Sánchez will europäisches Sparen mobilisieren

Sánchez plant, das jährliche Sparvolumen von 300 Milliarden Euro in Europa zu halten. Die Debatte konzentriert sich auf die Kontrolle der Investitionen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Sánchez will europäisches Sparen mobilisieren
Sánchez zielt auf ungenutztes Bankgeld ab

Niemand hat einen Bankfeiertag angekündigt. Aber der Satz, mit dem die politische Saison eröffnet wurde — „Wir können nicht länger ein Kontinent der Konsumenten und Sparer sein“ — richtet sich direkt an das Konto, auf dem Sie Ihr Nicht-Ausgaben-Geld aufbewahren. Der spanische Premierminister Pedro Sánchez betonte, dass die 300 Milliarden Euro europäischen Sparens, die jährlich ins Ausland fließen, vor allem in die USA, in Europa bleiben sollten, um Industrie, Beschäftigung, ökologischen Wandel und digitale Transformation zu finanzieren. Die Idee stimmt mit dem überein, was der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire seit Langem vertritt: Er befürwortet eine Lenkung der Ersparnisse hin zu Investitionen, statt sie inaktiv auf Bankkonten liegen zu lassen.

Woher kommen die 300 Milliarden Euro, die Europa in die USA schickt?

Die Zahl stammt von Sánchez: 300 Milliarden Euro jährlich an europäischem Sparen mit Ziel im Ausland, wobei die USA als Hauptempfänger fungieren und dort wirtschaftliches und unternehmerisches Wachstum finanzieren, statt hier. Le Maire formulierte es anders: Es gebe „Dutzende von Milliarden Euro inaktives Geld“ auf den Konten der Europäer, das seiner Meinung nach den Klimawandel, die Landesverteidigung und künstliche Intelligenz finanzieren sollte. Die strategischen Sektoren, die beide nennen, stimmen verdächtig überein: KI, erneuerbare Energien, Verteidigung. Die Verwendung des Geldes würde so durch politische Prioritäten bestimmt, nicht durch die erwartete Rendite für den Verleiher. Manche argumentieren, dass die Zahl eher wie ein Slogan denn wie eine Diagnose wirkt und dass das eigentliche Problem die Unfähigkeit ist, Investitionsprojekte zu generieren.

Was ist der digitale Euro und warum wird ihm das Etikett der Kontrolle angehängt?

Die Debatte sprang vom Sparen zum digitalen Euro und zu digitalen Zentralbankwährungen. Die am stärksten kursierende These besagt, dass programmierbares Geld es ermöglicht, von der Zentralbank aus zu entscheiden, wohin jeder Saldo fließt: was ausgegeben werden kann, wann und wofür. In den Materialien gibt es keine verabschiedete Norm, die dies bestätigt, noch Inkrafttretensdaten; vorhanden ist nur die Warnung, dass diese Architektur, kombiniert mit der Rhetorik der Mobilisierung von Ersparnissen, die Tür öffnet, um das Vermögen der Mittelschicht zu lenken. Europa sei unfähig, eine starke KI-Industrie zu strukturieren, selbst wenn Geld hineingepumpt werde, so das Argument. Daher das Misstrauen: Wenn das Projekt nicht konkurrenzfähig ist, ist die einzige Möglichkeit, es zu finanzieren, dass es freiwillig wird.

Sánchez kündigt Steuererhöhung für jene an, die „für hundert Leben haben“

Beim selben Anlass kündigte der Premier an, dass steuerlich gegen „jene vorgegangen wird, die bereits genug Geld auf der Bank haben, um 100 Leben zu leben“, mit dem Argument, Privilegien einzudämmen und die Arbeiterklasse zu schützen, und fasste sein Programm in einem Satz zusammen: „Mehr öffentlicher Nahverkehr und weniger Lamborghinis“. Die Zusammenfassung der Steuerzahler, die ihre Kontoauszüge betrachten, sieht anders aus. Die Sparsteuer unterscheidet nicht zwischen dem, der Vermögen ansammelt, und dem, der zwei Jahre Hypothekenzinsen auf der hohen Kante hat. Und das zeitliche Detail fällt auf: Die Botschaft kommt genau dann, wenn die Kampagne zur Einkommensteuererklärung gerade abgeschlossen ist, mit den gemeldeten Zahlen bereits in den Händen der Finanzverwaltung (Hacienda).

