Lidl: Die Qualität lässt nach, Produkt für Produkt
Das Toastbrot wandert in den Müll. Die Nektarine kaut sich wie Kork. Das Pesto „schmeckt komisch, nicht nach Pesto“. Die Hähnchenbrust in Scheiben ist wässriger geworden, und der Naturthunfisch im Dreierpack enthält weniger Produkt, ist weniger kompakt und hat – so wird es beschrieben – einen metallischen Beigeschmack, der einen abschreckt. Das ist kein Einzelfall: Es ist ein Muster, das sich Produkt für Produkt im Lidl-Warenkorb wiederholt – und Stammkunden verorten es genau in dem Moment, in dem die Filialen aufhörten, Lagerhallen zu ähneln, und sich als moderne Supermärkte verkleideten.
Welche Produkte bei Lidl schlechter geworden sind
Die Liste ist lang und vielfältig. Über Toastbrot und Hotdog-Brötchen wird wegen eines „chemischen Geschmacks ohne Gleichen“ geklagt. Die Nektarinen und Pfirsiche schmecken nach nichts: „Das ist, als würde man Kork kauen“, heißt es, und wenn sie nicht fad sind, sind sie von innen überreif, obwohl sie außen perfekt aussehen. Die Granny-Smith-Äpfel sind kleiner geworden, die letzten werden schlicht als ungenießbar beschrieben. Die entsteinten schwarzen Oliven, früher gut, kommen jetzt „derb vor, manche hart, andere matschig“. Die Dosenstrandmuscheln sind vom Regal verschwunden. Der Weihnachtskranzkuchen wird superschrocken verkauft. Die Bio-Reiswaffeln mit Zartbitterschokolade haben den Hersteller gewechselt: Früher ein Genuss, jetzt trocken und mit sehr wenig Schokolade. Der milde Gazpacho wird als wässrig mit unangenehmem Knoblauchnachgeschmack beschrieben. Von den Tiefkühlpommes wird abgeraten. Und die grüne Pestosauce, die früher in Ordnung war, schmeckt jetzt seltsam.
Ein roter Faden zieht sich durch fast alle Beschwerden: Das Produkt schmeckt nicht schlecht – es schmeckt nach gar nichts. Obst fällt in diese Kategorie. Die grünen und gelben Melonen, die im April kommen, wenn es sie in anderen Supermärkten noch nicht gibt, sind eine Ausnahme. Mehr nicht.
Das Muster: weniger Produkt, schlechteres Format, gleicher Preis
Vom Geschmack abgesehen gibt es ein wiederkehrendes Phänomen: Das Produkt ändert sich über Nacht. Die Qualität ändert sich, das Verpackungsformat ändert sich, der Hersteller ändert sich. Interessante und besondere Produkte verschwinden für immer vom Regal, und der Laden gleicht immer mehr jeder anderen Eigenmarkenkette. Der Fall der Bio-Reiswaffeln wird am häufigsten genannt, ist aber nicht der einzige. Molkereiprodukte und Würste machten schon vor Jahren auf sich aufmerksam. Die saisonalen „exotischen“ Produkte, die vor ein paar Jahren noch „grandios“ waren, schmecken heute kaum noch nach etwas.
Der Naturthunfisch im Dreierpack ist das konkreteste Beispiel: weniger Thunfisch, weniger kompakt und ein Geschmack, der als metallisch beschrieben wird. Die Hähnchenbrust in Scheiben, wässriger. Das sind kleine, fast unsichtbare Veränderungen, die sich über Monate summiert den Wocheneinkauf in eine Lotterie verwandeln.
Warum Orangensaft und Obst anderswo gekauft werden
Das immer wieder gezogene Fazit: Wer ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis will, kann nicht alles an einem Ort einkaufen. Den Orangensaft kauft man bei Mercadona, wo er frisch gepresst wird, oder macht ihn zu Hause mit einer Edelstahl-Zitruspresse ohne Stromanschluss. Nach einer Rechnung, die im Thread kursiert, ist es bei 2,9 Euro pro Liter günstiger, die Orangen selbst zu kaufen und auszupressen. Obst beim Obständler. Geschirrspültabs, wenn es bei Carrefour Angebot gibt. Gazpacho bei Aldi. Billiges deutsches Bier bei Lidl – dafür taugt es ja noch.
