PNV-Führer fragt nach Zukunft der baskischen Identität

Aitor Esteban (PNV) löste eine Debatte aus, als er fragte, ob sein Nachfolger Agirregomezkorta oder Hasan heißen wird, und betonte Sorgen um die baskische Identität.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

PNV-Führer fragt nach Zukunft der baskischen Identität
PNV-Führer fragt nach Zukunft der baskischen Identität

Aitor Esteban, ein führender Kopf der PNV (Partido Nacionalista Vasco, Baskisch-Nationale Partei), hat eine Bemerkung gemacht, die sich wie ein Lauffeuer verbreitet hat: Er weiß nicht, ob sein Nachfolger an der Spitze der Partei "den Namen Agirregomezkorta oder Hasan tragen wird". Das Zitat, das von LA GACETA verbreitet wurde, hat eine Büchse der Pandora geöffnet, die der baskische Nationalismus jahrelang vermieden hat: Was passiert mit der baskischen Identität, wenn die Demografie sie nicht mehr trägt? Und es geschah, so Kritiker, im denkbar schlechtesten Moment für die offizielle Erzählung, denn die Partei, die vorgibt, das Baskische zu verteidigen, ist dieselbe, die den Zustrom von Bevölkerung managt und ihn über Unternehmen subventioniert.

Die Reaktion ließ nicht auf sich warten. Manche sehen in dem Satz nur einen Fehltritt eines Politikers, der leichte Zustimmung sucht, andere lesen darin eine vorzeitige Kapitulation. Dazwischen gibt es Stimmen, die behaupten, das baskische Volk verschwinde statistisch gesehen, und dass derjenige, der innerhalb einer Generation die institutionellen Hebel besetzt, nicht unbedingt einen baskischen Nachnamen haben wird.

Was genau sagte Aitor Esteban und warum wurde daraus eine Nachricht?

Die Erklärung, aufgezeichnet von LA GACETA, ist kein Versprecher eines Unbekannten. Esteban ist einer der gewichtigsten Führer der PNV, und sein Satz über den Nachfolger – „Agirregomezkorta oder Hasan“ – wurde als explizite Anerkennung gelesen, dass sich die soziologische Basis der Partei ändern wird. Es ist keine Wahlprognose: Es ist eine demografische Feststellung, so die Interpretation der Kritiker.

Das Problem für die PNV, so ihre Kritiker, ist, dass diese Feststellung ihrem eigenen Diskurs widerspricht. Jahrzehntelang hat der baskische Nationalismus die Idee verkauft, dass Identität durch Sprache, Kultur und Willen aufgebaut wird, nicht durch Nachnamen. Aber wenn der Parteiführer selbst das Beispiel des Nachnamens nennt, würde er zugeben, dass es um mehr geht als nur um Euskara (die baskische Sprache).

Manche argumentieren, Esteban habe einfach ausgesprochen, was jeder seriöse Demograph kommen sieht. Dagegen spricht das Argument, dass eine Partei die Ersetzung ihrer eigenen sozialen Basis nicht normalisieren sollte, ohne etwas dagegen zu tun. Jedenfalls hat der Satz dazu gedient, die Debatte aus dem Verborgenen zu holen.

Die Rechnung, die niemand macht: Wie viele Stimmen und Nachnamen bleiben übrig?

Die Kernfrage ist arithmetischer Natur, sagen Kritiker. Das baskische Volk befindet sich seit Jahren im demografischen Rückgang, argumentieren sie, und die Migrationsströme kompensieren den Verlust der einheimischen Bevölkerung nicht im Hinblick auf kulturelle Kontinuität. Die Machthebel – Institutionen, öffentliche Unternehmen, Medien – werden weiterhin existieren, aber andere Hände werden sie besetzen.

Eine Analyse, die unter Kritikern der PNV kursiert, besagt, dass die Partei den Weg der Wirtschaft gewählt hat: freie Hand für die Einwanderung, um die Arbeits- und Immobilienmaschinerie am Laufen zu halten, und Vertrauen darauf, dass die Marke hält. Es ist dieselbe Rechnung, die auch der PP (Partido Popular) im übrigen Spanien zugeschrieben wird, mit dem Unterschied, dass dies hier im Namen einer Identität geschieht, die angeblich verteidigt wird.

