Marokkanisches Msemen spaltet: Teller ablecken oder Küche durchfallen lassen

Das marokkanische Msemen trennt die, die den Teller ablecken würden, von denen, die die Küche des Landes durchfallen lassen. Ein Streit über Geschmack, Hygiene und Erwartungen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Marokkanisches Msemen spaltet: Teller ablecken oder Küche durchfallen lassen
Das marokkanische Msemen, das die einen verschlingen und die anderen durchfallen lassen

Die marokkanische Küche lässt niemanden kalt. Das Msemen, jene Art Crêpe, mit der in Marokko der Tag beginnt, wird zum Schlachtfeld einer Diskussion, die weit über Teig und Honig hinausgeht: Die einen behaupten, mehr als 70% der Gäste würden den Teller bedenkenlos ablecken, die anderen urteilen kurzerhand, die Gastronomie des Landes habe nichts zu retten. Zwischen diesen beiden Extremen liegt ein ganzes Land voller Rezepte.

Der Ausgangspunkt ist einfach: ein Teig aus Mehl, Wasser, Salz und etwas Öl, mehrfach gefaltet, auf der Platte gebacken und mit Butter und Honig bestrichen. Nichts Exotisches. Und genau da liegt der erste Riss in der Debatte: Wenn die Zutaten dieselben sind wie bei jedem Crêpe der Welt, warum löst er dann so viel Liebe und so viel Hass aus?

Was ist Msemen und warum wird es mit einem Crêpe verglichen?

Msemen ist ein Blätterteiggebäck, das sowohl süß —mit Honig und Butter— als auch herzhaft serviert wird. Textur und Zubereitung erinnern an den französischen Crêpe, nur ist der Faltprozess aufwendiger. Der Vergleich ist kein Zufall: Jedes Land hat sein eigenes Crêpe-Rezept, und alle werden mit denselben Grundzutaten gemacht. Für die einen ist das eine Tugend, für die anderen der Beweis, dass daran nichts Besonderes ist.

Der Streit spitzt sich zu, wenn die restliche marokkanische Küche ins Spiel kommt. Manche verteidigen, dass ein guter Lamm-Tagine allein die Reise rechtfertigt, andere erwidern, das Essen des Landes sei nichts wert, das Schlechteste, was sie je probiert hätten. Die Spanne ist breit und duldet keine Mitte.

Das Hygiene-Argument, mit dem niemand rechnete

Eine der auffälligsten Wendungen der Debatte kommt, wenn es vom Geschmack zur Hygiene geht. Nach dem Bericht eines Teilnehmers sieht man auf einem Straßenmarkt in Tétouan Lämmerköpfe hängen, die Blut tropfen, und zerbrochene Eier, die bei über 40 Grad im Freien verkauft werden. Von dort an stuft derselbe Teilnehmer die marokkanische Küche unter die Bestehensgrenze ein: Er vergibt ein knappes 6er, und wenn man die hygienischen Bedingungen einrechnet, fällt die Note unter 4.

Der Couscous, so heißt es, sei fad. Die Harira schmecke ein- oder zweimal gut, bis sich der Gaumen an Schärfe und Gewürz satt isst. Es ist das klassische Problem des Gastronomie-Touristen: Was in kleinen Dosen Folklore ist, liegt in großen Mengen schwer im Magen. Und das ist kein geringes Argument: Die Wiederholung intensiver Geschmäcker ist eine häufige Klage über Küchen auf der ganzen Welt.

Schweinefleisch, Kaffee und andere kulinarische Ketzereien

Die Diskussion driftet in polemischere Gefilde. Ein Teil behauptet, marokkanisches Essen wäre mit Schweinefleisch viel leckerer — ein Argument, das bewusst ignoriert, dass das Fehlen dieser Zutat keine kulinarische, sondern eine religiöse Entscheidung ist. Ein anderer Teil kontert mit einem deutlich vernünftigeren Vorschlag: Ein guter Kaffee mit Msemen, bestrichen mit Butter und Honig, müsse richtig lecker sein.

Es gibt auch welche, die verallgemeinern und urteilen, die arabische Küche insgesamt sei schlecht, und nennen Katar und Saudi-Arabien als Beispiele. Es ist eine so breite Verallgemeinerung, dass sie sich selbst widerlegt: Zwischen Marrakesch und Riad liegen ebenso viele Unterschiede wie zwischen Neapel und Helsinki. Die marokkanische Küche hat berberische, andalusische, arabische und französische Einflüsse; sie auf ein Etikett zu reduzieren heißt, sie nie probiert zu haben.

Der Gestank, die Austern und der 72-Stunden-Bann

Den surrealistischsten Punkt erreicht die Debatte, als jemand den Geruch von Msemen mit dem von rohem Fisch und Austern vergleicht und direkt von einem Moderator verlangt, dem Verteidiger des Gerichts einen 72-Stunden-Bann zu verhängen. Die Ironie ist installiert: Das Msemen wird von einem Rezept zum Grund für eine disziplinarische Sanktion in einem Internetforum.

Unterdessen weist jemand darauf hin, dass das Gericht mmmmmsemen ausgesprochen wird, mit gedehntem M, als wäre der Name selbst eine Absichtserklärung. Und ein anderer krönt das Ganze mit einem Wortspiel, das wir hier nicht wiedergeben wollen. Das Niveau der Debatte, wie man sieht, schwankt zwischen ernsthafter Gastronomiekritik und Kneipenwitz.

Lohnt sich Msemen? Das unmögliche Urteil

Die Schlussfolgerung, wenn es denn eine gibt: Das Msemen funktioniert als Thermometer der Erwartungen. Wer ein exotisches Crêpe sucht, wird enttäuscht; wer hungrig und ohne Vorurteile kommt, isst wieder. Der Teig ist neutral, die Begleitung ist alles, und dort entscheidet jeder Gaumen für sich.

Klar ist: Die marokkanische Küche duldet keine Halbwahrheiten. Man verteidigt sie mit Begeisterung oder lässt sie ohne Abstriche durchfallen. Und in dieser Polarisierung ist das Msemen —einfach, billig, bescheiden— zum Symbol einer Diskussion geworden, die mehr über die Diskutierenden verrät als über das Gericht selbst.

Unter diesen Vorzeichen wird das Msemen wohl noch jahrelang Tische spalten. Aber man sollte nicht zu viel darauf wetten: Kulinarische Moden wechseln schneller als Argumente.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (17 Antworten).

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