Kim Jong Un wieder da – die Todeshalunkengeschichte zerfällt

Kim Jong Un ist nach der Todesgerücht-Welle vom 19. Oktober wieder aufgetaucht. Fotos, die Doppelgänger-Theorie und die Rolle von Cao de Benós nähren den Skeptizismus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kim Jong Un wieder da – die Todeshalunkengeschichte zerfällt
Kim Jong Un wieder da – die Todeshalunkengeschichte zerfällt

Die Szene hat etwas Groteskes: Ein Mann, der am 19. Oktober für tot erklärt wurde, taucht Tage später bei der Eröffnung einer Leichtindustrie-Ausstellung auf – und die Nachricht kommt nicht von einem Geheimdienst oder einem Medium mit Korrespondentenbüro in Pjöngjang, sondern von einem westlichen Enthusiasten, der die «Auferstehung» des Marschalls feiert. Das Gerücht über Kim Jong Uns Tod kursierte heftig und zerfiel ebenso schnell, hinterließ eine Spur von Tweets, Fotos und Vergleichen, die nebenbei viel darüber verraten, wie Informationen rund um das undurchschaubarste Regime der Welt konstruiert werden.

Das erste Problem sind die Daten. Die Nachricht, die die Kontroverse auslöst, verlegt den angeblichen Tod und das spätere Wiederauftauchen auf wenige Stunden – mit einem Besuch einer Leichtindustrie-Ausstellung als Lebenszeichen. Die Abfolge ist so eng, dass sie Misstrauen weckt: Entweder war das Gerücht sehr kurzlebig, oder jemand schreibt den Kalender um. Manche verwerfen die Geschichte von Minute eins wegen mangelnder Glaubwürdigkeit, andere starren stattdessen auf die Fotos und suchen den Haken.

Die Fotos, die Zigarre und die Doppelgänger-Theorie

Die zweite Ebene der Geschichte ist visuell. Die Bilder des rauchenden Führers werden mit Aufnahmen von anderen Daten verglichen, und Details, die nicht passen, werden hervorgehoben: die Kleidung, die Miene, die Zigarre. Die Doppelgänger-Theorie gewinnt an Boden, sobald der Fokus auf dem Inminbok liegt, dem Volksanzug, den der Marschall lange nicht getragen und plötzlich wieder angezogen hat. Für einen Teil der Leute ist dieses Detail der Beweis, dass etwas nicht stimmt; für die anderen ist es reiner Zufall in der Garderobe.

Die Zigarre ist der große unfreiwillige Protagonist. Ein Führer, der bei einer offiziellen Ausstellung raucht, während Berater um ihn herum Notizen machen, ist ein Bild, das alle möglichen Deutungen zulässt. Es wird diskutiert, ob der Tabak ein Zeichen von Normalität oder eine falsche Fährte ist, und die Rauchgewohnheiten in Korea werden mit denen in Spanien und China verglichen, um Klischees zu entkräften. Das Ergebnis des Datenabgleichs ist unbequem: Die Koreaner rauchen weniger, als das Klischee vermuten lässt.

Das Notizbuch, die Notizen und die Informationskontrolle

Es gibt eine Szene, die sich bei jedem Auftritt wiederholt: das Gefolge mit Notizbuch in der Hand. Die offizielle Erklärung lautet, sie notieren die Vorschläge des Führers, damit seine Worte nicht verdreht werden. Die inoffizielle Erklärung: Das wirkt in mitten des Videozeitalters ziemlich rudimentär. Wenn das Ziel ist, die Botschaft vor Manipulation zu schützen, wäre eine Aufnahme schwerer zu verzerren als ein Heft. Die Ironie schreibt sich von selbst.

Die Informationskontrolle ist der Hintergrund des ganzen Vorgangs. Nordkorea kann es sich nicht leisten, dass der Gesundheitszustand seines Führers sicher bekannt wird – deshalb spielt es auf Zeit mit mehrdeutigen Fotos und kalkulierten Auftritten. Ein Teil der Analyse hält diese Intransparenz für eine rationale Strategie eines in die Ecke gedrängten Landes; andere erinnern daran, dass Intransparenz auch Gerüchte wie dieses nährt. Beides stimmt gleichzeitig – und genau darin liegt der Wirrwarr.

Wer ist Cao de Benós und warum ist er wichtig?

Die Figur, die der Geschichte ihren Titel gibt, verdient einen eigenen Abschnitt. Aus aristokratischer Familie, mit einem Werdegang, der Dienst in der spanischen Luftwaffe mit einer Bewunderung für Nordkorea verbindet, die bis in seine Jugend zurückreicht, ist er zu einer Art inoffizieller Botschafter des Regimes im Westen geworden. Sein familiäres Portfolio mit Adelstiteln und militärischen Verbindungen verleiht seiner Rolle als begeisterter Sprecher der Juche-Ideologie einen auffälligen Kontrast.

Die eigentliche Frage ist nicht, ob Kim lebt, sondern warum wir einem Gerücht hinterherlaufen. Informationen über das Regime zirkulieren über intransparente Kanäle, werden in sozialen Medien verstärkt und mit derselben Leichtigkeit widerlegt, mit der sie geschaffen wurden. Währenddessen nimmt die Wirtschaft der Region ihren eigenen Kurs, mit Südkorea gefangen im Kater der Erinnerungen und Schallplatten und mit dem Technologie-Wettstreit zwischen China und den USA, der den Takt vorgibt. Das Schauspiel des auferstandenen Führers überdeckt für eine Weile, was sich in Wirklichkeit in Asien bewegt.

Wie viele Gerüchte müssen noch kommen, bis wir aufhören, das Foto anzusehen, und anfangen, den Kalender zu betrachten?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (79 Antworten).

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