Ellbogen- und Knieschoner sowie Tortillas: So wurde die Wohnung in fünf Jahren bezahlt
Eine Cordhose mit handgenähten Knieschonern, ein selbstgestrickter Wollpullover und eine Blechbrotdose mit Kartoffel-Tortilla auf dem Weg aufs Land. Dieses Bild wird in der öffentlichen Debatte oft als Beweis dafür angeführt, dass die Generation, die zwischen den 70er und 80er Jahren Wohneigentum erwarb, nicht im Überfluss lebte, sondern in einer militanten Askese. Die Diskussion beginnt mit expliziter Ungläubigkeit: Wenn Wohnungen tatsächlich in fünf Jahren gekauft wurden, so das Argument, ist es unmöglich, dass diese Menschen gleichzeitig ein so entbehrungsreiches Leben führten. Und doch deuten die gesammelten Zeugenaussagen genau auf das Gegenteil hin: Die Sparsamkeit war kein Hindernis für das Ansparen, sondern dessen Voraussetzung.
Was damals an Kinderkleidung getragen wurde
Die Berichte stimmen fast dokumentarisch überein. Kleidung, die von älteren Geschwibern geerbt und von der Mutter ausgebessert wurde, mit Knieschonern an Jeans und Ellbogenschonern an Jacken. Selbstgestrickte Wollpullover nach ähnlichen Mustern wie beim Häkeln. Hosen, die zwei Größen zu groß gekauft wurden, damit sie länger hielten, während die Kinder wuchsen. Turnschuhe von lokalen Marken wie Paredes oder Gorila, nicht von multinationalen Sportartikelherstellern.
Die funktionale Erklärung ist einfach: Kinder ruinierten ihre Kleidung beim Spielen auf der Straße, und es gab weder Fast Fashion noch günstigen Ersatz. Ein Flicken anzunähen war billiger als eine neue Hose zu kaufen, und die Mütter taten dies mit Qualitätsanspruch: Manche trennten einen Knieschoner wieder ab und nähten ihn neu an, wenn er nicht perfekt saß. Ein Detail, das sich in vielen Berichten wiederholt: Alte Kleidung war keine Entschuldigung für schlechte Erscheinung.
Wasserkannen, Brotdosen und Urlaub bei den Großeltern
Der zweite Block der Erinnerungen betrifft den Alltagskonsum. Auf dem Land mit der Blechbrotdose und Tortilla essen. Den Kofferraum mit leeren Kanistern füllen und nach gutem Wasser suchen, weil das Leitungswasser schlecht schmeckte und häusliche Umkehrosmose-Anlagen nicht existierten. Zwei- bis dreimal im Sommer an den Strand fahren. Eine Wohnung an der Küste zur Hälfte mit den Tanten und Onkeln mieten und acht Personen in drei Zimmern unterbringen. Drei- bis viermal im Jahr auswärts essen, und nur um etwas zu feiern.
Die Liste dessen, was es nicht gab, ist ebenso aufschlussreich: Kein Rivera Maya (bekannte Einkaufsstraße), keine kostenpflichtigen Festivals, keine Sterne-Restaurants, kein günstiges Mobilfunknetz, keine alle zwei Jahre erneuerte Unterhaltungselektronik. Freizeit bestand aus der Dorfkapelle und Picknicks auf dem Land. Auf dieser Basis war das Sparen kein heroischer Verzicht, sondern die mechanische Konsequenz daraus, dass man nirgendwo Geld ausgeben konnte.
Wurden Wohnungen wirklich in fünf Jahren gekauft oder ist es eine urbane Legende?
Hier spaltet sich das Material in zwei Lager. Einige behaupten, dass ihre Eltern die Wohnung in fünf Jahren bezahlten, mit einer Anzahlung von 300.000 Pesetas und dem Rest finanziert über diesen Zeitraum. Andere relativieren, dass dies vor allem ab einem bestimmten politischen Moment möglich war, mit extrem hohen Zinsen – Spannen von 24 % oder mehr werden genannt – und Hypotheken mit einer durchschnittlichen Laufzeit von acht bis zwölf Jahren. Das bedeutet: Hohe Raten am Anfang, die aber durch Inflation und Gehälter, die sich in einem Jahrzehnt vervielfachten, schnell 'aufgeweicht' wurden.
Der andere Faktor, der in der Diskussion auftaucht, ist die Wohnung als absolute Priorität. Es gab keine Zweitwohnung, keinen Neuwagen alle fünf Jahre, keine vierteljährlichen Reisen. Die Wohnung war das Familienprojekt, und alles andere war diesem untergeordnet. Die Spar-Disziplin war keine Tugend, sondern der einzig verfügbare Weg.
Die andere Seite: Kriminalität, Heroin und unbeleuchtete Straßen
Nicht alles war idyllisch, und das Material macht dies deutlich. Es wird über eine Ära mit viel mehr Kriminalität in den Großstädten gesprochen, über Radio-Cassette-Diebstähle, Apotheken-Raubüberfälle, Heroin als Plage in den 80ern, über Stadtviertel, die als gefährlich beschrieben werden, und über eine U-Bahn mit Holzwaggons. In den Dörfern hingegen behaupten mehrere Zeugen, dass Kriminalität praktisch nicht existierte.
Der Kontrast zwischen Stadt und Land ist eines der Hauptthemen, die sich durch die gesamte Diskussion ziehen. Ebenso die Härte der Arbeit: Lebenslange Jobs im Privatsektor, aber mit Schichten und Bedingungen, die heute undenkbar wären. Die Arbeitsplatzsicherheit war das Asset, das alles andere trug.
Warum erzeugt diese Erzählung heute so viel Reibung?
Der Punkt größter Spannung ist nicht, ob es Ellbogenschoner gab, sondern was daraus geschlossen wird. Ein Teil der Kommentare behauptet, dass die Generation, die günstig Wohnraum kaufte, heute die Schicht mit der höchsten Sparfähigkeit und Vermögensbildung ist und weiterhin Politik wählt, die ihr nicht besonders nützt. Ein anderer Teil antwortet, dass der Vergleich unfair sei: Es gab nichts zu kaufen, keinen globalen Wettbewerb, keinen Massentourismus, und die Löhne stiegen automatisch.
Die aufdrängende Schlussfolgerung ist für beide Seiten unbequem. Wenn die Wohnung in fünf Jahren bezahlt wurde, lag das nicht daran, dass das Leben besser war, sondern daran, dass das restliche Leben enger war. Und wenn heute nicht in fünf Jahren bezahlt wird, liegt das nicht nur daran, dass Wohnraum teurer ist, sondern daran, dass es tausend neue Möglichkeiten gibt, Geld auszugeben, bevor die Hypothek erreicht wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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