Plünderungen in Argentinien: Bewaffneter Widerstand und Milei-Faktor

Geschäfte verteidigen sich mit Waffen, Plünderungen erschüttern mehrere Städte, während der Parallel-Dollar auf 1.000 Peso steigt: Die Krise dominiert den Wahlkampf.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Plünderungen in Argentinien: Bewaffneter Widerstand und Milei-Faktor
Plünderungen in Argentinien: Bewaffnete Nachbarn und außer Kontrolle geratener Dollar

In Argentinien verbringen Händler die Nacht in ihren Geschäften, eine Schrotflinte neben der Kasse. Bilder in sozialen Medien zeigen Besitzer, die ihre letzten Güter mit Waffengewalt verteidigen, während in mehreren Städten Plünderungen stattfinden und diskutiert wird, ob der Parallel-Dollar 1.000 Peso pro Einheit erreichen wird. Im Kontext eines Wahlkampfs, der Wirtschaftsminister Sergio Massa gegen den Liberalen Javier Milei stellt, wird jedes überfallene Geschäft zum politischen Argument. Es gilt, das Sichtbare, das Zugewiesene und das Unbestätigte zu trennen.

Was passiert: Plünderungen und defensive Geschäfte

Die Vorfälle wiederholen sich in Orten wie San Nicolás de los Arroyos. In einem Supermarkt in Moreno, Provinz Buenos Aires, drang eine Gruppe ein, griff die Eigentümer an und stahl die Ware, laut verbreiteten Aufnahmen. An anderen Punkten laden Räuber Bierkisten in Kinderwagen – ein Bild, das das Land gut zusammenfasst: tiefe Knappheit, freche Form.

Die Reaktion eines Teils des Handels war Bewaffnung. Das ist keine Metapher: Manche schlafen im Geschäft mit einer Waffe in Reichweite. Ein großer Teil des Landes betrachtet diese Szenen mit einer Mischung aus Panik und Erschöpfung, da manche sie aus dem Jahr 2019 kennen, als ähnliche Videos von Überfällen auf Supermärkte kursierten.

Warum gibt es Plünderungen in Argentinien?

Weil eine unerbittliche Inflation jedes Viertel zum Pulverfass macht, wenn der Funke überspringt, und weil hinter den Plünderungen ein innerparteilicher Machtkampf der Peronisten vermutet wird. Eine Strömung behauptet, Gewerkschaften und organisierte Gruppen mobilisierten klientelistische Netzwerke, um Chaos zu stiften und politisch zu erpressen. Eine andere Deutung führt es auf den reinen Kollaps zurück: Wenn das soziale Zusammenleben unmöglich wird, hört die Bevölkerung auf, es zu ertragen.

Das Bemerkenswerte ist, dass die Regierung derselben politischen Ausrichtung angehört wie jene, die angeblich das Unheil schüren. Daraus ergibt sich die Frage, die allen Analysen zugrunde liegt: Wenn dies unter einer sympathisierenden Exekutive geschieht, was passiert dann, wenn jemand antritt, der bereit ist, die Ausgaben zu kürzen?

Gehälter von 300 Euro, 50 % Armut und ein entgleitender Dollar

Das makroökonomische Bild, das die Argentinier selbst zeichnen, ist trostlos: zerstörte Produktionsstruktur, gesunkene Produktivität und ein enormer Anteil der Beschäftigung, der durch Geldemission gestützt wird. Ein Teilnehmer wirft die Frage auf: Wenn der Parallel-Dollar 1.000 Peso erreichte, käme jede Anpassung mit brennender Währung.

Mit Gehältern, die mit 300 bis 400 Euro verglichen werden, bei Preisen ähnlich denen in Spanien, ist die Mittelschicht weitgehend verschwunden. Die Zahl, die die Diskussion überschattet, ist die der 50 % Armut: Mit diesem Ausgangspunkt multipliziert jeder Schockplan den Schaden, bevor etwas repariert wird. Und Kredit, so wer es berechnet hat, ist eine Chimäre: Einen Darlehen über 3.000 US-Dollar in diesem Land zu erhalten, wäre eine unmögliche Mission.

Milei: Gefängnis für Plünderer und ein unmöglicher Zeitplan

Der liberale Kandidat verspricht harte Strafen für Plünderer, Kürzung von Subventionen und einen Staat, reduziert auf sieben oder acht Ministerien. Das Problem ist nicht das Programm, sondern die institutionelle Arithmetik. Mit fast keinem Abgeordneten im Senat und den Peronisten, die Straße und Territorien kontrollieren, wäre Regieren ein permanenter Machtkampf.

Die am häufigsten wiederholte Prognose ist hart und hat verschiedene Versionen: zwei bis vier Jahre brutaler Anpassung, bevor Ergebnisse sichtbar werden; gewaltsame Blockade vom ersten Tag an; und ein Ende, das zwischen Flucht im Hubschrauber und etwas Schlimmerem schwankt. Die Grundthese ist, dass Milei das ist, was das Land braucht, aber dass die Kräfte, die ihm in einer Gesellschaft ohne Mittelschicht entgegenstehen, viel mächtiger sind als er.

Vom Corralito zum Laboratorium: Der Vergleich mit Spanien

Das Gespräch lenkt schnell auf den Spiegel. Argentinien schleift zwei Jahrzehnte intermittierender Krisen, mit dem Corralito von 2001 und der Enteignung von YPF als Meilensteinen desselben Weges. Manche sehen im Land ein Laboratorium, in dem Rezepte getestet werden, die später anderswo angewandt werden, und andere warnen, dass Spanien mit unausgewogenen öffentlichen Finanzen denselben Pfad mit zehn Jahren Verspätung beschreitet.

Es ist gleichzeitig eine bequeme und trügerische Vergleichsgröße. Bequem, weil es kostenlose Argumente liefert; trügerisch, weil Argentinien seit sechzig Jahren in der Krise steckt und trotzdem am Leben bleibt, wenn auch mühsam. Das Einzige, was sicher scheint, ist, dass jemand das Sagen hat, und nicht immer ist es derjenige, der die Dekrete unterzeichnet.

Mit Plünderungen auf den Titelseiten, Gehältern am Boden und einem Dollar, der droht, die Marke von 1.000 Peso zu sprengen, lautet die Frage nicht mehr, ob Argentinien bis zur Wahl durchhält, sondern wer die Rechnung zahlt, wenn jemand endlich beschließt, die Bücher zu ordnen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (204 Antworten).

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