Die Partido Popular (PP) bereitet sich auf eine Regierungsübernahme unter Alberto Núñez Feijóo vor und diskutiert bereits mögliche Kabinettsbesetzungen, insbesondere für den Posten des stellvertretenden Ministerpräsidenten für Wirtschaft.
In der Parteizentrale in Madrid und im Kongress wiederholt sich ein Szenario: Funktionäre notieren Namen für verschiedene Ministerien. Dies ist kein bloßes Gedankenspiel. Quellen aus dem Umfeld der PP bestätigen, dass die Partei seit Langem Neuwahlen herbeisehnt und diesmal einen erneuten Misserfolg wie im Juli 2023 ausschließt. Mit dieser Zuversicht haben die Parteiführung nicht mehr über den Wahltermin spekuliert, sondern darüber, wer welche Ressorts besetzen wird, wenn **Alberto Núñez Feijóo** ins Moncloa-Palast einzieht.
Viele enge Vertraute des Parteichefs gehen davon aus, dass die Lage für **Pedro Sánchez** schlecht steht – unabhängig davon, ob er Wahlen am **29. November** ansetzt oder diese auf den Frühling oder nach dem Sommer verschiebt. Sie sind überzeugt, dass bevorstehende juristische Schritte gegen ihn, seine Familie und sein Team seinen Ruf weiter beschädigen werden. Zudem glauben sie, dass eine Verlängerung der politischen Krise der PP nutzen würde und Vox schwächen könnte, was die Chancen auf eine hypothetische Koalitionsregierung beeinflusst.
Feijóo gibt sich öffentlich bereit und fast ungeduldig auf Wahlen zu drängen, mahnt intern jedoch zur Vorsicht. Als viermaliger Präsident der autonomen Region Galicien hat er nie großen Enthusiasmus für die Rolle eines einzigen Stellvertreters gezeigt, der oft als Thronfolger gilt. **Alfonso Rueda** hatte diese Position zehn Jahre inne, bis Feijóo die Verantwortung aufteilte. Kenner seines Führungsstils erwarten daher keine klare Nachfolgeregelung mit einem designierten „Delfin“.
## Wirtschaftsvizepräsidentschaft: Zwei Favoriten im Gespräch
Für den Bereich Wirtschaft nennen informierte Kreise mehrere Namen. Die Diskussion um den Posten des stellvertretenden Ministerpräsidenten für Wirtschaft dreht sich vor allem um **Pablo Hernández de Cos**, ehemaliger Gouverneur der Banco de España und derzeitiger Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, sowie **Francisco Conde**, Ökonom, Abgeordneter und ehemaliger Wirtschaftsminister in Galicien. Hernández de Cos rückt zudem in den Fokus, da er als Kandidat für die Nachfolge von **Christine Lagarde** an der Spitze der Europäischen Zentralbank gehandelt wird. Diese Ablösung war ursprünglich für Oktober 2027 geplant, wurde aber vorgezogen. Die Regierung Sánchez unterstützt seine Kandidatur.
Von Francisco Conde, Professor und Abgeordnetem für Lugo, hält Feijóo seit Jahren viel. Er war sein Wirtschaftsminister in Galicien und gehört zu seinen engsten Vertrauten. Diese Formulierung fällt häufig bei anderen Profilen, denn der Parteichef möchte, falls er regiert, Menschen um sich haben, denen er vertraut und deren Werdegang er kennt.
Für das Finanzministerium wird **Juan Bravo** genannt, derzeit stellvertretender Generalsekretär für Finanzen und Wohnraum der PP. Er stammt nicht aus Feijóos innerstem Kreis, könnte aber als Minister die öffentlichen Haushalte übernehmen. Auch **Alberto Nadal**, ein staatlicher Ökonom, der in dieser Phase zum Team Feijóos stieß, wird als möglicher Kandidat für ein Wirtschaftsressort gehandelt, möglicherweise auch für Industrie oder Handel.
Innerhalb der PP herrscht Skepsis gegenüber den positiven makroökonomischen Prognosen internationaler Institutionen für Spanien. Diese Zurückhaltung erklärt teilweise, warum Feijóo technische Experten mit Erfahrung in Finanzinstitutionen eher bevorzugt als rein politische Figuren für die Leitung der Wirtschaftspolitik.
## Justiz, Verteidigung und das Problem der Inneren Sicherheit
Im Umfeld Feijóos erinnert man sich an den möglichen Einfluss von **José Luis Costa Pillado** auf die Ernennung des Justizministers. Er ist derzeit Mitglied des Generalrats der Judikative (Consejo General del Poder Judicial), dank der Unterstützung des Parteichefs, und war zuvor Mitglied des Beratungsausschusses von Galicien. Costa Pillado, **72 Jahre** alt, ist das einzige Ratsmitglied, dem ein offizielles Büro in seiner Heimatregion zugewiesen wurde, was andere Mitglieder nicht haben. Sein Verhältnis zum konservativen Flügel der Vereinigung der Richter (Asociación Profesional de la Magistratura) ist angespannt.
Die ehemalige Generalsekretärin der Partei, **Cuca Gamarra**, heute stellvertretende Generalsekretärin für institutionelle Erneuerung, wird sowohl für das Verteidigungsministerium als auch für das Amt des Kongresspräsidenten gehandelt. Für das Innenministerium, ein besonders sensibles Ressort mit noch ungelöster Krise in Ceuta, wagen Quellen keine konkreten Namensnennungen. Im Hintergrund lastet die schlechte Erfahrung mit **Jorge Fernández Díaz**, der als früherer Innenminister wegen des sogenannten Kitchen-Falls angeklagt ist und auf ein Urteil wartet.
