Sánchez und Tusk streiten über Migration, Costa vermittelt

Sánchez plädierte für die Regularisierung von Hunderttausenden ohne Papiere; Tusk nannte das einen "falschen Ansatz", und Costa musste zwischen beiden vermitteln.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Sánchez und Tusk streiten über Migration, Costa vermittelt
Sánchez und Tusk geraten beim Europäischen Rat aneinander

Das jüngste Treffen des Europäischen Rates endete damit, dass der Ratspräsident, der Portugiese António Costa, als Schiedsrichter fungierte. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk und Pedro Sánchez gerieten über die Migrationsfrage so sehr aneinander, dass Tusk laut polnischen Medien den Saal verließ und Costa ihn bitten musste zurückzukommen, weil ohne ihn die Arbeiten nicht weitergehen konnten. Mehrere Diplomaten beschrieben den Ton als "eine wirklich unhöfliche Sprache" – die klassische Umschreibung dafür, dass zwischen zwei europäischen Staatsführern Beschimpfungen fielen. Das war keine protokollarische Störung: Es war der Zusammenprall zweier unvereinbarer Migrationsmodelle, und er geschah ausgerechnet in der Institution, die es eigentlich zur Herstellung von Konsens gibt.

Was jede Seite vertritt: Regularisierung gegen dichtgemachte Grenzen

Sánchez brachte die Regularisierung von Hunderttausenden Migranten ohne Papiere auf den Tisch. Sein Argument: Die Normalisierung ihres Status erleichtert die Integration, schützt die Rechte der Arbeitnehmer und erlaubt eine bessere Kontrolle der Lage.

Tusk erwiderte, dies sei ein "falscher Ansatz". Seiner Ansicht nach gefährden die von Madrid aus vorangetriebenen Lösungen die Sicherheit ganz Europas, weil sie illegale Grenzübertritte begünstigen – mit Folgen, die am Ende andere Mitgliedstaaten bezahlen. Sein Rezept ist das gegenteilige: konsequenter Schutz der Außengrenzen, Kampf gegen die illegale Migration, Abschiebung von Ausländern, die gegen das Gesetz verstoßen, und Spielraum für eine restriktive Asylpolitik. Zwei Diagnosen, zwei Medizinen, ein und derselbe Rat.

Welche Länder in der EU eine härtere Migrationspolitik fordern

Polen gesellte sich zu Dänemark und Italien als eines der drei Triebkräfte der Gruppe, die mit harter Hand auftreten will. Die drei schlugen vor, dass das Schlussdokument eine deutlich härtere Reaktion auf die illegale Einwanderung aufnimmt. Die Mehrheit der Staats- und Regierungschefs unterstützte die Initiative, stieß aber auf den Widerstand des spanischen Ministerpräsidenten, dem sich Emmanuel Macron und der Luxemburger Luc Frieden anschlossen. Die Formulierung fand keinen Eingang in den Schlusstext, und die Diskussion verlängerte das Treffen in ungewöhnlichem Maße.

Das ist das unbequeme Detail für alle, die den Gipfel als glatten Sieg verkaufen wollen: Die Mehrheit, die den harten Text unterstützte, schlug sich nicht im Wortlaut nieder. Eine Gruppe von drei Regierungen schob die Initiative an, eine andere Gruppe von drei schaffte es, die Formulierung zu entschärfen. Den Ausschlag gab der Formulierungskompromiss – jenes Terrain, auf dem europäische Gipfel ihre Machtkämpfe austragen.

Warum Warschau den Streit durchstechen ließ

Die Details des Treffens erreichten die Presse nicht aus Versehen: Tusk stach sie durch, um zu zeigen, dass Warschau in der Migrationsfrage nicht isoliert ist und dass die Forderungen nach einer härteren Politik in den europäischen Regierungen auf Rückhalt stoßen. Der polnische Innenstaatssekretär Maciej Duszczyk sagte es ohne Umschweife: "Praktisch alle Mitgliedstaaten teilen die Ausrichtung, die diese drei Länder vorschlagen. Wir müssen noch unsere Freunde aus Spanien und Frankreich überzeugen. Es wird in naher Zukunft viele Gelegenheiten dazu geben".

Das ist der andere Schlüssel. Eine Indiskretion ist ein Verhandlungsinstrument, kein Akt der Transparenz: Sie dient dazu, die Tagesordnung vor dem nächsten Termin festzulegen und den Gegner verhandeln zu lassen im Wissen, dass ihm mehr Leute gegenüberstehen, als es den Anschein hat. Das Kräftemessen endete nicht im Saal. Es verlagerte sich in die Schlagzeilen.

Ceuta, der Satz, den Tusk nicht zurückgezogen hat

Der Konflikt kommt nicht aus dem Nichts. Während der Ceuta-Krise hatte Tusk bereits gewarnt: "Spanien muss unsere Migrationspolitik anwenden, wenn wir wollen, dass Schengen überlebt." Der Satz ist bis heute das Rückgrat des harten Arguments: Die Freizügigkeit ruht auf der Kontrolle der Außengrenzen, und versagt sie an einem Punkt, verseucht sie das Ganze. Vor diesem Hintergrund wird die spanische Regularisierung nicht als interne Angelegenheit gelesen, sondern als Externalität für die Partner.

Am äußersten Ende dieser Logik gibt es Stimmen, die offen fordern, Spanien aus dem Schengenraum auszuschließen und jedes Land solle sein eigenes Haus sichern. Das ist die Maximalversion einer Strömung, die vorerst im Feld der Rhetorik bleibt: Es gibt keinen Beleg dafür, dass irgendeine Regierung eine formelle Initiative in diese Richtung vorgelegt hätte.

Der "äußerst harte Streit", der manchmal nur ein langes Gesicht ist

Es lohnt sich, das Vokabular zu entschlacken. Manche halten dafür, dass ein Großteil des Journalismus jeden Streit, der über verärgerte Mienen hinausgeht, als "äußerst hart" bezeichnet – und dazu zählt auch ein völlig regelkonformer Positionsunterschied. Diesmal gab es etwas mehr – ein Verlassen des Saals und eine Vermittlung durch den Präsidenten –, aber die Messlatte für einen europäischen Streit bleibt niedrig.

Unter dem Lärm liegt ein interessanteres Phänomen: Die ideologische Landkarte Europas deckt sich nicht mit der spanischen. Manche argumentieren, europäische Mitte-links-Parteien würden von den spanischen Linken kurzerhand als rechtsensrecht etikettiert, während Kräfte, die hier als radikal gelten, in anderen Ländern als gemäßigte Mitte durchgingen. Tusk gehört der politischen Familie der Partido Popular (Spaniens konservativer Partei) an, und zugleich ordnen manche ihn der polnischen Mitte-links-Szene zu. Wenn dieser Mann der Harde des Rates ist, verschiebt sich die Skala von selbst.

Mit diesen Zutaten ist die Sache nicht abgeschlossen. Die Schlussfolgerungen blieben ohne die harte Linie, aber die Unterstützerbilanz wurde nicht veröffentlicht: Sie existiert auf einem durchgestochenen Papier und in der Zusage von "vielen Gelegenheiten" bei künftigen Terminen. Wer behauptet zu wissen, wie viele Regierungen den harten Text unterstützten und wie viele nur pflichtschuldig nicken, rät.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (106 Antworten).

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