Marokko-Boykott: Der Code 611 und das Kleingedruckte im Supermarkt

Der Barcode-Präfix 611 kennzeichnet Marokko, doch viele Produkte kommen unter spanischen Marken in die Läden: Der Boykott scheitert an der Rückverfolgbarkeit und der Handelsbilanz.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Marokko-Boykott: Der Code 611 und das Kleingedruckte im Supermarkt
Der Boykott marokkanischer Produkte scheitert am Supermarkt-Etikett

Kann man ein Land boykottieren, indem man auf den Barcode schaut? Theoretisch ja: Das Präfix 611 kennzeichnet Marokko. In der Praxis bringt es fast nichts. Ein großer Teil dessen, was in spanischen Regalen landet, kommt unter inländischen oder Drittland-Marken an, mit heimischem Barcode und marokkanischer Herkunft im Kleingedruckten. Der Aufruf, den Einkaufswagen von Produkten des Nachbarlands leer zu lassen — der angesichts diplomatischer Spannungen stark umläuft — stößt auf ein wenig fotogenes Hindernis: die Rückverfolgbarkeit.

Der Code 611 erkennt nicht alles

Die Anweisung ist einfach: Beginnt die Nummer mit 611, kommt sie nicht ins Haus. Das Problem: Das Präfix-System kennzeichnet den Hersteller, der das Produkt registriert, nicht die tatsächliche Herkunft der Rohstoffe. Eine Flasche Öl kann einen spanischen Code tragen und mit ausländischen Oliven abgefüllt sein; eine Packung grüne Bohnen kann ein spanisches Siegel haben und je nach Saison aus einem südlichen Betrieb stammen. Wer vor Jahren dasselbe versuchte, erinnert sich: Die Herkunft zu erkennen erforderte, jedes Etikett wie ein Privatdetektiv zu prüfen. Damals verpuffte der Boykott binnen Wochen.

Von Carbonell-Öl bis zu Makrelen aus dem Süden

Auf der Liste der angeprangerten Marken stehen bekannte Namen: Carbonell-Öl wegen seiner Verbindung zur Produktion im Süden; Sardinen- und Makrelenkonserven von Marken wie Cuca — im Besitz der Bolton-Food-Gruppe, der auch Isabel gehört — oder Ubago. Dazu die breiten Bohnen, die große Ketten beliefern. Und ein wiederkehrendes Paradox: Olivenöl, jenes Produkt, das Spanien als Aushängeschild exportiert, wird auch importiert. Wer den Verdacht hat, dass die Verpackung lügt, hat nur einen verlässlichen Hinweis: die auf dem Etikett aufgedruckte Herkunft, nicht die große Nummer.

Das Auto: Wo der Boykott sich selbst verheddert

Die Automobilbranche ist die unangenehmste. Modelle wie der Dacia Sandero, der Logan, der Jogger, der Peugeot 208, der Citroën Ami oder der Renault Express kommen aus Werken in Tanger, Casablanca oder Kenitra. Es sind zudem französische Marken: Der verärgerte Käufer stellt fest, dass sich sein Ärger eher gegen Paris als gegen Rabat richtet. Und das Problem verschärft sich durch Produktionsverlagerungen: Wenn Modelle wie der Citroën C4 irgendwann umziehen, wird es schwieriger, mit „made in Spain" zu prahlen.

Handelsbilanz und Tourismus: Die unbequemen Zahlen

Boykott-Befürworter stoßen auf handelsarithmetische Realitäten: Spanien exportiert mehr nach Marokko, als es importiert, eine symmetrische Einschränkung trifft also zuerst den spanischen Exporteur. Im Tourismus wiederholt sich das Muster: Spanien stellt rund 20 % der Besucher des Nachbarlands, und nach dem Aufflammen der Spannungen ist von einem Rückgang der Buchungen durch Spanier um 84 % die Rede. Die 16 %, die weiterhin reisen, hören die klassische Warnung: Wenn ein Konflikt ausbricht, ist ein Zivilist im falschen Land am falschen Ort.

Am Ende ist die wirksamste Geste, „mit einem Einkauf zu schaden", die alte: das Etikett lesen, die Preise vergleichen und wählen. Das machen wir unser ganzes Leben lang. Nur hieß es früher ein informierter Verbraucher sein und kein Kleinkrieg für zu Hause.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (59 Antworten).

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