Ramoncín ist nicht mehr der König des Brathähnchens: Er ist die Königin
Ein Foto, das durch digitale Klatschspalten kursiert, hat einen Sturm der Kommentare ausgelöst: Ramoncín, der Mann, der einst auf einer Bühne Marica de terciopelo sang, erscheint nun mit einem Aussehen, das viele als das einer älteren Dame identifizieren. Die Diskussion ist nicht neu, aber sie ist mit Wucht zurückgekehrt. Und zwar nicht wegen der Musik.
Der Auslöser ist ein aktuelles Bild des Madrider Künstlers, auf dem er stark gealtert, mit weißem Haar und ohne Bart zu sehen ist. Von dort aus hat sich die Analyse in Bereiche verlagert, die Endokrinologie vom Stammtisch, historische Erinnerungen an die SGAE und eine Abrechnung mit einer ganzen Generation von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens vermischen.
Die Frage in der Luft ist nicht, ob Ramoncín gealtert ist, sondern warum er so gealtert ist. Die wiederholte Antwort hängt mit Testosteron zusammen, dem Hormon, das laut Foren-Experten den Unterschied zwischen einem reifen Mann und einer sonntäglichen Dame ausmacht.
Der König des Brathähnchens wird zur alten Henne
Der Ausdruck „König des Brathähnchens“ verfolgt Ramoncín seit Jahren. Er selbst hat gestanden, dass er es nicht erträgt, so genannt zu werden, und bezeichnete jene, die es tun, als „Idioten“. Dies hat den Scherz eher genährt als zum Schweigen gebracht. Mit dem neuen Bild hat sich der Spitzname gewandelt: vom König zur Königin, vom Hähnchen zur Henne.
Der Sprung ist kein Zufall. Im kollektiven Bewusstsein ist Brathähnchen ein fettiges, populäres und wenig elegantes Gericht. Es mit einem Künstler zu assoziieren, der politischen Einsatz und antifranquistischen Kampf betont, hat seinen Reiz. Aber wenn der Körper nachlässt, wird der Scherz grausamer. Der Vergleich mit einer älteren Dame ist keine medizinische Diagnose, sondern ein ästhetisches Urteil mit politischer Ladung.
Manche behaupten, Ramoncín sei immer mehr Talkshow als Bühne gewesen. Seine musikalische Produktion reduziere sich, so die schärfsten Kritiker, auf „eineinhalb genießbare Songs“. Hier liegt der Kern des Grolls: Ein Typ, der von Geschichten lebt, Urheberrechte für eine für illegal erklärte Abgabe kassiert und nun bei Festreden sozialistischer Rathäuser auftritt. Das Bild ist das Tüpfelchen auf dem i.
Die Hormon-Theorie, die durch Foren geistert
Das am häufigsten wiederholte Argument hat eine pseudowissenschaftliche Basis, die entkräftet werden sollte. Es heißt, Männer ohne Bart und mit niedrigem Testosteronspiegel entwickeln im Alter weibliche Züge. Östrogene setzen sich durch. Die männliche Menopause existiere und Ramoncín sei ihr sichtbares Gesicht.
Die Realität ist komplexer. Der Rückgang des Testosterons bei älteren Männern ist dokumentiert, macht aber niemanden zu einer Frau. Gesichtszüge verändern sich mit dem Alter, die Haut verliert Elastizität, Haare werden dünner. Das passiert allen. Bei Ramoncín dienten die fehlende Bartpracht und seine zierliche Statur jedoch dazu, eine Erzählung zu konstruieren, die über das Physische hinausgeht.
Der Vergleich mit Paul McCartney, der mit 83 Jahren jugendlicher wirkt, ist unvermeidlich. Aber McCartney ist ein echter Musiker mit einem Katalog, der jede Ehrung rechtfertigt. Ramoncín hingegen trägt die Last, mehr durch seine TV-Auftritte und sein Management bei der SGAE als durch seine Songs in Erinnerung zu bleiben.