Parteifunktionäre geben ihre Schwächen in den Bereichen Innere Sicherheit und Außenpolitik zu. Beim Innenministerium liegt die Schwierigkeit nicht nur darin, eine Vertrauensperson zu finden, sondern auch darin, dass das Ressort eine schwere Last aus Polizei- und Grenzverwaltung mit sich bringt, die kein Team ohne Garantien übernehmen möchte.
## Außenpolitik: Der unbestrittene Engpass
Eine der offensichtlichsten Schwächen, die innerhalb der PP weithin anerkannt wird, liegt im Bereich Außenpolitik. In früheren Zeiten war dies für Parteivorsitzende weniger problematisch, da die Richtlinien stark von der EU und internationalen Institutionen vorgegeben wurden. Heute und in Zukunft wird dieses Feld jedoch immer wichtiger, in einem europäischen Kontext mit erstarkender rechter Politik und unter **Donald Trumps** Angriff auf multilaterale Organisationen.
Feijóo gilt nicht als Experte für internationale Politik, ein Bereich, den er nie dominierte und in dem er sich weder in der Parteizentrale noch im Europäischen Parlament mit hochkarätigen Fachleuten umgeben hat, so Quellen aus allen Strömungen der PP. Der aktuelle stellvertretende Generalsekretär für Internationale Beziehungen, **Ildefonso Castro**, ehemaliger Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten unter Mariano Rajoy und Ex-Botschafter in Irland, wird von verschiedenen Seiten als Diplomat mit wenig diplomatischem Geschick („linke Hand“) beschrieben, was bei Beziehungen zu Nachbarländern hinderlich sein könnte.
Castro deutete an, wie die PP unter Feijóo die Krise mit Marokko angehen würde: mit einer härteren Haltung als Sánchez, mehr Konsens im Parlament, stärkerer Rechtsstaatlichkeit und permanenter Präsenz von **Frontex** und der EU in Ceuta und Melilla. Er behauptete, Feijóos erste Auslandsreise würde nach Marokko führen – etwas, das Sánchez aus verschiedenen Gründen nicht tun konnte und das auch der Oppositionsführer kaum sicher garantieren kann.
Der Diplomat mit dem größten Konsens innerhalb der PP für das Außenministerium ist **Pablo García-Berdoy**. Er war von 2016 bis 2021 Ständiger Vertreter Spaniens bei der EU und leitet nun die Abteilung Public Affairs Europe bei der Beratungsfirma Llorente y Cuenca. Sein technisches Profil passt zu dem, was Feijóo sucht: jemanden, der keine Kontroversen auslöst und die Brüsseler Korridore gut kennt.
## Migration und Wohnraum: Zwei Themen, die das Programm prägen
Zu Feijóos Prioritäten gehören zwei Themen von großer nationaler Bedeutung: Migration, aufgrund ihrer politischen Implikationen und des Wettbewerbs mit Vox um Wählerstimmen, sowie die reale wirtschaftliche Entwicklung. Die PP relativiert die wahltaktische Relevanz ihrer Ablehnung zweier Dekret-Gesetze zum Thema Wohnraum, die im außerordentlichen Plenum des Kongresses durchfielen. Die Regierung, ihre Partner und linke Verbündete wollen den Wahlkampf zu einer Abstimmung machen zwischen jenen, die Maßnahmen gegen die Wohnraumkrise forderten – besonders bei jungen Wählern – und dem rechten Lager bestehend aus **PP**, **Vox**, **Junts** und **UPN**, die diese ablehnten.
Im Team Feijóos argumentiert man, dass Spanien ein Land sei, in dem **90%** der Eigentümer ein bis zwei Immobilien besitzen und wo Eltern und Großeltern Kindern beibringen, dass man sich für die Lebensplanung eine Wohnung kaufen müsse. Sie sehen die Demonstranten auf Spaniens Straßen als radikalisierte Wähler, die ohnehin links von der PSOE wählen, und erwarten keinen Zuwachs. Diese Lesart sollte vorsichtig betrachtet werden, da sie auf Interpretationen von Parteiquellen basiert und nicht auf verifizierten Wahldaten.
Feijóo verspricht, im ersten Monat seiner Amtszeit einen Wohnungsbauplan zu verabschieden, falls er Premierminister wird. Dieses Versprechen steht neben der Unsicherheit, welche parlamentarischen Mehrheiten dafür nötig wären, und der Tatsache, dass seine Partei gegen die Wohnraum-Dekrete der Regierung stimmte.
Die PP sehnt seit Langem Wahlen herbei und ist gleichgültig gegenüber dem Termin. Man glaubt, dass ein erneuter Misserfolg wie im Juli 2023 diesmal unmöglich ist und dass es für Sánchez nur schlechter laufen kann, egal wie er entscheidet. Die Spekulationen über Kabinettsposten bleiben genau das: Spekulationen. Keine Ernennung ist beschlossen, kein Team finalisiert und der Wahltermin noch nicht festgelegt. Wer diese Überlegungen als endgültiges Organigramm liest, irrt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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