Okzitanisch und Katalanisch: eine Sprachgrenze, die niemand festlegen kann

Okzitanisch und Katalanisch teilen eine mittelalterliche Wurzel und eine verschwommene Grenze. Das Okzitanische hat einen Nobelpreis, aber wenige Sprecher; das Katalanische Millionen Sprecher und ein…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Okzitanisch und Katalanisch: eine Sprachgrenze, die niemand festlegen kann
Okzitanisch und Katalanisch: die Grenze, die niemand festlegen kann

Es gibt eine These, die kursiert und so manchen unbequem ist: Okzitanisch ist das, was passiert, wenn ein Franzose anfängt, Katalanisch zu sprechen, und Katalanisch ist das, was passiert, wenn ein Spanier anfängt, Okzitanisch zu sprechen. Das Paradoxon, formuliert im Zuge einer Diskussion über Minderheitensprachen, fasst ein altes Problem zusammen: zwei romanische Schwestersprachen, in unterschiedlichem Grad gegenseitig verständlich, mit Verwaltungsgrenzen, die nie mit den sprachlichen übereinstimmten. Und eine Grundfrage, die bis heute keine bequeme Antwort hat: Was macht aus einem Dialekt eine Sprache?

Das Spielfeld ist der Streifen vom Val d'Aran bis zur Provence. Dort wird das Okzitanische — oder die Langue d'oc — gesprochen, wurde gesprochen und wird schlecht gesprochen, während das Katalanische die Brücke zum Mittelmeer bildet. Die Diskussion driftete bald in die mittelalterliche Geschichte und ins Geld ab, wo alles meistens endet.

Wie gesund ist das Okzitanische heute?

Die unbequemste Frage ist die nach der tatsächlichen Vitalität. Theoretisch erstreckt sich das Okzitanische über die Hälfte Südfrankreichs; praktisch sind zeitgenössische Belege rar, und seine Verbreitung ähnelt verdächtig der des Aragonesischen oder Asturischen (Bable). Eine Sprache mit Nobelpreis — Frédéric Mistral, 1904 — und einer Sprecherbasis, die kein Stadion füllt.

Dieser Kontrast zwischen historischem Prestige und Alltagsgebrauch ist der Kern der Sache. Das Okzitanische war die Sprache der Troubadoure, der Verwaltung und der Literatur; heute überlebt es in zweisprachiger Beschilderung, in Wahlfächern und im Stolz derer, die es verteidigen. Der Vergleich mit dem Katalanischen ist nicht leer: Das Katalanische hat Millionen Sprecher, Medien, Universitäten und einen autonomen Gliedstaat im Rücken. Das Okzitanische hat sechs Dialekte und ein jakobinisches Frankreich, das ihm nie Gnade gewährte.

Der Geldtest: Kann man eine Sprache kaufen?

Der am häufigsten geäußerte Verdacht lautet, dass der Unterschied zwischen Dialekt und Sprache eine Budgetfrage ist. Mit Finanzierung, Normierung und eigenem Bildungssystem wird aus einem Dialekt eine Amtssprache; ohne sie bleibt Folklore. Das Val d'Aran mit seinem Aranesischen — einer Variante des gaskognischen Okzitanisch —, das in Katalonien als kooffizielle Sprache anerkannt ist, ist das Laborexperiment: eine kleine Gemeinschaft mit Rechtsstatus und Mitteln.

Die Ironie: Das Aranesische verdankt seinen Schutz dem Katalanischen, nicht dem Französischen. Und dort öffnet sich ein weiterer Riss: der Weststreifen Aragons, wo Katalanisch gesprochen wird, und das Roussillon, wo das Katalanische mit dem Französischen koexistiert. Jede Verwaltung entscheidet, was sie schützt und was sie sterben lässt.

Muret, 1213: die Schlacht, die alles veränderte

Manche behaupten, halb im Scherz, halb im Ernst: Hätte Aragon bei Muret gewonnen, sähe die Karte Europas anders aus — die Hälfte Frankreichs zwischen Engländern und Burgundern aufgeteilt, und alle wären glücklicher. In der Schlacht, in der Peter II. von Aragon gegen die Kreuzfahrer Simon de Montforts fiel, war das Schicksal Okzitaniens und seine Aufsaugung durch die französische Krone besiegelt.

Der historische Witz verbirgt eine Wahrheit: Die Sprachgrenze haben nicht die Sprecher gezogen, sondern die Armeen. Und was wir heute Okzitanisch und Katalanisch nennen, sind zwei Zweige eines Stammes, den die Politik vor acht Jahrhunderten getrennt hat.

Das Alt-Katalanische, das vielleicht Okzitanisch war

Die feinste Provokation der ganzen Debatte: Ein guter Teil dessen, was als Alt-Katalanisch erforscht wird, ist streng genommen Okzitanisch. Es gibt keinen mittelalterlichen Schriftsteller, der behauptet, auf Katalanisch zu schreiben, denn der Begriff des Katalanischen als eigenständiger Literatursprache kam später. Die katalanischen Troubadoure schrieben auf Provenzalisch, der poetischen Koiné ihrer Zeit.

Das delegitimiert das moderne Katalanische nicht, relativiert aber die Erzählung der Kontinuität. Sprachen sind historische Gebilde, keine Essenzen. Und die Grenze zwischen zwei benachbarten romanischen Sprachen ist immer ein Verlauf, keine Linie.

Am Ende bleibt die allgegenwärtige Frage in der Luft: Wie viel von dem, was wir sprachliche Identität nennen, ist Geschichte — und wie viel ist Budget?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (16 Antworten).

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