Leben in Spanien wirklich mehr Ausländer als Spanier? Die Daten widersprechen

Das spanische Statistikamt INE beziffert die Bevölkerung Spaniens zum 1. Januar 2025 auf 48,6 Millionen, davon 13,5 % Ausländer. Das Gefühl eines Austauschs passt nicht zur amtlichen Statistik.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Nein. Die Daten des Melderegisters stützen nicht die Behauptung, Spanier seien in ihrem eigenen Land eine Minderheit: Zum 1. Januar 2025 gab es 42,1 Millionen Spanier und 6,5 Millionen Ausländer, 13,5 % der Gesamtbevölkerung. Die Wahrnehmung, in manchen Vierteln sei „kein einziger Spanier mehr übrig", ist ein anderes Thema und verdient eine eigene Erklärung.

Es gibt eine Szene, die sich in vielen Gesprächen auf der Straße wiederholt: Jemand geht durch das Zentrum seiner Stadt, sieht sich um und kommt zu dem Schluss, dass Spanier zur Seltenheit geworden sind. Das Gefühl ist real, die Schlussfolgerung nicht. Laut dem fortlaufenden Melderegister des **INE** (spanisches Statistikamt) lebten am 1. Januar 2025 **48,6 Millionen** Menschen in Spanien, davon hatten **42,1 Millionen** die spanische Staatsbürgerschaft. Ausländer waren es **6,5 Millionen**, also **13,5 %**. Das heißt: Von sieben Einwohnern sind sechs Spanier.

## Was die amtlichen Zahlen zur Staatsangehörigkeit sagen

Das Register unterscheidet zwischen Staatsangehörigkeit und Geburtsort, und dort liegt ein Nuance, die man nicht aus den Augen verlieren sollte. Unter den 42,1 Millionen Spaniern sind mehrere Millionen, die im Ausland geboren wurden und die Staatsbürgerschaft durch Aufenthalt oder familiäre Herkunft erhalten haben. Spanien ist kein Land, in dem die ausländische Bevölkerung in irgendeinem amtlichen Zeitraum die einheimische übertroffen hätte. Mitnichten.

Die größten Staatsangehörigkeiten unter den ausländischen Einwohnern sind marokkanisch, rumänisch, kolumbianisch und britisch, laut den INE-Reihen der letzten Jahre. Keine davon erreicht einzeln drei Millionen. Die Vorstellung, „es sind Millionen und sie überrennen uns", stützt sich auf die Summe sehr unterschiedlicher Gruppen, die zusammen immer noch keine Mehrheit der Bevölkerung ausmachen.

## Warum manche Viertel anders wirken

Die nationale Statistik erklärt nicht, was man in einer konkreten Straße sieht. Räumliche Konzentration ist ein bekanntes Phänomen: In bestimmten Vierteln von **Barcelona**, **Madrid**, **Valencia** oder **Almería** liegt der Anteil der im Ausland geborenen Einwohner weit über dem Landesdurchschnitt. Das ist keine Invasion, sondern so funktioniert Migration: Familiennetzwerke, Arbeit in bestimmten Branchen, günstigere Wohnungen.

Die Volkszählung 2024 zeigte, dass die im Ausland geborene Bevölkerung in Spanien über **18 %** der Gesamtbevölkerung ausmachte, ein Prozentsatz, der sich in manchen Stadtbezirken verdoppelt oder verdreifacht. Durch diese Straßen zu gehen und sich als Minderheit zu fühlen, ist eine nachprüfbare Erfahrung. Diese Erfahrung in eine nationale Rechnung zu übersetzen, ist der Sprung, der nicht trägt.

## Wohnung, Löhne und der Sündenbock

Beim Thema Wohnen wird die Debatte hitzig. Es stimmt, dass die durchschnittlichen Immobilienpreise in Spanien seit 2015 stark gestiegen sind und die Mieten in den Großstädten teurer geworden sind. Es stimmt auch, dass die Bevölkerung laut INE in den letzten Jahren um rund **500.000 Personen pro Jahr** gewachsen ist und diese Nachfrage den Markt belastet.

Allerdings ignoriert man, wer die Unmöglichkeit, aus dem Elternhaus auszuziehen, allein auf Zuwanderung schiebt, die schwereren Faktoren: den kaum noch stattfindenden Neubau von Wohnungen seit 2008, die Rolle der Ferienvermietung in den Stadtzentren und Löhne, die seit Jahrzehnten langsamer wachsen als die Wohnkosten. Ein junger Mensch mit befristetem Vertrag und **1.200 Euro** Gehalt hat sich vor fünfzehn Jahren in **Madrid** auch nicht unter gleichen Bedingungen eine Wohnung leisten können.

## Die 30-Prozent-Rechnung hat keine Grundlage

Die Behauptung, Spanier machten weniger als **30 %** der Bevölkerung aus, taucht in keiner offiziellen Quelle auf. Das INE erfasst die Einwohner unabhängig von ihrem Verwaltungsstatus im Melderegister (padrón), das die Grundlage der Statistik bildet. Es stimmt, dass einige Gruppen untererfasst sind, aber kein Demograph sieht darin Größenordnungen, die das Bild der Zahlen verändern würden.

Der Abstand zwischen 13,5 % Ausländern und angeblich 70 % Nicht-Spaniern ist keine Fehlertoleranz. Es ist etwas anderes. Und man sollte es klar sagen: Das Gefühl der Verdrängung im Viertel kann real sein, ohne dass die demographische Schlussfolgerung stimmt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (13 Antworten).

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