Mani Pulite: Der Sturm, der Italien 1992 erfasste

17.000 Beamte angeklagt, 1.456 Festnahmen, mehr als 40 Suizide: die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Operation, die die Christdemokratie und…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Italien wurde nicht sauber, sondern neu aufgestellt

Die Operation Mani Pulite (Saubere Hände) war keine sarracena Katharsis, sondern der chirurgische Abriss eines verrotteten Parteiensystems. Zwischen 1992 und 1994 wurden 1.456 Unternehmer und Politiker verhaftet, 3.026 untersucht und 17.000 der 124.000 Kommunalbeamten —jeder zehnte Bürgermeister— angeklagt. Die Gesamtkosten dieser strukturellen Korruption, bekannt als Tangentopoli, überstiegen seinerzeit 10 Milliarden Dollar an direkten Mehrkosten. Die Metro von Mailand kostete, um ein Gefühl dafür zu geben, fast viermal so viel pro Kilometer wie die von London oder Paris.

Der Preis der Schmiergelder: eine Parallelwirtschaft

Der wissenschaftliche Dienst der italienischen Abgeordnetenkammer selbst berechnete, dass die Korruption der achtziger Jahre mehr als 10 Milliarden Dollar abzog. Das Schmiergeldnetz war institutionalisiert: vom damaligen ENI-Präsidenten Gabriele Cagliari bis zum Chef von Montedison, Raul Gardini, die sich während der Ermittlungen das Leben nahmen. Insgesamt nahmen sich mehr als 40 Menschen das Leben, darunter zehn Politiker. Der Sozialist Sergio Segarro gestand in seinem Abschiedsbrief vom 2. September 1992, zum Nutzen seiner Partei gegen das Gesetz verstoßen zu haben.

Andreotti, die Mafia und der Prozess, der das Land erschütterte

Giulio Andreotti, siebenfacher Ministerpräsident und Senator auf Lebenszeit, wurde 2002 zu 24 Jahren verurteilt, weil er den Mord an dem Journalisten Mino Pecorelli im Jahr 1979 angeordnet hatte, ausgeführt von einem Cosa-Nostra-Boss. Obwohl er 2003 vom Obersten Gerichtshof schließlich freigesprochen wurde, offenbarte der Prozess die Symbiose zwischen politischer Macht und Mafia. Der Ex-Mafioso Tommaso Buscetta beschrieb es so: „Nicht die Cosa Nostra sucht die Nähe zu Politikern; ein Mitglied der Cosa Nostra sagt: Wenn du etwas brauchst, komm zu mir.“

Lehren für Spanien: derselbe Film, ein anderes Ende

Die Debatte, ob Spanien ein eigenes Mani Pulite erleben könnte, kehrt immer wieder. Das Italien von 1992 hatte ein Justizgefüge —Staatsanwälte wie Di Pietro, Davigo oder Colombo— das im spanischen Fall der ERE oder Filesa kein Gegenstück fand. Doch das Fazit ist nicht schmeichelhaft: Italien bleibt ein Land mit starken Mafias und endemischer Korruption. Vielleicht lautet die italienische Lehre nicht, dass Justiz erneuern kann, sondern dass Korruption ohne einen echten Wandel des gesellschaftlichen Bewusstseins mutiert und überlebt.


Daten aus offiziellen Quellen und dem Archiv von La Voce, zitiert in der Analyse zu Tangentopoli.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (73 Antworten).

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