Die vollständige Rechnung, einschließlich Namen öffentlicher Unternehmen und Familienclans, würde einen Bericht füllen, der hier keinen Platz hat. Was jedoch passt, ist die Schlussfolgerung dieser Kritiker: Wer die baskischen Hebel im Jahr 2050 kontrolliert, muss weder nationalistisch noch Euskara sprechend noch gar baskischen Namens sein.

Euskara als Reinheitstest: Der Widerspruch, den niemand auflöst

Der baskische Nationalismus hat einen Zugehörigkeitstest basierend auf der Sprache konstruiert. Wenn du Euskara sprichst, bist du einer von uns. Das Problem ist, dass dieser Test nie richtig bei den Eingeweihten funktioniert hat, wie angemerkt wird: Die Gründer der PNV sprachen kein Euskara, und viele historische Führer ebenfalls nicht. Eine Sprache aufzuzwingen, die man selbst nicht beherrscht, ist ein politisches Kunststück, das nur in der Politik trägt.

Nun steht der Test einem Konkurrenten gegenüber, der nicht nach denselben Regeln spielt. Ein Neuankömmling mag kein Euskara sprechen, keine traditionellen Tänze tanzen, kein Holz hacken oder Steine heben, und dennoch baskischer sein durch Wohnort als viele Einheimische durch ihren Nachnamen, laut dieser Prämisse. Sprachliche Identität ohne ethnische Grundlage dahinter wird zur bloßen administrativen Anforderung.

Manche weisen darauf hin, dass dies bereits im öffentlichen Dienst sichtbar ist, wo immer mehr Personal mit Migrationshintergrund in Euskara bedient. Andere entgegnen, dass dies genau das Funktionieren der Integration sei. Beides kann gleichzeitig wahr sein, und das ist das Problem.

Osterwoche in Bilbao und der Katholizismus, den der Nationalismus nicht sieht

Ein Detail, das in der Diskussion auftauchte: Bilbao hat eine Bruderschaftsbewegung auf andalusischem Niveau, sagen Teilnehmer. Prozessionen mit barfüßigen Bußgängern, Kindern, allen Altersgruppen, organisierten Bruderschaften. Ausländer, die es zum ersten Mal sehen, sind verblüfft. Dennoch führt die lokale pogre Erzählung dies auf Subventionen eines PNV-Bürgermeisters zurück, in der Hoffnung, dass es mit den Boomern stirbt, wie kommentiert wird.

Die Ironie, so Kritiker, besteht darin, dass der baskische Nationalismus, der sich auf katholische Ursprünge beruft, dieses Fundament ausgehöhlt hat, während er Bevölkerung anderer Religion importierte. Das Ergebnis wäre eine Gesellschaft, in der Identität durch institutionelle Trägheit getragen wird, nicht durch Überzeugung. Und Trägheit hat in der Demografie ein Verfallsdatum.

Was passiert, wenn die Ablösung numerisch statt kulturell ist?

Das skizzierte Szenario ist weder harmonische Integration noch frontaler Zusammenstoß. Es ist eine langsame Ersetzung, bei der die Institutionen weiter funktionieren, die Namen sich ändern und kaum jemand zu viele Fragen stellt, sagen Kritiker. Die PNV wird weiterhin existieren, aber ihre Basis wird anders sein. Die Frage ist, ob das außer den Wählern noch jemanden interessiert.

Eine pessimistischere Analyse deutet darauf hin, dass die Partei zu einer leeren Marke wird, verwaltet von professionellen Managern ohne Wurzeln, im Dienste konkreter wirtschaftlicher Interessen. Das wohlwollendste Szenario ist, dass die Marke hält, weil die baskische Identität am Ende immer eher ein Geschäft war als eine Essenz.

Was niemand bestreitet, ist, dass die Ablösung bereits begonnen hat, so die Kritiker. Die einzige Unbekannte ist der Name des Nachfolgers. Und diese Unbekannte hat Esteban zur Schlagzeile gemacht.



Die verstörende Tatsache, so Kritiker: Die Partei, die vorgibt, das Baskische zu verteidigen, ist dieselbe, die normalisiert hat, dass ihr nächster Anführer nicht unbedingt baskisch sein muss.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (110 Antworten).

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