Ein Jahr Lärm, drei Anrufe und keine Lösung
Es ist sechs Uhr morgens. Ein Nachbar wartet, bis die Wohnung über ihm still wird, vermutet, dass die Bewohner ihren Kater ausschlafen, und geht hinunter ins Treppenhaus, um die Sprechanlage so lange zu drücken, bis alle aufgewacht sind. Diese Szene fasst einen Konflikt zusammen, der sich in Treppenhäusern überall in Spanien wiederholt: ein Jahr voller Partys, lauter Musik und geschleiften Möbeln, drei Anrufe bei der Polizei und Warnungen, die nur für wenige Tage Stille kaufen.
Die Ausgangsgeschichte beschreibt einen Wohnblock mit günstigen Wohnungen, in dem eine Wohnung zum Epizentrum von Dauerfeiern wurde, mit Besuchen zu jeder Tageszeit und einem Baby, das schreit, während die Erwachsenen trinken. Die Bewohner werden nach ihrer Herkunft benannt und abwertend beschrieben. Es gilt, die Fakten von Vorurteilen zu trennen: Im selben Austausch berichten Nachbarn gleicher Herkunft, die „totenstill“ seien, sowie andere aus verschiedenen Herkunftsländern, die identische Konflikte verursachen. Das beschriebene Problem ist eines des Gemeinschaftssinns, nicht der Staatsangehörigkeit.
Was die Polizei bei Lärmbeschwerden tut und warum sie vor Konfrontationen warnt
In der Erzählung ist der Ablauf immer gleich. Anruf, Polizeipräsenz, Ermahnung, kurze Ruhephase und dann beginnt alles von vorn. Auch der Eigentümer der Immobilie wurde informiert, doch seine Intervention hatte denselben nur kurzfristigen Effekt. Als der Betroffene hinaufging, um mit den Nachbarn zu sprechen, öffnete niemand die Tür; als er die Polizei rief, öffneten diese den Beamten sehr wohl.
Aus diesem Gespräch stammte der am häufigsten wiederholte Rat: man sollte selbst nichts einfordern. Die Beamten warnten davor, dass eine direkte Konfrontation nach hinten losgehen kann und dass einige Nachbarn reagieren, indem sie absichtlich noch mehr Lärm machen. Die Empfehlung lautete, alles ausschließlich über die Polizei zu regeln. Dies ist eine unbequeme Warnung: Sie lässt den Beschwerdeführer ohne Handlungsspielraum und gleichzeitig ohne Ergebnis.
Manche beschreiben ein Verwaltungsverfahren. Dieses bestehe darin, eine Beschwerde wegen Lärms und antisozialen Verhaltens beim Rathaus (Ayuntamiento) einzureichen; danach würde jede weitere Meldung anhand des bereits eröffneten Aktenvermerks bearbeitet. Eine andere Geschichte beschreibt hingegen ein Jahr lang Anrufe ohne Lösung: Eine Bekannte sammelte fünfzehn Anrufe in einem Jahr wegen eines Konflikts mit einer Familie, die sich für unantastbar hielt.
Von der Klingel um 6 Uhr zur klassischen Musik: Das Repertoire der Vergeltung
Die am häufigsten genannte Antwort ist der fremde Wecker. Um halb sieben morgens an die Sprechanlage zu klopfen, mit doppelter Dosis im Abstand von fünf Minuten, um sicherzustellen, dass man wach bleibt, ist die Formel, die manche zumindest zeitweise als wirksam beschreiben. Der Effekt ist sofortig und billig. Er ist jedoch auch fragil: Er funktioniert nur, solange die andere Seite nicht beschließt, die Lautstärke zu erhöhen.
Der zweite Weg ist der akustische Krieg. Manche haben Lautsprecher direkt an der Decke montiert, bereit, um acht Uhr morgens Power Metal, Death Metal oder Elektronik abzuspielen, wenn der Nachbar seinen Kater ausschlafen will. Und es gibt einen Präzedenzfall, der als Machbarkeitsbeweis zirkuliert: Ein Mann aus Wales ließ eine Liste klassischer Musik mit voller Lautstärke laufen, um gegen lärmende Studenten vorzugehen, und diese hörten auf, Lärm zu machen. Dieser Fall wurde von der BBC berichtet. Die Anekdote hat sich in ein Handbuch verwandelt: Das Kulturelle hassen sie, fasst ein Teilnehmer zusammen. Ein anderer behauptet, Nachbarn mit Wagner-Opern-Serenaden vertrieben zu haben.
Zum Repertoire gehören auch der Wäschetrockner mit Schuhen darin, beschrieben als Luftangriff, und Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung, etwa 200 Euro, die viele als bessere Investition ansehen als einen Umzug.
Briefkästen, Schlösser und Fußmatten: Das aggressivere Repertoire
Ab hier wird die Liste härter. Kaugummi im Briefkastenschloss, organische Abfälle darin, Silikon zur Unbrauchbarmachung, Zahnstocher und Klebstoff im Wohnungsschloss, Gestankbomben, Exkremente auf der Fußmatte. Die Idee hinter dem Fall des Briefkastens ist die Abfangen von Post: Man argumentiert, dass jemand, der rechtliche Angelegenheiten oder Probleme mit seiner Botschaft hat, von diesen Briefen abhängig sei.
Nichts davon bietet eine Garantie für Wirksamkeit, und mehrere dieser Praktiken können Straftaten darstellen. Die Linie zwischen dem Fordern von Ruhe und dem Sabotieren fremden Eigentums ist die Linie zwischen einem Nachbarschaftskonflikt und einem eigenen strafrechtlichen Problem. Sie werden als Ideen zur Entlastung erzählt, nicht als geprüfter Plan.
Kopfhörer, Umzug oder warten, bis sie gehen
Der weniger heldenhafte Ausweg ist derjenige, der am häufigsten von denen genannt wird, die dies bereits durchgemacht haben: Sich isolieren oder wegziehen. Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung erscheinen als Pflaster; der Umzug als Ziel. Im beschriebenen Fall ist die Wohnung nur Durchgangsstation: Mieter bleiben selten länger als drei Jahre, und der Eigentümer erhöht schließlich die Miete. Der zusätzliche Verdacht liegt bei der Untervermietung von Zimmern, einer Praxis, die, wie argumentiert wird, oft Problemen mit der Immobilie vorausgeht.
Auch manche weisen auf die Sozialdienste hin, mit der Warnung, dass diese in Spanien anders arbeiten als im Vereinigten Königreich und dass die natürliche Weiterleitung am Ende wieder bei der Polizei landet.
Wenn der lärmende Nachbar nicht ins Klischee passt
Das Bild bricht zusammen, sobald die Stichprobe erweitert wird. Manche haben Wand an Wand Kontakt mit einer ecuadorianischen Familie und beschreiben sie als „totenstill“; andere leben mit Venezolanern zusammen, ohne ein einziges Geräusch; wieder andere erinnern sich an Kolumbianer, von denen man nicht einmal das Atmen hörte. Und es gibt identische Konflikte mit spanischen Nachbarn, mit Beamten in teuren Gegenden und mit Vermietern, die Zimmer an Fremde untervermieten.
Für mehrere Teilnehmer hat Lärm keine Nationalität; das Problem liegt im Gemeinschaftssinn, der Schalldämmung und der Verwaltung.
Bleibt die verstörende Tatsache. Drei Anrufe, ein unerträgliches Jahr und ein Polizeiratschlag, der darin besteht, eigenmächtig nichts zu tun. Fünfzehn Anrufe in zwölf Monaten in einem anderen ähnlichen Fall. Und der Konflikt bleibt offen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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