Linke Wähler in Spanien sehen sich sozialer Ächtung ausgesetzt

Vorschläge, linke Wähler wie Aussätzige zu behandeln, finden zunehmend Anklang. Ceuta und das Erbe von 1975 vertiefen die gesellschaftliche Spaltung in Spanien.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Bruch mit den linken Wählern ist in Spanien längst ein Programm

Von der Meinungsverschiedenheit zur Entmenschlichung

Der Vorschlag: nicht mehr mit Andersdenkenden sprechen, den Bruch mit der Familie vollziehen, den Nachbarn wie einen Verbrecher behandeln. Das ist kein isolierter Ausrutscher: Es ist eine Strömung, die ganz selbstverständlich formuliert wird und die seit Jahren im Privaten gelebt wird. Wer Parteien der Linken wählt, so heißt es, ist mitschuldig an dem, was an den Grenzen passiert, am Verfall des Landes, an allem, was als Bedrohung gilt. Die praktische Konsequenz: kein Umgang, kein Gespräch, kein gemeinsamer Tisch.

Zur Stützung wird eine düstere Anthropologie konstruiert: Der Gegner irrt sich nicht, er ist schlicht etwas anderes. Man greift zu Verschwörungstheorien und zur Vorstellung, ein Großteil der Bevölkerung sei nicht fähig zur Analyse. Wenn jemand den Dialog sucht, kommt es zum Kurzschluss. Besser, man lässt sie bei ihrem Bier und lebt sein eigenes Leben weiter, so das Fazit.

Ceuta als Auslöser und eine Spaltung, die bis 1975 zurückreicht

Der Verweis auf Ceuta befeuert den Vorschlag: Die dortigen Ereignisse machen Wähler bestimmter Parteien zu unmittelbaren Mittätern. Von der Kritik zur Diffamierung ist es nur ein Schritt. Doch manche stellen klar, dass dieser Moment nie verschwunden ist: Die Spaltung reicht weit zurück, und einige verorten sie im Jahr 1975, als diejenigen wieder auftauchten, die die Diktatur begraben hatte.

Es gibt auch eine taktische Nuance. Ein Teil räumt ein, dass das eigene Lager in der Minderheit ist: Sie sind zu wenige. Dem hält man eine qualitative Überlegenheit entgegen, die keiner Wahlurne bedarf. Das Problem: Diese Sicherheit hat nicht verhindert, dass sich die nationale Debatte in ein Minenfeld verwandelt hat, in dem die eigene Stimme Grund für gesellschaftliche Verurteilung ist.

Unter diesen Voraussetzungen scheint eine Versöhnung nicht nah. Vielleicht ist das Einzige Hoffnungsvolle, dass die gesellschaftliche Mehrheit einen solchen Radikalismus nicht teilt; doch wer ihn formuliert, ist überzeugt, dass genau diese Mehrheit das Problem ist. Bis zum Gegenteil, gilt: Der Graben entscheidet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (16 Antworten).

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