Madrid-Thatcher-Platz und Spaniens historischer Feind

Eine Thatcher-Platz in Madrid entfacht die Debatte über historische Feindschaften, Trafalgar und die Armada neu.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Madrid-Thatcher-Platz und Spaniens historischer Feind
Gullo und die Thatcher-Platz: Spanien verlor das Freund-Feind-Denken

In Madrid gibt es einen Platz, der Margaret Thatcher gewidmet ist. Und es gibt ein Zitat von Marcelo Gullo, das immer wieder auftaucht, wenn man sich daran erinnert: Die Spanier haben den Sinn dafür verloren, wer Freund und wer Feind ist. Diese Übereinstimmung erklärt, warum die Angelegenheit seit fast fünf Jahren offen bleibt.

Die Kritik richtet sich nicht nur an die Gedenktafel. Sie zielt auf die Idee ab, dass eine Hauptstadt, die einst Zentrum eines Imperiums war, öffentlichen Raum jemandem widmet, der laut der verbreitetsten Version die Feier des Sieges auf den Falklandinseln absichtlich auf den 12. Oktober, den Tag der Hispanität, verschob. Thatcher fungiert als Symbol für etwas Größeres: die Schwierigkeit, die eigene Vergangenheit ohne den Filter Londons zu betrachten.

Blas de Lezo, Trafalgar und die Invencible: die Bilanz der Erzählung

Der Boden, auf dem die Diagnose unbequem wird, ist der der Zahlen. Die Erzählung ruft Blas de Lezo auf, den Seehelden, der Cartagena de Indias verteidigte und die englische Flotte im 18. Jahrhundert besiegte, und vergleicht ihn mit Statuen, die tatsächlich öffentlichen Raum einnahmen. Es wird daran erinnert, dass sich der damalige spanische Konsul in Kolumbien beschwerte, als ein echtes – kein Spielzeug-Monument – für den Seemann errichtet wurde, mit der Begründung, das Vereinigte Königreich sei ein Verbündeter.

Die oft zitierten Zahlen zu Trafalgar lassen meist die Details außer Acht. Spanien verlor fünf Schiffe; die Engländer ihren Admiral und dreizehn hochrangige Offiziere, verbuchten aber den Sieg. Auch die Bilanz der sogenannten Invencible hält der Erzählung nicht stand: Spanien hätte 25 % seiner Flotte verloren, ohne ein einziges Schiff im Kampf versenkt zu haben, während Drake im Folgejahr 23.000 Mann – die meisten nach der Landung in Lissabon – und 60 % seiner Schiffe einer zahlenmäßig größeren Flotte als der spanischen verlor.

Das sind Daten, die selten in offiziellen Bilanzen auftauchen. Daraus ergibt sich ein Verdacht, der die gesamte Kontroverse durchzieht: Den Sieg schreibt sich nicht immer derjenige zu, der die Schlacht gewinnt.

Die französische These: Von Cervantes und Velázquez ins Nichts

Die zweite Front richtet sich gegen Frankreich. Die wiederholte Interpretation besagt, dass die Unterwürfigkeit nicht aus dem nationalen Charakter stammt, sondern mit der Ankunft der Bourbonendynastie begann. Das Argument, entlehnt von Autorinnen wie Roca Barea, behauptet, Spanien habe aufgehört, Cervantes, Lope, Calderón und Velázquez hervorzubringen, und dies im Namen eines Frankreichs geschehen, das im Bereich der Ideen vor allem Demagogen geliefert habe.

Die Schlussfolgerung ist hart: Aus Hochmut hätte Frankreich nie ein dauerhaftes Imperium aufgebaut, denn um zu herrschen, muss man etwas geben. Und ausgehend von der Zerstörung Spaniens 1808 zwischen Napoleon und Wellington wird argumentiert, dass ein großer Teil der spanischen Politik und Militärs für fremde Interessen arbeitete, ein Muster, das sich mit dem Verlust Kubas 1898 und den heutigen Vermittlern fortsetzt.

Warum steht eine Bolívar-Statue in Madrid?

Die Kritik gewinnt an Kraft, wenn sie auf die Asymmetrie hinweist. In Madrid steht eine Statue von Simón Bolívar im Parque del Oeste, und in Cádiz eine von General San Martín, zwei Figuren, die gegen Spanien kämpften. Das Argument ist einfach: Wäre das Kriterium, niemanden zu ehren, der gegen das Land gekämpft hat, müssten ein halbes Dutzend Monumente fallen, bevor die Thatcher-Tafel entfernt wird. Niemand weint ihnen nach.

Auf dieser doppelten Messlatte baut sich einer der häufigsten Vorwürfe auf: Die politische und mediale Elite besitzt keinen historischen Kompass, und ihre Anglophilie entspringt nicht ideologischer Nähe, sondern reinem Opportunismus. Für andere liegt das Problem genau andersherum: Drei Jahrhunderte alte Kränkungen auszugraben, als wäre London heute eine Bedrohung, sei Archäologie, keine Außenpolitik.

Vom 18. Jahrhundert zum heutigen Problem

Genau hier verläuft die Trennlinie. Ein Teil vertritt die Ansicht, der eigentliche Feind sei weder England noch Frankreich, sondern die spanische politische Klasse selbst, die beschuldigt wird, vom linken bis zum rechten Spektrum nationale Interessen zu verraten. Eine andere Strömung legt den Fokus auf Migrationskontrolle und Grenzverwaltung und wirft denen, die über Trafalgar diskutieren, vor, in die Vergangenheit zu blicken, während aktuelle Probleme ignoriert werden.

Ein dritter Weg, der pragmatischste, lehnt die Dichotomie ab: Es geht nicht darum, Freunde oder Feinde zu erklären, sondern zu berechnen, was man aus jedem Verbündeten herausholen kann. Mitten in all dem funktioniert die Anekdote des spanischen Konsuls in Kolumbien als Metapher für ein Land, das Besonnenheit gegenüber der Statue eines Seemanns fordert, der gewonnen, nicht verloren hat.

Diese Tatsache verwirrt mehr als die Zahlen. Fast fünf Jahre lang pendelte die Angelegenheit zwischen der Tafel in Madrid, den Bolívar-Statuen und der Erzählung von Trafalgar, ohne dass jemand stabile Kriterien festlegte, wen man ehrt und warum. Dass eine Expedition, bei der ein Großteil der Flotte verloren ging, weiterhin als vernichtende Niederlage gezählt wird, fasst die Pattsituation zusammen: Das Problem ist nicht die Geschichte, sondern wer sie deutet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (254 Antworten).

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