Geld ist scheu: Kapitalflucht und die Industrie, die nicht anläuft

Alles andere ist sekundär gegenüber einer unbequemen Tatsache: Kapital bewegt sich nur dorthin, wo man dafür bezahlt. Wenn es aus Spanien und Europa flieht, sagen mehrere Stimmen, wird es einen Grund haben. Das dominante Argument ist nicht ideologisch, sondern mechanisch: Unternehmen zu zwingen, in Firmen zu investieren, die durch Regulierung, Rechtsunsicherheit, Steuerdruck und Sanktionen belastet sind, hat ein offensichtliches Problem, nämlich dass diese Unternehmen dazu verdammt sind, jahrelang Geld zu verlieren. Die am häufigsten wiederholte Antwort akzeptiert die Prämisse und dreht sie um: Ich investiere gerne, wenn mir Rendite geboten wird, aber im Austausch für Rendite, nicht dafür, dass man es mir wegnimmt. Die Debatte darüber, was mit dem Sparen geschehen soll, wird so zu einer Debatte darüber, wer den Verlust trägt, wenn das Projekt scheitert.

Von Mefo-Anleihen zur Zweitimmobilie: Gefesseltes Sparen als Präzedenzfall

In der Diskussion tauchen zwei Analogien auf, die man nicht aus den Augen verlieren sollte. Die erste ist historisch: Die Mefo-Wechsel, mit denen das Nachkriegsdeutschland seine Aufrüstung außerhalb des sichtbaren Haushalts finanzierte. Die zweite ist häuslich und viel näher liegend: Wer eine Zweitimmobilie „zur Verfügung der Eigentümer“ hat, sieht sie bereits als fiktive Einnahme in der Einkommensteuer bewertet, besteuert zum Grenzsteuersatz, und mit einer überprüfbaren Gebühr, wenn es der Verwaltung gefällt. Diese Steuer gab es vor einigen Jahrzehnten nicht. Viele andere auch nicht. Das ist der mentale Rahmen, innerhalb dessen jede Vorschlag zur Mobilisierung fremden Sparens gelesen wird: Erst wird berechnet, dann besteuert.

Das verwirrende Faktum: Von 1,5 auf 3,5 Millionen Beamte

Während diskutiert wird, was mit dem Geld der Bürger geschehen soll, fasst ein Vergleich die andere Hälfte des Problems zusammen: Spanien ging von 35 Millionen Einwohnern und 1,5 Millionen Beamten im Jahr 1985 auf 45 Millionen Einwohner und 3,5 Millionen im Jahr 2024. Die Bevölkerung wuchs um ein Drittel; der öffentliche Apparat mehr als verdoppelte sich. Die digitale Transformation, ironisieren einige, bestand vor allem darin, dass immer mehr Menschen ohne Umweg über den Markt eine Stelle im öffentlichen Dienst bekamen. Vor diesem Hintergrund klingt die Forderung, privates Sparen solle finanzieren, was der öffentliche Sektor nicht rentabel bewirtschaften konnte, weniger nach Strategie und mehr nach Rechnung.

Nichts deutet darauf hin, dass der Vorschlag in eine sofortige Norm münden wird, und die Präzedenzfälle der erzwungenen Mobilisierung von Ersparnissen in Europa sind selten und schlecht erinnert. Die vernünftige Wette ist, dass die Rede über den Weg der Steuern zurückkehrt, bevor sie den des digitalen Euro nimmt. Aber man sollte eines beobachten: Wenn jemand entscheidet, wo Ihr Geld sein muss, hat er zuvor entschieden, wie viel davon Ihnen gehört.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (402 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver