Nordizismus-Account bestreitet europäische Identität von Spaniern

Ein nordizistischer Account behauptet, 90 % der Spanier seien keine ethnischen Europäer. Das Argument kehrt sich gegen den Absender zurück.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Nordizismus-Account bestreitet europäische Identität von Spaniern
Ein nordizistischer Account bestreitet die europäische Zugehörigkeit von 90 % der Spanier

Ein Account, der sich als schwedisch ausgibt, hat veröffentlicht, dass 90 % der Spanier dunkelhaarig und keine ethnischen Europäer seien. Die Behauptung, in sozialen Medien mit einem Diagramm verbreitet, löste eine Grundsatzdiskussion darüber aus, was „weiß“ bedeutet und wer berechtigt ist, Zertifikate für europäische Zugehörigkeit zu vergeben.

Die ursprüngliche Nachricht bietet keine Methodik: nur ein Bild und eine runde Zahl. Das ist das erste Problem. Das zweite ist, dass der besagte Account, laut mehreren kursierenden Analysen, einen Diskurs führt, der die Spanier vom europäischen Stamm ausschließt, während er ein nordisches Ideal verteidigt, das einer strengen genetischen Prüfung ebenfalls nicht standhalten würde.

Was genau die Nachricht sagt und warum die Zahl nicht haltbar ist

Der diesem Account zugeschriebene Text behauptet, dass 90 % der Iberer dunkelhäutig und nicht weiß seien, mit dem Zusatz, sie wären keine ethnischen Europäer. Die Formulierung vermischt zwei verschiedene Dinge: die Hautfarbe, ein variables phänotypisches Merkmal, und die genetische Abstammung, die anhand von Haplotypen gemessen wird, nicht durch ein Foto.

Genau hier bricht das Argument zusammen. Die iberische Bevölkerung weist laut den im Austausch verwendeten Karten zur Haplotyp-Verteilung eine geringere genetische Distanz zu mitteleuropäischen Populationen auf als zu denen Nordafrikas. Italiener oder Griechen fallen in dieselbe Kategorie. Wenn der Maßstab das extreme Weißsein ist, schrumpft die weltweite Anzahl der Weißen von einer Milliarde auf hundert Millionen, und Länder wie die USA, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland oder Frankreich würden aus ihrer eigenen Kategorie fallen.

Die Diskussion wandte sich bald dem Ursprung des Begriffs selbst zu. Der Begriff white, so wie er heute verwendet wird, entstand in den USA und schloss in seiner ersten Formulierung die Nordländer nicht ein: Schweden, Dänen und Norweger wurden als Europäer mit dunklerem Teint klassifiziert. Das Etikett, das nun gegen die Spanier ins Feld geführt wird, begann also damit, jene auszuschließen, die es heute beanspruchen.

Das historische Gegenargument: Rom vor den Wikingern

Die am häufigsten wiederholte Antwort im Austausch war nicht genetischer, sondern zivilisatorischer Natur. Während man im Norden in neolithischen Hütten lebte und geräucherten Fisch aß, gab es im Mittelmeerraum bereits Historiker, Philosophen, Straßenbauingenieure, Gesetze und Städte mit Kanalisation. Die europäische Zivilisation, so das Argument, entwickelte sich im Süden lange bevor es Wikinger gab.

Ein kurioses Detail, das in der Konversation hervorgehoben wird: In Rom wurde blondes Haar mit Prostituierten assoziiert. Kein unwichtiges Datum, denn es kehrt das symbolische Prestige um, das Jahrhunderte später den nordischen Merkmalen zugeschrieben wurde.

Ebenso wird daran erinnert, dass die Westgoten zwischen 5 % und 8 % der heutigen genetischen Zusammensetzung Spaniens ausmachen und das vorletzte von Hunderten von Völkern waren, die sich auf der Halbinsel vermischten. Danach kamen die Indigenen Amerikas. Die beanspruchte Reinheit existiert nirgendwo, weder hier noch dort.

Auch die nordischen Länder würden den Filter nicht bestehen

Das Argument kehrte sich gegen seinen Urheber. Schweden, so wird angemerkt, war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ein armes Land, einschließlich Hungersnöten, und sein heutiger Reichtum stammt größtenteils aus Energieressourcen. Auch die nordischen Länder haben Mischungen mit asiatischen Populationen, ebenso wie Russen, Finnen und Ungarn. Mit einem Gentest in der Hand geht keine europäische Nation unbeschadet hervor.

Die Diskussion wandte sich der politischen Nutzung des Begriffs zu. Manche argumentieren, das Problem sei nicht die Pigmentierung, sondern deren Instrumentalisierung zur Rechtfertigung von Demografie-Ersatzpolitiken. Andere entgegnen, dass die Hautfarbe niemals der Kern der Debatte sein sollte, da jeder, der sie als Maßstab anlegt, sie letztlich auch gegen die Seinen richtet.

Verdacht über die Identität des Accounts

Ein Teil des Austauschs konzentrierte sich darauf, wer hinter dem Profil steckt. Es wird vermutet, dass der Account möglicherweise nicht von einer Schwedin stammt, sondern von einem spanischsprachigen Betreiber mit monothematischem Veröffentlichungsmuster und wiederkehrenden Erwähnungen eines norwegischen Musikers, der für seine rassistischen Positionen bekannt ist. Die Anzahl der Trinc, das Alter des Kontos und der Art des Fotos nähren diesen Verdacht.

Wäre dies wahr, wäre der Vorfall weniger eine ausländische Meinung als vielmehr eine interne Operation zur identitären Konfrontation. Die Diskussion über die Hautfarbe der Spanier funktioniert seit Jahren als Mechanismus der Streitigkeiten unter Spaniern, wobei das Rassenetikett als Munition dient.

Was auf dem Spiel steht für Spanien

Jenseits des Lärms berührt die Angelegenheit einen wunden Punkt: die Definition des Europäischen. Spanien ist mediterran, geprägt von Mischungen aus Völkern aus ganz Europa und Nordafrika, und diese Mischung macht es nicht weniger europäisch. Die relevante Frage ist nicht, ob die Spanier hinreichend weiß sind, sondern warum jemand benötigt, dass sie es sind.

Mit diesen Voraussetzungen ist vorhersehbar, dass die Debatte in regelmäßigen Abständen mit einer neuen Zahl und demselben wiederverwendeten Diagramm aufflammen wird. Was sich nicht ändern wird, ist die Tatsache dahinter: Rassische Reinheit ist eine neuzeitliche Erfindung, und wer sie beschwört, scheitert meist an seiner eigenen Prüfung.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (182 Antworten).

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