Die Abgabe, die SGAE und der angestaute Groll
Hier liegt der Schlüssel. Ramoncín ist nicht nur ein schlecht gealterter Sänger. Er ist ein Symbol einer Epoche: die des digitalen Copyrights, der Verwertungsgesellschaften, der Künstler, die zu Einziehern wurden. Die Steuer auf leere CDs, für illegal erklärt, wurde nie an die Bürger zurückgezahlt. Das vergisst man nicht.
Der Groll gegenüber Ramoncín hat wenig mit seiner Musik und viel mit seiner öffentlichen Rolle zu tun. Er war das sichtbare Gesicht einer SGAE, die Gastronomen fürs Radiohören abkassierte, Internetnutzer verfolgte und sich mit öffentlichen Geldern finanzierte. Wenn jemand wie er altert und physische Attraktivität verliert, wird Spott zur Abrechnung.
Die Ironie besteht darin, dass Ramoncín sich stets als links, antifranquistisch und volksnah präsentierte. Nun stellt ihm dieses Volk die Rechnung. Die Rache der Steuerzahler, könnte man sagen. Man muss nur die Kommentare lesen: Er wird beschuldigt, von Geschichten zu leben, ein Opportunist zu sein und im Schatten der Macht profitiert zu haben. Das alles ist im Grunde schwerwiegender als ein fehlender Bart.
Was passiert, wenn eine öffentliche Figur ohne Würde altert?
Die Frage geht über Ramoncín hinaus. In Spanien werden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die Ämter in kulturellen oder politischen Institutionen innehatten, im Alter scharf ins Visier genommen. Man verlangt ihnen eine Würde ab, die sie oft nicht hatten. Und wenn sie versagen, straft man sie mit Spott.
Da steckt etwas Ungerechtes drin. Niemand wählt, wie sein Körper altert. Aber es gibt auch etwas Unvermeidliches: Wer vom öffentlichen Bild lebt, muss akzeptieren, dass das öffentliche Bild zuerst verfällt. Ramoncín hätte sich für einen diskreten Ruhestand entscheiden können. Stattdessen nimmt er weiterhin Festreden an, tritt im Fernsehen auf und kassiert weiter. Für viele ist das eine Provokation.
Vergleiche mit anderen Figuren sind unvermeidlich. Man erwähnt Bowie, McCartney, sogar Mercedes Milá. Alle sind unterschiedlich gealtert, doch keiner hat so einen viszerellen Widerwillen hervorgerufen. Der Unterschied liegt nicht in den Falten, sondern in dem, was jeder repräsentiert. Bowie ist die Marke von Hacendado, hieß es in einem Kommentar. Der Satz fasst das allgemeine Empfinden zusammen: Ramoncín ist die Billigversion von etwas, das einmal großartig hätte sein können.
Ramonicíns Zukunft: Festreden oder Ruhestand?
Zum Zeitpunkt dieser Diskussion ist Ramoncín noch aktiv. Es gibt keine Anzeichen für einen Ruhestand. Seine Auftritte beschränken sich auf Festreden bei lokalen Feiern, TV-Kollaborationen und die Verwaltung seiner Rechte. Das Publikum, das ihm einst Platten kaufte, widmet ihm nun Memes. Das ist der Preis für verlängerten Ruhm.
Die Frage ist, ob diese Art der Inspektion gesund ist. Einerseits ist Kritik an öffentlichen Figuren legitim. Andererseits grenzt der Spott über den Körper eines 70-Jährigen an Altersdiskriminierung. Die Grenze ist fließend. Klar ist, dass Ramoncín seine eigene Falle gebaut hat: Je mehr er sich zeigt, desto mehr wird er beurteilt.
Mit diesen Zutaten ist zu erwarten, dass der Scherz weitergeht. Der Spitzname „Charo“ oder „Charoncín“ ist gekommen, um zu bleiben. Solange er bei der SGAE kassiert und bei öffentlichen Veranstaltungen auftritt, hat der Spott Treibstoff. Das ist nicht fair, aber so ist es. Die Würde hätte er sich vorher verdienen müssen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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