Russische Propaganda: Historische Chance gegen Europa

Kreml-Propaganda sieht eine historische Chance, den europäischen Einfluss zu beenden. Kritiker argumentieren, die EU zerstöre sich selbst.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Russische Propaganda: Historische Chance gegen Europa
Moskau sieht die "historische Chance", Europa auszulöschen

Wie in einem verbreiteten Fragment dargestellt, formulierte die russische Propaganda es unmissverständlich: Es bestehe «eine historische Chance», die «europäische Frage» zu beenden, damit Europa «nie wieder solchen Einfluss, solche Macht und solche Einheit haben wird». Die Aussage, die von einem ukrainischen Konto zur Nachverfolgung der Kreml-Propaganda verbreitet wurde, fiel auf einen Boden, auf dem die Frage nicht mehr lautet, ob Moskau die EU schwächen will, sondern ob es sich überhaupt anstrengen muss. Die am häufigsten wiederholte und unbequemste Antwort lautet: Nein. Die Arbeit ist bereits erledigt.

Ein Feind, der zu spät zu seinem eigenen Krieg kommt

Die Übereinstimmung ist auffällig. Ein breiter Teil der Analyse vertritt die Ansicht, dass die Europäische Union keine externen Gegner braucht, da sie sich selbst entkräftet. Argumentiert wird, dass der Verschleiß von den identitätspolitischen und migrationspolitischen Maßnahmen ausgeht, die Brüssel selbst vorantreibt, vom Gewicht einer Bürokratie mit anderen Interessen als denen der vertretenen Länder oder einfach vom Lauf der Zeit. Die kursierende Formel ist eindeutig: Was bereits tot ist, kann nicht sterben.

Demgegenüber warnen andere Strömungen davor, dass diese Diagnose als perfekte Ausrede dient. Wenn alles von allein zusammenbricht, werden jegliche Kürzungen, Krisen und Niederlagen als unvermeidlich abgetan. Dabei verwässert das russische Interesse in einer vermeintlichen Naturgesetzlichkeit, die alle Beteiligten exkulpiert.

Die symmetrische Lesart hat ebenfalls Konjunktur: Die NATO habe in der Ukraine ihre eigene historische Chance gefunden, Russland auszubluten, so sehen es jene, die den Konflikt als ein Spiel auf zwei Brettern betrachten. Gelangt Moskau von der anderen Seite zum gegenteiligen Schluss, entsteht ein Aufeinandertreffen sich selbst erfüllender Prophezeiungen. Niemand gewinnt diesen Wettstreit, aber alle feiern ihn im Voraus.

Industrielle Umstrukturierung und Agrarquoten: Der Preis des Beitritts

Die wirtschaftlichen Kosten der Integration sind ein weiteres offenes Feld. Es wird daran erinnert, dass die Industrie des INI (spanischer Staatsindustrieholding) in den Siebzigern strukturelle Defizite aufwies, die durch regelmäßige staatliche Zuschüsse gedeckt wurden, mit veralteten Maschinen und Anlagen, die in einem Markt ohne Zölle oder Subventionen wenig wettbewerbsfähig waren. Die daraus gezogene Schlussfolgerung lautet, dass die Umstrukturierung nicht Effizienz anstrebte, sondern Unternehmen zerschlug und verkaufte. Die Gegenargumentation besagt, dass öffentliche Förderung nie spanisches Eigentum war. Deutschland subventioniert reichlich.

Die Landwirtschaft fällt in dieselbe Kategorie. Es ist die Rede von Agrarquoten und dem Verschwinden tausender Betriebe, die vor dem Beitritt zum gemeinsamen Markt rentabel waren. Dies ist das schwerste Argument zu widerlegen, da es nicht ideologisch abhängt: Ein Betrieb, der schließt, schließt. Zu diskutieren, ob dies eine direkte Anweisung aus Brüssel oder eine Nebenwirkung des gemeinsamen Rahmens war, bedeutet in der Praxis, Nuancen mit einer Familie zu debattieren, die ihren Hof bereits verloren hat.

Der Fall Deutschland: 1,6 Milliarden und «kein Erfolg»

Das angeführte Beispiel stammt aus Deutschland und verweist auf die deutsche Presse. Jedes Jahr fließen Milliarden Euro in die Subventionierung von Firmenwagen mit Verbrennungsmotoren, ein Fluss, der den Übergang zur Elektromobilität bremst statt beschleunigt. Die in der Diskussion genannte Zahl liegt bei 1,6 Milliarden Euro und, wie der Zitierende behauptet, «haben sie nichts erreicht».

Daraus lässt sich eine Lesart ableiten, die das gesamte Thema durchzieht: Die europäische Industriepolitik scheitert nicht an Geldmangel. Sie scheitert am Design. Und wenn das Land, das die kontinentale Agenda bestimmt, sich solche Ausgaben leistet, fehlt dem Argument, Brüssel schütze die Bürger vor nationalen Exzessen, jede Grundlage.

Das Modell, das Europa hatte und begrub

Mitten im Zerfall taucht eine konkrete, nicht generische Nostalgie auf: der Staatskapitalismus des gaullistischen Frankreichs und des christdemokratischen Italiens. Ein Modell der gemischten Wirtschaft, technokratisch, mit eigener Verteidigung und ohne Washington um Erlaubnis zu fragen. Dank dieses Modells, so diese Strömung, erlebte Europa ein goldenes Zeitalter. De Gaulle warnte, dass die Amerikaner ihre eigene Karte spielen würden, und die Warnung wurde in einer Schublade abgelegt.

Manche heben sogar einen selten zitierten, unbelegten Vorfall hervor: einen angeblichen Pakt zur Ausstattung Spaniens mit nuklearer Kapazität, wobei Vandellós 1 (Kernkraftwerk) als Schlüsselstück diente und der spätere Rückbau ohne Beweise externem Druck zugeschrieben wird. Die schwebende Frage ist simpel und bleibt unbeantwortet: Warum wurde jenes Modell aufgegeben?

Wo die Analyse feststeckt

Hier liegt die Sackgasse. Wer behauptet, die EU zerlege sich selbst, erklärt nicht, warum Moskau Ressourcen dafür aufwendet, dies im Fernsehen zu verkünden. Und wer in dieser Propaganda eine reale Bedrohung sieht, erklärt auch nicht, wie man ein Projekt wiederaufbaut, das seine eigenen Partner als Apparat mit fremden Interessen beschreiben. Entweder ist der Feind von außen, oder der Feind sitzt in Brüssel. Keine der beiden Versionen hat bisher jemanden von seiner Position bewegt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (334 Antworten).

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