeigeprojekt von Neom, das Juwel der Krone der Vision 2030, hat bereits 50 Milliarden Dollar verbraucht, und die Arbeiten sind eingestellt, obwohl keine offizielle Absage vorliegt. Die versprochene Stadt – 200 Meter breit, 500 Meter hoch, neun Millionen Einwohner, ein Fünf-Bahn-Flughafen und ein schwimmendes Stadion – ist zu einem Gedankenexperiment geworden, das niemand bauen konnte.
Was bleibt von The Line im Sand?
Die aktuelle Landschaft besteht aus einer Reihe von Metallstützen, die in den Boden gerammt wurden, und tiefen Gräben, die das Gelände durchschneiden. Nichts sonst. Laut Personen, die mit dem Projekt vertraut sind, konzentrieren sich die Bemühungen nun darauf, einige kleine Gebäude rund um den Yachthafen fertigzustellen. Der internationale Flughafen Neom mit fünf Startbahnen und einer Kapazität von 100 Millionen Passagieren pro Jahr ist auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Der in die Wüste gegrabene Hafen und die 30-stöckige Spinne-Lampe, die ihn krönen sollte, sind an die Gesetze der Physik gestoßen.
Die Größe dieser Laune hat nicht nur die Mittel vorzeitig erschöpft. Die Materialien für die ersten 20 Module hätten eine jährliche Zementversorgung erfordert, die über der Gesamtjahresproduktion Frankreichs liegt, so ein ehemaliger Mitarbeiter der Baustelle. Mit explodierenden Kosten wollen immer weniger ausländische Investoren Geld in ein Projekt stecken, das nur im Schneckentempo vorankommt.
Zwangsvertreibungen unter Androhung von Waffen und 50-jährige Haftstrafen
Die menschlichen Spuren des Projekts lassen sich schwerer vertuschen. Carlos de las Heras, Experte bei Amnesty International für Europa und Zentralasien, prangert Zwangsräumungen aus angestammten Dörfern an, die auf der Route der Linie lagen. „Einige wurden unter Waffendrohung aus ihren Häusern vertrieben, und Menschen wurden zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie sich weigerten, ihre Heimat zu verlassen“, berichtet er. Auch die Arbeitsbedingungen der Migrantenarbeiter unterstützen die Erzählung nicht: Schichten von bis zu 16 Stunden, manchmal ohne freie Tage und mit prekären Unterkünften.
Umweltaktivisten schlugen ebenfalls Alarm wegen des ursprünglichen Designs. Die 500 Meter hohe Wand, höher als das Empire State Building, würde die Wüstenlandschaft spiegeln und, wie sie warnten, den Tod von Millionen Zugvögeln verursachen, die jährlich zwischen Europa und Asien migrieren. Die autofreie, saubere Energie-Stadt hatte einen grundlegenden Fehler: Niemand hatte die ökologischen Kosten berechnet, einen vertikalen Spiegel mitten in der Wüste zu errichten.
Der nasse Traum der linearen Stadtplanung
Die Idee einer langgestreckten Stadt ist nicht neu. Arturo Soria entwarf 1885 seine Madrider Ciudad Lineal: Einfamilienhäuser mit Garten, Boulevards und öffentliche Verkehrsmittel, die Häuser und Industrie verbinden. Der Unterschied ist, dass Soria an nutzbare Kilometer dachte, während MBS an 170 Kilometer Schaufenster dachte. Das saudische Experiment ähnelt eher einem Streifen von 200 Metern Breite und 170 Länge: 34 Quadratkilometer absoluter Monotonie, wo nach verbreiteten Berechnungen jede Bewegung entlang der Linie eine Verurteilung wäre.
Manche behaupten, das Projekt sei nie ein echter Stadtplan gewesen, sondern ein Werkzeug von Mohammed bin Salman, um die alte saudische Garde zu marginalisieren und seine Kontrolle über das Königreich zu festigen. Aus dieser Perspektive ist das Scheitern beim Bauen nebensächlich: Das Ziel war Macht, nicht die Stadt. Die Frage bleibt, ob der Kronprinz 50 Milliarden für das Bühnenbild ausgeben musste.
Der Guggenheim-Effekt und andere Betonfantasien
Der saudische Fall erinnert an eine Liste von pharaonischen Projekten, die schlecht gealtert sind. In Spanien ermutigte der Guggenheim-Effekt in Bilbao andere Städte, ihr eigenes ikonisches Gebäude zu suchen: Die Setas in Sevilla funktionierten, aber die Cidade da Cultura in Galicien, die Ciutat de la Llum in Valencia oder das Fórum in Barcelona bleiben Erinnerungen daran, dass ein Icon allein eine Stadt nicht repariert. Der Unterschied ist, dass dort das Geld aus öffentlichen Kassen kam und hier von einem Scheich, der es eilig hatte, Geschichte zu schreiben.
Die offene Frage ist nicht, ob The Line gescheitert ist, sondern wie lange die Wüste brauchen wird, um die bereits gerammten Pfeiler zu verschlingen. Wird sich jemand an den Kronprinzen erinnern, wenn Sand die Fundamente bedeckt?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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