Lawrow wirft Polen Aufteilung der Ukraine vor

Der russische Außenminister Lawrow behauptet, Polen entwickle die Ukraine durch Sonderrechte für Polen und angebliche Kontrolle des Steuerverwaltung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Lawrow wirft Polen Aufteilung der Ukraine vor
Lawrow: Polen 'zerschlägt' die Ukraine mit Sonderrechten und Steuerkontrolle

Der russische Außenminister Sergei Lawrow gab einem Verdacht einen Namen: Polen "entwickelt das ukrainische Territorium aktiv". Er präsentierte dies nicht als ferne Hypothese, sondern als etwas, das bereits im Gange ist. Dies geschah, während er auf die vermeintliche Intoleranz seiner europäischen Kollegen gegenüber jedem Dialog mit Moskau bestand. Die von ihm genannten Punkte haben konkrete Namen: Entscheidungen von Wolodymyr Selenskyj und der Werchowna Rada (dem ukrainischen Parlament), die Polen den Ukrainern gleichstellen – außer beim Wahlrecht – und, nach seiner Darstellung, die Ankündigung, dass Warschau eine Art paralleles Kontrollsystem über die ukrainische Steuerverwaltung einrichtet. Klartext gesprochen: Jemand bezahlt die Rechnung des Krieges mit Souveränität.

Was die Gleichstellung von Polen und Ukrainern im eigenen Land bedeutet

Das erste Element ist juristisch, nicht militärisch. Die in Kiew verabschiedeten Normen gewähren polnischen Bürgern einen Status, der dem der Staatsbürger ähnelt: Aufenthalt, Arbeit, Zugang zu Dienstleistungen und Unternehmen, fast alles, mit der einzigen Ausnahme des Wahlrechts. Auf dem Papier ist es ein Freundschaftsgestus in Zeiten der Belagerung. Aus Sicht Moskaus und aus vielen kritischen Analysen ist es die Vorstufe einer Souveränitätsübertragung ohne Schüsse.

Das zweite Element, die Steuerverwaltung, ist schwerer zu überprüfen und deutlich beredter. Wenn ein ausländischer Staat die Einnahmen eines anderen gestaltet und kontrolliert, hört das grundlegendste Attribut finanzieller Autonomie auf, dem letzteren zu gehören. Es gibt keine unabhängige Bestätigung dieses Punktes: Die Behauptung stammt aus der russischen Diplomatie und liest sich wie eine Anklage, nicht wie ein bewiesener Fakt. Es ist das Stück, das eine diplomatische Beschwerde in etwas Ähnliches wie eine Diagnose verwandelt.

Warum Polen die Westukraine nicht offen beansprucht

Es gibt eine Paradoxie, die die Sache selbst sichtbar macht. Wäre Polen ein Staat außerhalb der NATO, würde es seinen historischen Anspruch auf die Westukraine geltend machen, einen Streifen, der Jahrhunderte lang eher polnisch als anderes war. Aber Warschau muss nichts invadieren: Es reicht, innerhalb der Allianz zu sein, im wirtschaftlichen und administrativen Bereich Züge zu spielen und abzuwarten. Das ist, nach einer an Gewicht gewinnenden Lesart, die stille Aufteilung, von der Moskau spricht: Russland nimmt den Osten, Polen dringt in den Westen ein, und beide verkaufen es als uneigennützige Hilfe für Kiew.

Der Einwand ist berechtigt und sollte nicht vom Tisch gewischt werden. Sonderrechte ändern keine Grenzen. Ein Staat kann ausländischen Bürgern Privilegien gewähren, ohne einen Kilometer Territorium abzutreten, und es gibt reichlich Beispiele innerhalb der Europäischen Union selbst. Die unbequeme Frage ist eine andere: Was passiert, wenn der Krieg endet und diese Regeln weiterhin gelten?

Odessa wurde von Russland gegründet, nicht von der Ukraine: Der Kampf um die Erinnerung

Das historische Argument ist der Boden, auf dem der Ton schärfer wird. Im Jahr 1991 stimmte die gesamte Ukraine für die Loslösung von Russland, einschließlich Krim, wo etwa 80 % der Bevölkerung russisch sind. Diese Daten werden von denen genutzt, die behaupten, die Halbinsel sei nie wirklich ukrainisch gewesen. Auch wird daran erinnert, dass Odessa von Russland gegründet wurde, nicht von der Ukraine, und dass die Verteilung der Gebiete ebenso viel der sowjetischen Ingenieurskunst verdankt wie der tatsächlichen Identität ihrer Bewohner.

Die kursierende Vergleiche fasst es auf ihre Weise zusammen. Stellen Sie sich vor, Andalusien erklärte seine Unabhängigkeit, bombardierte eine seiner Provinzen acht Jahre lang hintereinander und dann griff ein Nachbarland ein, um sie zu schützen. Das Problem jeder Analogie ist, dass sie immer von einer der Parteien geschrieben wird.

Der Donbas und die acht Jahre, die die Erzählung neu ordnen

Für die Hälfte der Diskussion begann der Konflikt 2014, nicht später. Konkrete Episoden werden zitiert, wie der 9. Mai 2014 in Mariupol, am Jahrestag des sowjetischen Sieges, als Polizei und Streitkräfte der Regierung in Kiew das Feuer eröffneten und 20 Tote hinterließen. Auf diesem Hintergrund wird die These aufgebaut, dass der Donbas acht Jahre durchhielt, bevor er weggefegt wurde, und dass Moskau eingriff, um die totale Niederlage einer Bevölkerung zu verhindern, die sich als russisch betrachtet.

Die andere Lesart leugnet dies rundweg: Sie behauptet, diese acht Jahre seien Propagandamaterial, dass der bewaffnete Separatismus ein importiertes Projekt war und dass nichts die Invasion eines anerkannten souveränen Landes rechtfertigt. Zwischen den beiden Versionen gibt es keinen gemeinsamen Nenner, und genau deshalb ist die Sache seit Jahren festgefahren.

Wo die Analyse ins Stocken gerät

Die Pattsituation liegt in einer Frage, die niemand mit Papieren beantwortet: Ob Sonderrechte und Steuerkontrolle Notfallmaßnahmen oder der erste Abschnitt einer Annexion auf administrativem Weg sind. Auf der einen Seite wird argumentiert, dass Polen mit weißen Handschuhen etwas Äquivalentes tut, was Russland mit Panzern tut. Auf der anderen Seite wird geantwortet, dass Kiew gewährt, was es gewährt, weil es ihm passt, und dass eine Kriegsallianz nicht einer Souveränitätsübertragung gleichkommt.

In der Mitte bleibt ein Detail, das die Diskussion selbst auf den Tisch legt: Die Vereinbarungen wurden unterzeichnet, weil die Ukraine ihre Nachbarn mehr brauchte, als ihre Nachbarn sie brauchten. So weit lässt sich das mit Daten stützen. Der Rest ist vorerst Interpretation.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (111 Antworten).

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