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Kommunismus zur Marktsteuerung herbeiwünschen: Warum der Satz nicht stimmt
Die Ökonomin Sarah Santaolalla sagte live im spanischen RTVE: "Wäre es doch Kommunismus, um in den Markt einzugreifen." Wir analysieren, was dieser Satz bedeutet.
Der Satz ist eine Übertreibung: "Kommunismus" zu fordern, um in den Markt einzugreifen, verwechselt Interventionismus mit der Abschaffung des Privateigentums. Märkte werden bereits durch Steuern, Zinsen und Regulierung gesteuert, ohne dass ein Systemwechsel nötig wäre.
Sarah Santaolalla, Ökonomin, ließ sich in einer Live-Sendung von **RTVE** einen Satz entfahren, der tausendfach geteilt wurde: "Wo sind die Kommunisten? Wäre es doch Kommunismus, um in den Markt einzugreifen." Sie sagte das im Rahmen einer TV-Debatte, nicht auf einer Kundgebung, und das Zitat kursiert gekürzt.
## Was "in den Markt eingreifen" bedeutet
In den Markt einzugreifen bedeutet, öffentliche Instrumente zu nutzen, um Preise und Allokationen zu korrigieren: Steuern, Zinssätze, Zölle, Mietregulierung oder Wettbewerbspolitik. Das geschieht in gemischten Volkswirtschaften wie der spanischen, wo die Staatsausgaben bei rund **42 % des BIP** liegen (Eurostat, 2023). Dafür braucht es keinen Kommunismus. Kommunismus bedeutet in seiner klassischen Definition kollektives Eigentum an den Produktionsmitteln und zentrale Planung, nicht bloß Regulierung.
## Die Zahl der "100 Millionen Toten"
Der Beitrag, der den Clip verbreitete, ergänzt, dass "mehr als 100 Millionen Tote" diesem Ruf vorausgingen. Diese Zahl wird in Debatten über Opfer kommunistischer Regime verwendet, ist aber weder offiziell noch unumstritten: Sie stammt aus umstrittenen historiografischen Schätzungen, etwa denen des *Schwarzbuchs des Kommunismus* (1997). Es handelt sich nicht um eine von Statistikbehörden überprüfte Zahl.
## Warum der Satz wichtig ist
Das Problem ist nicht, dass jemand mehr staatliche Eingriffe fordert: Darüber wird täglich diskutiert. Das Problem ist, diese Eingriffe als "Kommunismus" zu bezeichnen, denn das entleert beide Begriffe. Wenn alles, was den Markt reguliert, Kommunismus ist, dann ist kaum ein Land der Welt kapitalistisch. Und wenn Kommunismus nur "eingreifen" bedeutet, taugt das Wort nicht mehr, um zu beschreiben, was in der **UdSSR** oder im Mao-**China** geschah.
Der Satz funktioniert als Fernseh-Soundbite. Als ökonomische Analyse ist er unpräzise. Und man sollte bedenken, dass Opferzahlen politischer Regime mit Vorsicht zu behandeln sind: Es gibt kein einheitliches Register, und die Schätzungen variieren je nach Quelle stark.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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