Klassische Herrenparfums verlieren ihren Charakter: Wer ist schuld?

Die EU verbot Lilial und Eichenmoos, was den klassischen Herrenparfums ihre Seele nahm. Günstige Alternativen und olfaktorische Nostalgie.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Klassische Herrenparfums verlieren ihren Charakter: Wer ist schuld?

Unter Männern, die mit Fahrenheit, Kouros oder Acqua di Giò aufgewachsen sind, wiederholt sich eine Klage wie ein Sprichwort: Der Duft ihrer Jugend riecht nicht mehr so wie früher. Dies ist keine subjektive Empfindung noch billige Nostalgie. Reformulierungen, Beschränkungen der Europäischen Union und der Druck durch Allergene haben eine Generation von 'klassischen' Düften zu einem aromatischen Skelett reduziert.

Das häufigste Beispiel: Acqua di Giò, Armanis Bestseller in den 90ern, riecht heute laut übereinstimmenden Analysen nach frisch gepresster Zitrone. Carolina Herrera Men hält kürzer als eine Nachrichtensendung. Und die Liste der Verlierer umfasst Klassiker, die bis zur Unkenntlichkeit reformuliert wurden.

Das Museum der verbotenen Inhaltsstoffe

Der entscheidende Faktor ist nicht die Kreativität der Parfümeure, sondern die europäische Gesetzgebung. Atranol und Chloratranol, aus Eichenmoos extrahiert, wurden auf homöopathische Dosen reduziert: Sie begruben den klassischen Fougère-Duft, und das 'feuchte Wald'-Gefühl klingt nun nach Plastiktüte. Lilial, dieser saubere Blumenduft, der Jacke und Krawatte Luftigkeit verlieh, wurde ohne Gnade verboten. Auch HICC, ein allgegenwärtiges Fixativ, fiel dem Verbot anheim.

Das Ergebnis ist, dass die 'Duftbomben' der 80er – Fahrenheit, Kouros, Antaeus, Lapidus – hochintensive Rohstoffe tierischen oder pflanzlichen Ursprungs verwendeten, die nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Civetkatze oder Bibergeil sind aus den Zutatenlisten verschwunden, und mit ihnen die rohe Kraft. Die aktuellen Versionen sind milder, sicherer und für Nostalgiker unendlich langweiliger.

Das Geschäft mit Replikas und die 30-Euro-Grenze

Die Reaktion des Marktes ließ nicht auf sich warten. Eine pragmatische Strömung hat die klassischen Herrendüfte wiederentdeckt – Varón Dandy, Floïd, Old Spice, Brummel – während andere Häuser für Replikas entdeckt haben: Yodeyma, Larome und Esenzzia verkaufen Inspirationen von Designerdüften für etwa 30 Euro. Es gibt sogar Apotheken-Optionen wie IAP Pharma mit Preisen um die 12 Euro und Versionen der legendären Hugo-Boss-Düfte.

Der Preis ist ein zentraler Aspekt. Die meisten Verbraucher mit nostalgischem Profil geben an, nie mehr als 40 Euro für ein Parfum bezahlt zu haben, und viele weigern sich, die Marke von 25 oder 30 Euro zu überschreiten. Offensichtliche Schlussfolgerung: Wenn die Marke nicht mehr die Qualität von früher bietet, warum sollte man dafür zahlen?

Der Unisensuni-Trend: Der Duft der neuen Männlichkeit

Ein anderer Trend geht weiter: Die Unterscheidung zwischen Männer- und Frauenparfum gehört der Geschichte an. Massimo Dutti hat bereits 90 % seines Katalogs auf Unisensuni umgestellt, und die Jo Malone-Linien für Zara bieten Düfte an, die sich nicht in alte Schubladen stecken lassen. Schluss mit Tabak und Gras für ihn, süßlichen Blumen für sie; jetzt dominieren Amber, Gelbtöne und alles, was nicht ermüdet.

Dies ist keine einstimmige Haltung. Manche bevorzugen die Haut-, Tabak- und Moschusdüfte von einst, und einige behaupten, Frauenparfums riechen besser als Männerparfums, diese aber direkt schlecht. Wie auch immer, der Unisensuni-Trend verändert die Regale.

Nostalgie lässt sich nicht reformulieren

Am Ende ist das Bild zweigeteilt. Auf der einen Seite stehen jene, die die verlorene Intensität in Replikas und günstigen After-Shaves suchen, in der Hoffnung, dass eine Flasche für 8,50 Euro pro Liter ihnen den Duft der Jugend zurückbringt. Auf der anderen Seite stehen jene, die ins Unisensuni-Territorium gewechselt haben und nicht mehr zurückblicken. Einig sind sie sich nur in der Diagnose: Das heutige Fahrenheit ist nicht das von vor 30 Jahren. Niemand konnte diese Lücke schließen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (368 Antworten).

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