Lidls Obst hat Verteidiger und Kritiker. Die Bananen für 1,29 Euro, die manchmal gespalten aus Kamerun und Costa Rica ankommen, gelten noch immer als besser als die anderer Supermärkte. Aber manche finden sie bitter und von innen überreif. Die Nektarine hat schlicht niemanden, der sie verteidigt.
Das Paradox vom hübschen Laden mit schlechterem Produkt
Hier liegt die verblüffende Beobachtung. Vor ein paar Jahren, als die Läden schäbig aussahen, war die Gesamtqualität deutlich besser. Heute sind die Filialen aufgeputzt, mit bunten Kassen und ultramodernem Flair – und die Qualität ist abgestürzt. Das ist kein isolierter Eindruck: Es ist die am häufigsten geäußerte Beobachtung und fasst das Missbehagen am besten zusammen. Viel ultramodernes Ambiente, aber dahinter Schund.
Dasselbe Muster zeigt sich bei den BIO-Keksen: Man kauft sie wegen der gesunden Zutaten – und stellt dann fest, dass sie laut Hinweisen 32 % Zucker enthalten. Das Bio-Siegel garantiert nichts. Und so geht es weiter.
Was bei Lidl zu retten ist und was man anderswo kauft
Nicht alles ist Klage. Die Bio-Joghurts haben einen unschlagbaren Preis. Die Tiefkühlbeeren außerhalb der Saison ebenfalls. Die 100-prozentigen Buchweizen-Soba-Nudeln ohne Weißmehl und der Bio-Jasminreis gelten als Gold. Das deutsche Brot ist grandios. Die weichen Geschirrspültabs und das Spülmittel für die Geschirrspülmaschine sind erste Sahne. Die Elektrische Zahnbürste muss sich vor der OralB nicht verstecken. Und der ultratiefgekühlte Seelachs aus dem Süden, der zu Weihnachten zum Normalpreis kommt, füllt zwei Gefriertruhen.
Das Problem: Diese guten Produkte koexistieren mit einem ständigen Tropfen von Qualitätsverschlechterungen, die das Vertrauen untergraben. Ihr habt offensichtlich noch nie das Entrecôte von Martínez Loriente probiert, ironisiert jemand. Die Antwort: Plastikverpacktes Fleisch würde man ohnehin nie kaufen, wenn man einen Metzger im Viertel hat, der gut berät und Fleisch von regionalen Erzeugern führt.
Der Preisanstieg bei Linsen im Glas und die Hülsenfrüchte-Blase
Eine konkrete Zahl: Gläser Linsen sind von 0,47 auf 0,59 Euro gestiegen. Nicht nur bei Lidl, auch bei DIA und Mercadona. Die übrigen Hülsenfrüchte sind nicht teurer geworden. Jemand tauft es die Linsenblase. Die vorgeschlagene Alternative: getrocknete Hülsenfrüchte lose in Läden kaufen, die im Sackgroßhandel einkaufen, und zu Hause kochen – Linsen aus der Armuña, pedrosillano-Kichererbsen, Bohnen aus El Barco de Ávila. Gesünder, günstiger und mit heimischer Garantie. Das Problem: Nicht jeder hat einen Schnellkochtopf, und stundenlanges Kochen ist mühsam.
Die Unzufriedenheit, die die Marke nie erreicht
Die Beschwerde bleibt zu Hause. Eigentlich sollte man genau das auf der Lidl-Website oder auf Facebook schreiben, heißt es. Vielleicht hält die Firma die Leute ja für dumm und merkt die Veränderungen nicht. Aber der Kunde kommt trotzdem wieder. Das billige deutsche Bier, die elektrische Zahnbürste, die Bio-Joghurts und der Weihnachtsfisch rechtfertigen den Besuch weiterhin. Der Rest des Wagenkorbs verteilt sich auf Aldi, Mercadona, Carrefour, den Obständler und den Metzger im Viertel.
Wie weit muss die Qualität eines Produkts sinken, damit der Kunde aufhört, es zu kaufen? Die Frage hat keine endgültige Antwort. Was es gibt, ist eine immer länger werdende Liste von Produkten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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