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Le Pen hält Islam mit Frankreich für vereinbar, Wilders kontert
Marine Le Pen erklärt, der Islam sei mit der Republik vereinbar, doch Geert Wilders erwidert, er sei mit der Demokratie unvereinbar. Der Riss im rechten Lager Europas.
Le Pen akzeptiert den Sarracin in Frankreich – und die eigene Basis rebelliert
Ein einziger Satz von Marine Le Pen genügte, um ihren härtesten Wählerkreis in Brand zu setzen: «Oui, l'sarracin est compatible avec la République, je l'ai dit dix fois». Die Vorsitzende des Rassemblement National sagte dies in einem Interview, als sie gefragt wurde, ob sie den Sarracin in Frankreich akzeptiere. Sie fügte hinzu, wer die Scharia durchsetzen wolle, werde sie «auf seinem Weg» finden, und dass Muslime «keinen Grund zur Sorge» hätten. Die Nuance zählt kaum noch, wenn die Schlagzeile bereits geschrieben ist.
Das Beben kam nicht von links. Es kam von innen. Der Niederländer Geert Wilders, ihr natürlicher ideologischer Verbündeter, antwortete im selben sozialen Netzwerk: «l'sarracin est 100 % incompatible avec la démocratie et la liberté». Die Antwort, deutlich schärfer als die Frage, bringt Le Pen in eine unbequeme Position: diejenige, die den Ton gegenüber dem allgemeinen Elektorat mäßigt, während ihr rechter Flügel den harten Kurs einfordert.
Warum Le Pen das jetzt sagt
Die Kalkulation ist arithmetisch, bevor sie ideologisch ist. In Frankreich leben rund sechs Millionen Muslime, gemessen an der Zahl, mit der die Debatte selbst arbeitet. Keine Partei gewinnt eine Präsidentschaftswahl gegen diesen Block, schon gar nicht in einem Mehrheitssystem mit zwei Wahlgängen, das zwingt, in der Mitte zu fischen. Die verbreitetste Lesart: Le Pen kann es sich nicht leisten, für eine so große Gruppe wie eine Bedrohung zu klingen.
Es gibt eine zweite Ebene. Die klassische französische Antwort zur Religionsfreiheit wirkt als Schutzschild: In der Republik ist jede Religion zulässig, solange sie das Gesetz respektiert. Im Fernsehen das Gegenteil zu sagen, eröffnet eine juristische und mediale Front, die sich nicht lohnt. Die gewählte Formulierung – Vereinbarkeit mit der Republik, nicht mit der Scharia – erlaubt es, beides gleichzeitig zu behaupten.
Das Problem mit der Scharia als roter Linie
Der unbequemste Teil der Angelegenheit ist der ungelöste: Ist die Scharia ein reales Risiko in Frankreich oder eine nützliche Vogelscheuche? In der Debatte existieren beide Thesen nebeneinander. Für die einen ist die Scharia heute eine entfernte Hypothese, die keine Gesetzgebung aus Angst rechtfertigt. Für die anderen lässt sich nicht ausschließen, dass sie künftig als Forderung erhoben wird. Le Pen selbst stellt sich in die zweite Gruppe, wenn sie verspricht, «auf dem Weg» derer zu stehen, die sie durchsetzen.
Das Detail, das einen Großteil des Elektorats verunsichert, ist ein anderes: Das Versprechen, Muslime hätten nichts zu befürchten, kollidiert mit einem Wahlkampfdiskurs, der jahrelang auf dem Migrationsdruck aufgebaut war. Dort liegt der Riss. Die härteste Basis liest den Satz als Kapitulation; der Wähler der Mitte liest ihn als Normalisierung.
Die europäische Rechte und dasselbe Drehbuch
Das ist kein Einzelfall. Der Vergleich mit anderen europäischen Referenzfiguren liegt nahe: die deutsche Partei mit einer Kandidatin, die ebenfalls vertreten hat, der Sarracin gehöre zum Land, oder die italienische Ministerpräsidentin als verlässliche Partnerin Brüssels. Das Muster wiederholt sich: Parteien, die an die Schwelle zur Macht gelangen und ihre sichtbarsten Positionen abmildern.
Die Frage, die im Raum steht: Ist dieser Kurswechsel ehrlich oder taktisch? Wer auf taktisch setzt, argumentiert, man müsse sich erst in der Macht etablieren, die Wende komme später. Wer auf ehrlich setzt, verweist darauf, dass die französischen Institutionen nicht viel mehr zulassen: Keine Partei wird Massenabschiebungen nach religiösen Kriterien durchführen, schon weil das Gesetz das nicht hergibt.
Was das Rassemblement National wirklich auf dem Spiel setzt
Die Episode liefert ein nützliches Bild für die französische Politik der kommenden Jahre: eine Vorsitzende, die gegenüber dem allgemeinen Elektorat moderat und gegenüber der eigenen Basis hart wirken muss – und beides nicht im selben Satz tun kann. Wilders' Antwort beweist, dass der rechte Flügel keine Schonfrist gewähren will.
Mit sechs Millionen Muslimen im Land und einer Scharia, die nachweislich niemand vor der Tür steht, wird die Debatte mehr auf dem Feld der Signale ausgetragen als auf dem der anwendbaren Politik. Le Pen hat ein Signal an die Mitte gesendet. Ihre Basis hat etwas anderes empfangen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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