Ofcom aktiviert Krisenprotokoll nach Belfast-Krawallen

Ofcom hat sein Krisenprotokoll direkt nach den Krawallen in Belfast aktiviert. Das Kriterium „wahrscheinlich“ zur Zensur von Inhalten wird als subjektiv und gefährlich kritisiert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ofcom aktiviert Krisenprotokoll: Prävention oder Zensur im Vorfeld?

Die britische Regulierungsbehörde Ofcom hat ihr „Krisenreaktionsprotokoll“ fertiggestellt, genau als die Krawalle in Belfast durch die Straßen zogen. Die Maßnahme, verankert im Online Safety Act, verpflichtet soziale Netzwerke und Messaging-Plattformen, Notfall-Moderationsteams zu aktivieren, sobald eine Krise „eintritt oder wahrscheinlich eintreten wird“. Sie müssen außerdem eine direkte Kommunikationslinie zu den Strafverfolgungsbehörden halten, um Löschungen von Inhalten zu koordinieren. Das Problem liegt im Kriterium: „wahrscheinlich“ ist ein subjektives, in die Zukunft gerichtetes Urteil, das an private Unternehmen delegiert wird – mit jedem Anreiz, überzureagieren.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Für viele ist dies ein weiterer Schritt zur staatlichen Zensur: Die Meinungsfreiheit wird ausgesetzt, sobald die Lage kompliziert wird. Manche vergleichen es direkt mit der Dystopie von 1984. Andere weisen darauf hin, dass es schwer ist, einer Diktatur, die an der Urne bestätigt und von der EU gestützt wird, die Legitimität abzusprechen. Die offene Frage ist, inwieweit eine Maßnahme, die die Sicherheit schützen soll, nicht doch zum Instrument politischer Kontrolle wird. Denn wenn die Wahrscheinlichkeit einer Krise von der Macht entschieden wird, verliert die Meinungsfreiheit immer.

Das Risiko von „Wahrscheinlichkeit“ als Auslöser

Der Kern des neuen Protokolls liegt in der Mehrdeutigkeit des Begriffs „wahrscheinlich“. Es gibt keine objektive Schwelle: Die Plattform entscheidet selbst – unter Druck der Behörden. In der Praxis kann jeder Krawall oder jede Protestaktion als unmittelbar bevorstehende Krise eingestuft und kritischer Inhalt gelöscht werden, bevor er sich verbreitet. Private Unternehmen, die aus Angst vor Geldstrafen ohnehin überreagieren, haben jetzt eine perfekte Ausrede, ohne Rechenschaft zu zensieren.

Stehen wir vor einer vernünftigen Sicherheitsmaßnahme oder einem gefährlichen Präzedenzfall für die Meinungsfreiheit im Westen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (27 Antworten).

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